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Hochtaunus: Wahlkreise 23 und 24 Widerstand gegen die „Josefstadt“

Der geplante neue Frankfurter Stadtteil und der Ausbau von Bahnstrecken sind zentrale Themen beim Wahlkampf im Taunus.

Demo gegen den geplanten neuen Frankfurter Stadtteil
Demo gegen den geplanten neuen Frankfurter Stadtteil. Foto: Renate Hoyer

Der Hof von Landwirt Richard Bickert im Oberurseler Stadtteil Weißkirchen war in den vergangenen Wochen ein viel besuchtes Ausflugsziel. Und das nicht nur wegen des beliebten Mais-Labyrinths.

Rund 500 Menschen hatte die CDU im August bei einem „Sternmarsch“ mobilisiert, zwei Wochen später war die Steinbacher FDP ebenfalls mit mehreren Hundert Gästen auf dem Bickertschen Hof zu Gast und ließ Luftballons steigen.

Beide Protestaktionen richteten sich gegen die Pläne der benachbarten Großstadt Frankfurt, bis hin zu den Gemarkungsgrenzen von Steinbach und Oberursel-Weißkirchen einen neuen Stadtteil für rund 30.000 Bewohner zu errichten. Ein Vorhaben, das viele Menschen im Vordertaunus verschreckt. 

Kein Wunder also, dass der neue Frankfurter Stadtteil sich hier zu einem der zentralen Themen im Landtagswahlkampf entwickelt hat. Und so nutzten denn auch die beiden Direktkandidaten Jürgen Banzer (CDU) und Stefan Naas (FDP) die Aktionen ihrer Parteien, um sich klar gegen die Frankfurter Pläne zu positionieren, für die sich im Taunus inzwischen der Begriff „Josefstadt“ eingebürgert hat – gemeint ist damit der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

„Das ist kein Ort, wo sich Menschen zu Hause fühlen“, sagte Banzer über den geplanten Stadtteil, der von der achtspurigen A5 zerschnitten würde. Zudem gehe es um den Erhalt der „polyzentrischen Struktur“ in der Rhein-Main-Region. Naas warnt als Steinbacher Bürgermeister vor der Gefahr einer „Trabantenstadt“ und „ungesunden Wohnverhältnissen“.

Und auch die anderen Kandidaten, die im Vordertaunus-Wahlkreis 24 antreten, sehen die Frankfurter Pläne zumindest skeptisch. Henning Groskreutz (SPD) hat als Alternative den Pfingstberg ins Spiel gebracht, den auch die Frankfurter Sozialdemokraten ursprünglich favorisiert hatten. Außerdem wirbt er für den Ausbau der Infrastruktur in den ländlichen Regionen Hessens, um den Wohnungsdruck auf Frankfurt und seinen „Speckgürtel“ zu reduzieren. 

Die Grünen-Kandidatin Patricia Peveling wirft Frankfurt mangelnde Kommunikation vor und wirbt für eine stärkere Innenraumverdichtung. Okan Karasu (Linke) sieht alle Kommunen der Region in der Pflicht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen - entweder durch eigene Baugesellschaften oder in Zusammenarbeit mit Genossenschaften. Gegen den geplanten Stadtteil an der A5 bezieht aber auch er „klare Kante“, zumal Frankfurt selbst in seiner Innenstadt vor allem auf Luxus-Wohnungen setze. 

Wer hat das „Copyright auf den Widerstand“?  

Für wie wichtig die Wahlkämpfer die geplante „Josefstadt“ halten, zeigt schon der groteske Streit darum, wer das Copyright auf den Widerstand dagegen hat. Das nehmen sowohl die FDP in Kreis und Stadt, die Steinbacher CDU, aber auch die Oberurseler Grünen für sich in Anspruch.

Ein Hebel, den neuen Stadtteil zu verhindern, ist der Flächennutzungsplan, über den im Regionalverband entschieden wird. Das Land ist bei dem Thema aber auch im Boot – in Form des Landesentwicklungsplans, der zurzeit noch große Teile des gewünschten Siedlungsgebiets als landwirtschaftliche Vorzugsfläche ausweist.

 

Auch Wohnraum ein Thema 

Im Wahlkreis 23 spielt das Thema Wohnraum ebenfalls eine wichtige Rolle. CDU-Kandidat Holger Bellino verweist auf die milliardenschweren Programme der Landesregierung. Sie müssten nun „in der Fläche ankommen und umgesetzt werden“. Elke Barth (SPD) fordert aber auch Veränderungen in Wiesbaden durch eine Trennung von Umwelt- und Bauministerium.

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