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Hilfe in Hessen Angst vor dem Tod der Mama

Ein Offenbacher Verein hilft seit 20 Jahren Kindern krebskranker Eltern. Damit Kinder ,mit der Erkrankung eines Elternteils fertig werden können, raten Therapeuten zu Ehrlichkeit.

Offenbach
Professor Christian Jackisch ist Vorsitzender des Vereins, der sich um Kinder krebskranker Eltern kümmert. Foto: Rolf Oeser

Krebs: Diese Diagnose trifft die ganze Familie. „Kein Stein bleibt mehr auf dem anderen“, sagt Professor Christian Jackisch, Chefarzt der Frauenklinik am Offenbacher Sana-Klinikum, der auch Vorsitzender des Vereins „Hilfe für Kinder krebskranker Eltern“ ist. Vor 20 Jahren wurde der Verein in Offenbach gegründet. Es war eine Zeit, als es für die Kinder krebskranker Mütter oder Väter überhaupt noch keine Hilfe gegeben habe, erinnerte Jackisch am Dienstag bei einem Pressegespräch anlässlich des Vereinsjubiläums.

Es habe kein Bewusstsein dafür bestanden, wie sehr die Diagnose auch die Kinder berühre, die vielleicht mit Rückzug, Wutanfällen, Essstörungen, schlechten Schulnoten oder Schuldgefühlen auf die Ausnahmesituation reagierten. Sie hätten Angst, einen Elternteil zu verlieren. Denn Krebs werde mit Tod assoziiert, obwohl heute viele Krebspatienten überlebten. Aber auch die Frage, wie Mutter oder Vater trotz der Erkrankung noch die Elternrolle ausfüllen und den Kindern Halt geben können, sei 1997 kaum gestellt worden.

Auslöser für die Vereinsgründung war der Verdacht auf einen bösartigen Tumor bei der Ehefrau eines Arztes. In der Zeit, bis die Diagnose feststand, habe sich der neunjährige Sohn total verändert, erzählte am Dienstag die Psycho-Onkologin Lida Schneider, die damals zu den Mitgründern gehörte und bis heute an der Frauenklinik arbeitet. Der Verein habe die psychische Betreuung der Kinder krebskranker Eltern in den Fokus gerückt und damit „absolutes Neuland“ betreten, sagte sie. Er sei in dieser Form bis heute einzigartig in Deutschland.

Seit 2008 übernimmt die Psycho-Onkologin und Gestalttherapeutin Sabine Brütting im Verein die Betreuung der hilfesuchenden Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Eltern. Sie weiß aus Erfahrung, dass Kinder sich manchmal nicht trauen, Fragen zu stellen, um die Eltern nicht zusätzlich zu belasten. Die persönlichen Beratungen und die Gruppenangebote seien deshalb wichtig, weil Kinder hier erlebten, dass ihre Ängste und Sorgen normal seien. Der Verein bietet die Hilfe kostenfrei an.

Brütting zufolge nehmen selbst kleine Kinder Veränderungen im Alltag wahr. Wenn sie keine Erklärung dafür erhielten, suchten sie die Schuld bei sich selbst. Die Therapeutin plädiert für Ehrlichkeit von Anfang an: „Was gesagt wird, muss wahr sein.“ Eltern sollten keine Versprechungen machen, sie sollten Unsicherheiten, Ängste oder Sorgen zulassen und auch Emotionen zeigen.

Seit seiner Gründung hat der Verein diverse Vorträge und Konferenzen organisiert. 2004 erschien ein Ratgeber für Eltern, 2013 folgte einer für Jugendliche. Seit 2016 informiert die Online-App „Der Zauberbaum“ kindgerecht über das Thema Brustkrebs. Sie ist auch auf Türkisch und Französisch verfügbar, die Übersetzung ins Schweizerdeutsche und Englische soll noch in diesem Jahr erfolgen.

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