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Hessischer Landtag NSDAP-Liste liegt schon lange vor

Schon 2005 recherchierte der Kasseler Privatforscher Helmut Gewalt eine Liste mit den Namen früherer Landtagsabgeordneter mit brauner Vergangenheit. Doch im Hessischen Landtag blieb seine Liste unbeachtet.

Homepage der Willi-Bredel-Gesellschaft: Hier findet sich die Liste des Kasseler Forschers Helmut Gewalt mit den Namen früherer Landtagsabgeordneter mit brauner Vergangenheit. Foto: Screenshot

Die aktuelle Debatte über NSDAP-Mitgliedschaften früherer Landtagsabgeordneter hätte schon 2005 beginnen können, als der Kasseler Privatforscher Helmut Gewalt eine Liste mit Namen im Berlin Document Center recherchiert hatte, wo Akten der US-Amerikaner gelagert werden. Doch im Hessischen Landtag blieb seine Forschung unbeachtet, denn Gewalt hatte das Parlament und die Fraktionen nie darüber informiert. So begann die Debatte erst in diesen Tagen mit einer Studie des Historikers Hans-Peter Klausch, die die Fraktion der Linken in Auftrag gegeben hatte.

Gewalt sagte der Frankfurter Rundschau, er habe seine Recherchen zunächst nicht öffentlich machen wollen. „Ich habe das gar nicht promotet.“ Er habe befürchtet, dass seine weiteren Forschungen behindert würden, wenn die Ergebnisse für Aufsehen sorgten.

Seit dem Jahr 2004 hat Gewalt sämtliche westdeutschen Landtage und den Deutschen Bundestag auf ehemalige NSDAP-Mitglieder durchleuchtet. Derzeit recherchiert er nach eigenen Angaben die Mitglieder der einstigen DDR-Volkskammer mit brauner Vergangenheit. Erst, wenn dies alles „editionsreif“ sei, habe er an die Öffentlichkeit gehen wollen.

84 statt 75 Namen

Zu finden sind die Ergebnisse von Gewalts bisheriger Arbeit, also auch die Liste belasteter hessischer Ex-Abgeordneter, auf der Homepage der Willi-Bredel-Gesellschaft. Diese Hamburger Geschichtswerkstatt, benannt nach einem in der NS-Zeit verfolgten Arbeiterschriftsteller, erforscht die Schrecken des Nationalsozialismus.

Während Klausch 75 frühere Landtagsabgeordnete mit NSDAP-Parteibuch gefunden hatte, nennt Gewalt in seiner Liste für Hessen 84 Namen. Anders als Klausch führt er auch Landtagsdirektoren und Mitglieder der Verfassunggebenden Landesversammlung auf, die keine Abgeordneten waren. Daneben nennt Helmut Gewalt aber auch einige Abgeordnete, die nach seinen Recherchen Mitglieder der Hitler-Partei waren, aber in Klauschs Ausarbeitung fehlen. Dazu zählen etwa die Sozialdemokraten Hans-Otto Weber, der von 1966 bis 1974 Vizepräsident des Landtags war, und Hans Sudheimer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von 1953 bis 1958.

Prominente Namen wie die zeitweiligen CDU-Landesvorsitzenden Alfred Dregger und Wilhelm Fay oder der einstige Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt (SPD) finden sich hingegen auf den Listen beider Forscher.

Helmut Gewalt wies wie Hans-Peter Klausch darauf hin, dass Vollständigkeit wegen der Besonderheit der Akten nicht zu garantieren sei. Die Dokumente waren nach dem Krieg von den US-Amerikanern zusammengestellt worden, welche die Namen nach dem Klang aufschrieben.

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