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Hessisches Ried Aufforstung des hessischen Rieds könnte scheitern

Waldschützer kritisieren die Vorgehensweise im Hessischen Ried. Eine Aussage von Umweltstaatssekretärin Tappeser stößt auf massiven Widerspruch.

Ortsbegehung
Aufforstung im Darmstädter Westwald: Viele der jungen Wallnußbäume sind bereits vertrocknet. Foto: Michael Schick

Im hessischen Ried ist der Grundwasserspiegel zu niedrig, weil dort Wasser für die Versorgung der Rhein-Main-Region entnommen wird. Deswegen sterben flächenweise Bäume ab. Die Auswirkungen sind bis zum Darmstädter Westwald deutlich zu spüren. Das ist bekannt, dafür wurde ein Runder Tisch von Experten einberufen, und der hat schon 2015 Handlungsempfehlungen herausgegeben. Jetzt ist mit der Unterzeichnung eines Rahmenvertrags zwischen dem Land Hessen und den Spitzenvertretern des Körperschaftswaldes zur Aufforstung im Ried ein erster Schritt in die richtige Richtung getan.

Dennoch übt die Schutzgemeinschaft deutscher Wald (SDW) Hessen massive Kritik an der Vorgehensweise des Umweltministeriums. „Die Bäume, die dort geplant sind, sind dem Vertrocknen preisgegeben“, sagte deren Landesgeschäftsführer Christoph von Eisenhart Rothe der FR. Denn die Reihenfolge sei falsch: Zuerst müsse der Grundwasserspiegel um mindestens einen Meter angehoben, dann könne aufgeforstet werden. Allerdings seien Aufspieglung und Einrieslungsanlagen aufwendiger und teurer, als ein paar Bäume zu pflanzen. Für deren Anpflanzung werde Geld investiert, ohne dass sicher sei, dass sie Bestand hätten.

Im gesamten Hessischen Ried sollen die Waldbestände stabilisiert werden, wie das Ministerium im November ankündigte. „Wir nutzen jetzt die Gunst der Stunde, um die Wälder nicht nur auf die Grundwasserproblematik auszurichten, sondern auch auf die Auswirkungen des bereits einsetzenden Klimawandels“, sagte Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser (Grüne) bei der Unterzeichnung des Vertrags in Lampertheim. Das Umweltministerium kündigte zusätzliche Schritte an. So solle untersucht werden, welche Effekte eine zeitliche Bewässerung haben könnte. Auch Möglichkeiten eines Pilotprojektes, um das Grundwassser im Jägersburger und Gernsheimer Wald anzuheben, sollten geprüft werden.

Diese Pilotprojekte seien mit Sicherheit gut, sagte von Eisenhart Rothe. Allerdings könne es nicht dabei bleiben. „Wir brauchen neue Wege beim Grundwasser.“ Denkbar sei eine Verlagerung der Wasserentnahme aus Waldgebieten hin zur Uferfiltration. Auf diese Weise gewännen andere Bundesländer ihr Trinkwasser, und der Rhein sei dafür wieder sauber genug.

Vor diesem Hintergrund kritisierte die Naturschutzvereinigung auch eine Äußerung Tappesers anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Wasserbeschaffungsverbands Riedgruppe Ost. Die Staatssekretärin hatte gesagt, der Verband habe „einen wichtigen Beitrag zur (...) umweltgerechten Wasserversorgung geleistet“. Die Riedgruppe Ost sei „ein positives Beispiel dafür, die Grundwasserressourcen so zu bewirtschaften, dass wasserabhängige Ökosysteme erhalten und sogar revitalisiert werden konnten“.

Dieser Behauptung widerspricht die SDW entschieden, wie sie am Mittwoch mitteilte. Gerade die Grundwasserförderung der Riedgruppe Ost habe seit 1957 den Ökosystemen Jägersburger Wald und Feuersteinberg schwersten Schaden zugefügt und die Waldökosysteme nachhaltig geschädigt, sagte Landesvorsitzender Bernhard Klug.

Im Sommer 2017 hat die SDW beim Verwaltungsgericht eine Klage gegen das Regierungspräsidium Darmstadt als zuständige Genehmigungsbehörde für die Wasserrechte eingereicht. Damit wolle man bezwecken, dass eine verantwortungsbewusstere Wassergewinnung durchgesetzt wird.

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