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Hobbyschäfern in Hessen Die eigene Herde

Der Trend zum Hobbyschäfern in Hessen wächst – wie aber anfangen, wenn das Thema so mannigfaltig ist? Lehrgänge ebnen den Weg ins Schafjahr.

Schaeferei
Autor und Lamm auf Wehrheimer Wiesen. Foto: Renate Hoyer

Wir leben in glücklichen Zeiten. Niemand, der mit Schafen unterwegs ist, braucht gesellschaftliche Ächtung zu befürchten, muss am Rande der Gemeinschaft bleiben. In früheren Epochen war der Schäfer genauso verrufen wie der Henker oder Totengräber. Mittlerweile wird bestaunt, sogar beneidet, wer sich der Profession hingibt.

Veränderte Rahmenbedingungen bringen immer mehr Menschen zum Schaf. Die Haltung in Hobbygröße ist im Trend, immerhin sind hessenweit 3800 Betriebe mit einer Bestandszahl von bis zu zehn Tieren registriert. Manchmal wollen eigene Obstbaumparzellen gepflegt sein, manchmal soll der Border Collie ein angemessenes Betätigungsfeld haben.

Jedoch darf der idyllische Anblick grasender Vierbeiner mitsamt hüpfendem Nachwuchs nicht zu vorschnellen Entscheidungen führen. Wer Halter sein möchte, muss Mannigfaltiges beachten, sich frühzeitig informieren.

Auf eine geeignete Grünfläche kann keiner verzichten, der dem beliebten Wollträger neuen Lebensraum bieten möchte. Ein Gartenstück genügt nicht. Futter in ausreichender Menge ist grundlegend – sommers wie winters. Während zwischen Frühling und Spätherbst die Weidesaison läuft, sollte schon die Winterfütterung bedacht werden. Ist es möglich, Heu und Getreide anzukaufen? Oder wagt sich der Hobbyschäfer selbst ans Einbringen? Egal, wo es herkommt, die Vorratshaltung bedarf ausreichender Lagerräume – genauso wie den Schäflein in rauer Jahreszeit ein Dach überm Schädel zugestanden werden muss.

„Witterungsschutz“ ist ein Thema, das behördlich geregelt ist und verdeutlicht, dass sich die deutsche Tierhaltung in einem Feld voller Vorschriften abspielt. „Halter müssen sich registrieren lassen“, sagt Arnd Ritter, Zuchtleiter des Hessischen Verbandes für Schafzucht und -haltung. Veterinärbehörden wollen informiert sein, die Mitgliedschaft in der Tierseuchenkasse ist verbindlich. Jedes einzelne Tier bekommt eine Kennzeichnung, welche im Bestandsregister vermerkt wird.

Genügend Regularien also – trotz Kleinbestand und Freizeitvergnügen. Wie auch immer: Bei der Wahl des verehrten Vierbeiners kann der künftige Schafbesitzer aus dem Vollen schöpfen. Eine Hundertschaft verschiedener Rassen tummelt sich derzeit auf bundesrepublikanischen Weiden. 39 davon sind in Hessen vertreten. Im Hobbybereich besonders beliebt, so Ritter, seien diejenigen von der Roten Liste. Da sind beispielsweise das elegante Rhönschaf, die schönen Coburger Füchse, die graue Heidschnucke mit Horn – allesamt zu den „pflegeleichten Landschaftsrassen“ gehörend. Daneben mehren sich in hiesigen Gefilden auch die „Exoten“, wie südafrikanische Dorper, asiatische Karakul oder britische Shropshire.

Die richtige Wahl kann der Eigentümergesundheit durchaus förderlich sein: Wer will schon 140 Kilo schwere Merinoböcke aufs Hinterteil setzen, um deren Klauen auszuschneiden? Das seit uralten Zeiten den Menschen begleitende Nutztier will gepflegt sein, dauernde Umsicht ist geboten. Krankheiten bedrohen die Schafhaltung seit Anbeginn – nicht umsonst galt der Hirte als heilkundiger Mann, bei dem auch die leidenden Dorfbewohner Hilfe suchten. Dass der Schafskot nicht nur hervorragender Dünger, sondern auch wichtiger Informationsträger (Wurmbefall!) ist, zeigt die Spannweite der Möglichkeiten.

Wer aber wollte den Tag der Schur missen? Die Wolle muss im beginnenden Frühjahr herunter – was traditionell ein besonderes Datum der Schäferei ist. Obwohl feine Qualitäten drastisch an Wert verloren haben und die Epoche des „goldenen Vlieses“ endgültig dahin ist, entlohnt das arbeitsreiche Erlebnis auf andere Weise. Eine eigenwillige Begrüßung des sich erneuernden Jahres, Abschied vom dunklen Regiment des Winters. „Ein Hobby, bei dem man Geld drauflegt.“ Der Scherer will bezahlt werden, der Tierarzt, vielleicht Verpächter und Futtermittelhändler.

Auch dies darf erwähnt werden: Es sind stimmungsvolle Momente, wenn die Lämmer in den frischen Morgen springen, die Altschafe gesättigt ins Nachtquartier ziehen. Was aber wird, wenn die Herde wächst, einzelne Tiere ausgesondert werden müssen? Das Schlachten ist Bestandteil einer Angelegenheit, die den gesamten Lebenskreislauf in sich trägt. Aber es gibt Metzger, Ankäufer.

Und es gibt Lehrgänge, die der hessische Verband dem werdenden Schafhalter anbietet. Arnd Ritter: „Jeder sollte zudem überlegen, woher er fachlichen Beistand bekommen kann.“ Der kurze Weg zum benachbarten Schäfer kann den Wissenshorizont beträchtlich erweitern. Gerade im Umgang mit Ovis gmelini aries hat sich Erfahrung als ein unschätzbares Gut erwiesen.

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