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Himmelsstürmer Kampf im Wind

Bei den Drachenfreunden im Rhein-Main-Gebiet ist das ganze Jahr Saison. Von Martin Feldmann

23.10.2009 00:10
Martin Feldmann
Jetzt fliegen sie wieder: Drachen in vielfältigen Formen und Farben bevölkern den Himmel. Foto: dpa

Der Herbstwind pfeift dem Raben Rudi was, wirft ihn am Rodgauer Himmel hin und her. Der Stoff an den Flügeln flattert. Rudi, ein zotteliger Rabe aus dem Kinderfernsehen, ist der Name eines 2,60 Meter breiten Drachens im Vogel-Outfit: gelber Schnabel und orangerote Beine. "Der ist schon für Anfänger geeignet", sagt Roland Damm vom Drachenclub Aiolos Rodgau.

Der Verein lässt am Badesee Nieder-Roden (Kreis Offenbach) seine Modelle steigen, meistens viel farbenfroher als Rudi. Auch Damms Tochter Sarah hat mit gerade zehn Jahren einen Drachen wie Rudi im Griff, aber auch schon kleine Lenkdrachen mit zwei Schnüren. "Drachenfliegen ist toll für Familienausflüge mit vielen Freunden und Bekannten - und viel besser, als daheim auf dem Sofa zu hocken", sagt Damm, ein gelernter Schreiner, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und in Rodgaus Nachbarstadt Rödermark einen Laden und einen Versandhandel für Drachen samt Zubehör managt.

Ziel der Drachengemeinde ist am kommenden Sonntag der Flugplatz in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis), wo der örtliche Aero-Club von 10 Uhr an ein Drachenfest feiert. Kinder können an Ort und Stelle Modelle basteln und sie anschließend ausprobieren. Natürlich heben auch Mega-Konstruktionen ab - von mehreren gestandenen Mannsbildern gehalten und gesteuert.

Im Drachenclub Aiolos - 1993 ins Leben gerufen und benannt nach dem griechischen Gott des Windes - haben sich gut 50 Drachenfans aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zusammengefunden. Treffpunkt ist in der Regel an Wochenenden das Strandbad.

Dabei ist auch die Sicherheit ein wichtiges Thema. "Ich kann nur davor warnen, einen Drachen bei einem Gewitter steigen zu lassen", sagt Damm. Und grundsätzlich gelte, die Nähe von Hochspannungsleitungen zu meiden. Denn es könne sehr gefährlich werden, "wenn sich dort ein Drachen verfängt", warnt Dieter Ohl , Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt. "Ein auf die Straße stürzender Papierdrachen wiederum kann einen schweren Verkehrsunfall verursachen." Und bei Flugzeugen und Hubschraubern könne ein Zusammenstoß mit einem leichten Drachen ebenfalls tragische Folgen haben.

Roland Damm sowie Werner Wengerter und Jan Machacek vom Clubvorstand versichern, dass die Drachen nicht nur für den Herbst, sondern ganzjährig ein Hobby seien. "Die Zeiten, als Buben mit selbst gebauten Drachen aus Papier und Holzleisten auf die Stoppelfelder gingen, sind schon lange vorbei", so Damm.

Wind und Wetter trotzen

Der Fachmann berichtet von Ultra-Leichtdrachen, die nur 110 Gramm wiegen und schon bei einem lauen Lüftchen an einem heißen Sommertag "oben bleiben". Gleichwohl gebe es Modelle, die nur für starken Wind geeignet seien. "Sehr robuste Konstruktionen verkraften Windgeschwindigkeiten bis zu 50 Stundenkilometern." Keine Frage, meint er, diese Drachen könnten sturmartigem Wetter im Herbst und Winter trotzen. Drachen sind also nicht gleich Drachen. Vom Aufbau unterscheiden sich die Modelle erheblich. Außer Flachdrachen sowie stablosen Versionen, die sich im Wind wie ein Fallschirm aufblasen, sind Kastendrachen beliebt. Im Wasser- und Wintersport verbreitet: Zugdrachen in Mattenform.

Und die Kostenfrage? "Anfängermodelle beginnen bei 40 Euro", so Damm. Nach oben gebe es keine Grenze. Die Profis bauen die Modelle selbst aus Kunststoffteilen und Synthetikstoff nach Plänen und Vorlagen zusammen.

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