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Hochheim Fest für den guten Tropfen

Zum Weinfest werden in der Altstadt und den Weinbergen 60 000 Besucher erwartet.

Hochheimer Weinfest
Beliebt ist das Traditionsfest schon seit 69 Jahren. Foto: Rolf Oeser

Das „Zutrinken“ klappt schon bestens. Die freundliche Geste in Trinkgesellschaften perfekt auszuführen, ist aber nicht mehr Voraussetzung, wenn eine junge Dame Weinkönigin werden will. In den Anfangsjahren des Hochheimer Weinfests ab 1950 gehörte diese Disziplin zum Dreikampf der Bewerberinnen vor einer strengen Wahlkommission. Kurzes Vortanzen und das Sprechen eines Gedichts gehörte ebenfalls dazu, die Jury kürte dann „die Fähigste“ unter ihnen für das Ehrenamt. So ist es verbrieft.

Heute zählen andere Qualitäten. Die Weinkönigin und ihre zwei Prinzessinnen sollen „moderne und beste Botschafter“ in Sachen „Kulturgut Wein“ sein, wie es Franz-Werner Michel blumig formuliert, der Vorsitzende des Hochheimer Weinbauvereins. Das wird passen: Die designierte Königin des Weins, die zu Beginn des Fests gekrönt wird, wird gerade in einem Weingut vor Ort zur Winzerin ausgebildet.

„Ich weiß, wie viel Arbeit in jeder Flasche Wein steckt“, sagt die 19-jährige Eva Dorothea Hartmann – für sie Motivation, sich als Botschafterin und Werberin etwa für den „Hochheimer Kirchenstück“ einzusetzen, einen „Riesling Spätlese Halbtrocken“ aus dem Jahr 2017.

Ihn hat sie ausgewählt als „Königinnenwein“, die blumige Beschreibung von Farbe, Geruch und Geschmack gelingt ihr schon so perfekt wie das Zutrinken.

„Wir haben die Pflicht, für unseren Hochheimer Wein zu werben“, hatte der Bürgermeister schon 1951 den Winzern vor dem Fest ins Stammbuch geschrieben. Damals wie heute ging es um die Konkurrenz auf dem Markt mit vielen Auslandsweinen.

Im 69. Jahr des Weinfests haben die Hochheimer Winzer keine Absatzsorgen, längst gehört die Sause zu den größten Weinfesten im Rheingau. Mit bis zu 60 000 Besuchern rechnen sie im Organisationsbüro, geboten werden 10 000 Quadratmeter Festfläche, sieben Open-Air-Musikbühnen und über 100 Stände in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt. 
Der 2017er Jahrgang allerdings wird schon knapp, Bürgermeister Dirk Westedt rät bereits zum zeitigen Genuss.

Der späte Frost im vergangenen Jahr hat in vielen Weinbergen fast die Hälfte der erhofften Ernte gekostet, es war ein hartes Jahr für die Winzer. „Aber der Wein ist gut, sehr mineralisch, man schmeckt den Riesling, es gibt schöne Burgunder und enorme Überraschungen“, schwärmt Weinbauvereinschef Michel. Und spricht von „hoffnungsvoller Erwartung auf reichliche Ernte“ für das laufende Jahr. „Wir sind drei Wochen voraus, es sieht gut aus.“ 

Es sieht gut aus in den Weinbergen am „Tor zum Rheingau“, wie sie im Nachbarort Wicker sagen. Auch im Weinberg können Besucher das Fest genießen, in Ruhe ganz ohne Musik zwischen den Rebzeilen. Polizeichef Jörg Schmidt sieht dem Fest gelassen entgegen, die Ordnungskräfte seien mit „ausreichend Kräften“ vertreten und gut gerüstet für die vier Tage und Nächte. Sollten Fußballfans zum Autokorso aufbrechen, gebe es keine Möglichkeit, ins Festgebiet zu gelangen. Nur eine Angst geht um – das wäre ein WM-Finale mit Deutschland. „Dann sind die Höfe leer“, glaubt Franz-Werner Michel.

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