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Wahl in Hessen Schüler stellen kritische Fragen

Politiker stellen sich den Fragen von Schülern der Helmholtzschule im Frankfurter Ostend.

Podiumsdiskussion
Schüler der Helmholtzschule diskutieren vor der Landtagswahl mit. Foto: Peter Jülich

Unvoreingenommen applaudieren die Schüler und Schülerinnen der Helmholtzschule bei der Vorstellungsrunde für alle sechs Politiker gleich laut. Mehrere Hundert Schüler sind am Dienstagnachmittag in der vollbesetzten Aula anwesend, trotzdem kommt nur selten Unruhe auf, weil Schüler unaufmerksam sind – meistens rührt die Lautstärke von den Inhalten der Podiumsdiskussion.

„Ihr habt die Wahl, ob ihr Politik macht oder ob mit euch Politik gemacht wird“, motiviert Schulleiter Gerrit Ulmke bei seiner kurzen Begrüßung die Schüler, sich zu beteiligen. „Die Akteure der Demokratie seid ihr.“ Vor jeder Wahl können Schüler dort Politiker mit ihren Anliegen konfrontieren. Mit viel Elan führen drei Schüler der zehnten Klasse durch die Diskussion und lassen dabei nicht jede Antwort durchgehen.

Ein Thema ist die zukünftige Bildungspolitik in Hessen. Neben Inklusion, Lehrermangel und Fehlstunden interessiert sie ein weiteres Thema mitten aus der Lebenswelt. „In Ihrem Wahlprogramm steht, dass der Sexualkundeunterricht auf christlichen Werten basieren soll. Was sind denn christliche Werte?“

Die Frage dazu richtet die Schülerin zunächst an Andreas Lobenstein (AfD). Das Lehrmaterial empfinde er oft als übergriffig, Homosexualität sei aber kein Problem, und mit der Enthaltsamkeit vor der Ehe habe er es auch nicht so genau genommen, gibt der Politiker preis. Auf Gebrüll und Gelächter folgt die sachliche Rückfrage seitens der Schülerin. „Warum macht Ihre Partei das dann an einer Religion fest? Die islamischen und jüdischen Werte bezüglich der Sexualität sind die gleichen.“

Auch der Religionsunterricht wird thematisiert. „Wenn es einen christlichen Religionsunterricht gibt, dann wäre es nur gerecht, für jede Religion einen anzubieten“, findet Sebastian Papke (FDP). Arijana Neumann (SPD) stimmt zu. „Generell bin ich aber für eine stärkere Trennung zwischen Religion und Staat, also auch in der Schule“, sagt sie. Zustimmung kommt von den Grünen und der Linken. Auf den Vorschlag von Janine Wissler (Linke) können sich fast alle einigen: „Besser wäre Ethik für alle.“

„Der Umweltschutz ist sehr wichtig, wenn wir den Planeten für uns und kommende Generationen erhalten wollen“, lauten die weisen Worte zur Einführung des nächsten Themenblocks, bei dem der höchste Lautstärkepegel erreicht wird. Die Stellungnahme von Andreas Lobenstein, der beim Stichwort Klimaerwärmung auf schwankende Temperaturen in der gesamten Geschichte der Erde hinweist und findet, dass „Deutschland so klein ist, dass es da kaum etwas ausrichten kann“, kommt weder bei Publikum noch Politikern gut an.

Marcus Bocklet (Grüne) mischt sich verärgert ein. „Und ich dachte, nur Donald Trump redet so einen Kram.“ Radikale Energie- und Verkehrswende könnten schon jetzt nur noch das Nötige verhindern. Auch Bodo Pfaff-Greifenhagen (CDU) sieht das ähnlich. „Wir in Deutschland haben ja auch eine Vorbildfunktion.“ Das findet auch Janine Wissler. „Wenn keiner was tut, wird niemand was tun.“ Lauter Applaus. So also geht Demokratie.

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