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Hessisches Umweltministerium Schutz für den Bannwald

Die hessische Umweltministerin Priska Hinz bereitet eine Änderung des Waldgesetzes vor, um das Roden wegen Verkehrsprojekten oder Kiesabbau zu erschweren. Es wäre eine Rückkehr zum Status quo vor 2002, den die CDU-Landesregierung lockern ließ, weil er dem Ausbau des Frankfurter Flughafens im Weg stand.

Einst waren sie gesetzlich geschützt, jetzt sollen die Bäume am Langener Waldsee fallen. Foto: ROLF OESER

Bannwald soll in Hessen wieder einen Schutzstatus genießen, der ihn vor der Rodung wegen Verkehrsprojekten oder Kiesabbau bewahrt. Eine entsprechende Änderung des Waldgesetzes sei in Vorbereitung, teilte eine Sprecherin des hessischen Umweltministeriums auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Geplant sei eine Rückkehr auf den Stand der 90er Jahre. „Wann, können wir noch nicht sagen.“

Bis Juni 2002 durften ausgewiesene Bannwälder in Hessen nicht gerodet werden, weil sie laut Forstgesetz „unersetzlich“ sind. Diesen Schutz hatte die CDU-Landesregierung gelockert, weil er dem Ausbau des Frankfurter Flughafens im Wege stand. In der Folge fielen unter anderem 13,5 Hektar Bannwald für die A-380-Werft.

Auch die 250 Hektar große Fläche, die die Stadt Kelsterbach der Flughafenbetreiberin Fraport später für den Bau der Landebahn Nordwest verkaufte, war ursprünglich Bannwald. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens war er ebenso „entwidmet“ wie der Treburer Wald, der jetzt für eine Autobahnauffahrt zum neuen Terminal 3 gerodet werden soll.

Doch nicht nur Bäume, die großen Verkehrsprojekten buchstäblich im Wege stehen, sind seit der Änderung des hessischen Forstgesetzes potenziell in Gefahr. Der Konflikt um den Forst am Langener Waldsee im Kreis Offenbach zeigt, dass die aktuelle Rechtslage auch dem Expansionsdrang von Privatunternehmern Tür und Tor öffnet. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat im August der Firma Sehring die Genehmigung erteilt, im Langener Stadtwald Bäume zu fällen. „Jetzt drohen 63,7 Hektar wertvollem Bannwald das Aus“, sagt Thomas Norgall vom BUND Hessen, der den sogenannten Auskiesungsbescheid vor Gericht stoppen will.

Die Fläche entspreche 75 Fußballfeldern. „Das ist eine massiver Eingriff in Natur und Landschaft verbunden mit einer erheblichen Beeinträchtigung des Grundwassers und des regionalen Klimas“, warnt der Naturschützer.

Der BUND fordert seit Jahren eine Rückkehr zum Status quo vor 2002, wie ihn die neue Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) jetzt vorbereitet. „Für das aktuelle Klageverfahren wird uns das nicht helfen“, sagt Norgall. Denn das basiere noch auf dem Waldgesetz aus dem Jahr 2002. Gleichwohl begrüßt er, dass es in Zukunft nicht mehr so einfach sein soll, für irgendein Bauprojekt in Hessen den Bannwaldschutz aufheben zu lassen. Den Bürgern rund um Frankfurt helfe es auch wenig, wenn das Gesetz Ersatz für vernichteten Wald vorschreibt – denn der werde in der Regel irgendwo in der Wetterau oder im Odenwald gepflanzt. „Der Wald hat auch eine soziale Funktion – als Naherholungsgebiet“, sagt Norgall.

Wie emotional das Thema Wald besetzt ist, hat der Kampf gegen die Startbahn West in den 80er Jahren gezeigt. „Kein Baum wird mehr fallen“, versprach danach der damalige Ministerpräsident Holger Börner (SPD) den Bürgern der Rhein-Main-Region. Die zweite rot-grüne Landesregierung trat 1991 mit dem Ziel an, als Kompensation rund um den Flughafen langfristig zusätzliche 6000 Hektar als Bannwald auszuweisen. Dazu gehörten auch die Bäume am Langener Waldsee.

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