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Hitze in Hessen Streit ums Trinkwasser

In Frankfurt kämpfen viele Pflanzen mit der anhaltenden Trockenheit, viele Bürger gießen Bäume mit Trinkwasser, um zu helfen. Nun beschwert sich ein Bürgermeister aus dem Vogelsberg genau darüber - weil in seiner Kommune das Wasser knapp wird.

Mainwiesen
Die Mainwiesen sind verdörrt. Foto: Michael Schick

Die Wiesen sind verbrannt, viele Pflanzen haben mit den hohen Temperaturen zu kämpfen. Wer sich dieser Tage durch Frankfurt bewegt, dem drängt sich schnell der Eindruck auf, es fehle überall an Wasser. Und in der Tat sind hier seit Wochen keine nennenswerten Niederschlagsmengen mehr gefallen, die Hitze macht Menschen, Tieren und Natur zu schaffen. Doch wie ist es um das Grundwasser in Hessens größter Kommune bestellt, besteht aufgrund der langanhaltenden Trockenheit Grund zur Sorge?

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) gibt Entwarnung. „Die Grundwasserreservoirs sind gut gefüllt“, man sehe keinen Grund zur Beunruhigung. Auch kontrolliere man regelmäßig die Wasserstände, die das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie messe. Dennoch räumt die Politikerin ein, dass manche der städtischen Grünanlagen durchaus einen anderen Eindruck vermittelten. „Es gibt natürlich Straßenbäume, die unter der Trockenheit sehr leiden.“ Besonders betroffen seien beispielsweise Linden.

Damit vor allem junge Bäume die Hitzeperiode gesund überleben können, hatte das Umweltdezernat vergangene Woche die Bürger Frankfurts aufgefordert, beim Bewässern der etwa 200.000 Bäume im Stadtgebiet zu helfen. Daraufhin sei es zu einer tollen Zusammenarbeit gekommen, berichtet Heilig. „Es gibt den Effekt: Wir kümmern uns um unsere Stadt.“

Probleme auf dem Berg

Während also in Frankfurt die Bürger aufgefordert sind, beim Gießen zu helfen, wird andernorts das Trinkwasser knapp. Am Donnerstag schrieb Edwin Schneider (parteilos), Bürgermeister der im Vogelsberg gelegenen Stadt Ulrichstein, eine Email an das Frankfurter Umweltdezernat. Schneider warf der Stadt Verschwendung wertvollen Trinkwassers vor, gleichzeitig müsse seine Kommune bereits seit Ende Juni täglich vier bis fünf Fuhren Trinkwasser mit Tankwagen heranschaffen, was finanziell aufwendig sei. „Die für die Wasserversorgung der Kernstadt zuständigen Schürfquellen im Oberwald bringen seit Wochen nicht mehr genügend Wasser“, so Schneider. Die Bürger Ulrichsteins seien daher angehalten, zum Beispiel keine Gärten zu bewässern oder Autos zu waschen. „Wenn ich dann höre, dass das gute Vogelsberger Wasser in Frankfurt genutzt werden soll, um die Bäume zu gießen, treibt es mir die Zornesröte ins Gesicht.“

Der Hintergrund ist, dass Frankfurt weniger als ein Viertel seines Trinkwassers aus dem eigenen Stadtgebiet bezieht. Je etwa ein Drittel kommen aus dem Vogelsberg und dem Hessischen Ried, weitere 13 Prozent aus dem Kinzigbereich. Insgesamt rund 236 000 Kubikmeter Trinkwasser wurden am bisherigen Spitzentag in diesem Jahr, dem vergangenen Donnerstag, in Frankfurt abgegeben, teilte Wasserversorger Hessenwasser auf FR-Anfrage mit. Allerdings gehe man davon aus, dass der Wasserverbrauch aufgrund der am kommenden Montag endenden Schulferien und des weiterhin heißen Wetters steige und den bisherigen Spitzenwert für das laufende Jahr übertreffe.

Umweltdezernentin Heilig hat zwar Verständnis für die Situation im Vogelsberg, ärgert sich aber über die Kritik. „Ich glaube, dass die Frankfurter Bevölkerung schon sehr bewusst mit dem Trinkwasser umgeht.“ Sie plädiert für die Verwendung von Brauchwasser zum Gießen. Eine Lösung des Ulrichsteiner Wasserproblems sieht sie im Bau einer Wasserleitung.

Dass es eine solche bislang nicht gibt, bestätigt Andreas Matlé, Pressesprecher der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (Ovag). Zwar liege der Vogelsberg im Ovag-Gebiet, allerdings versorgten sich die dortigen Kommunen selbst mit Wasser. Generell sei noch niemand bezüglich eines Leitungsbaus an die Ovag herangetreten - das sei aber auch ein sehr langwieriges Projekt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Heiße Zeiten

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