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Offenbach: Wahlkreis 43 Wohnungsnot in der Einflugschneise

Die immer weiter steigenden Mieten in Offenbach werden vor der Landtagswahl zum Wahlkampfthema. Der Fluglärm ist es schon lange.

Bauen in Offenbach
Überall in Offenbach wird gebaut ? nur geförderter Wohnraum entsteht kaum. Foto: Monika Müller

Wohnraum in Frankfurt? Gibt’s nur noch in Offenbach“. Dieser vom Bündnis Mietentscheid erdachte Spruch klebt seit kurzem an etlichen Straßenlaternen Frankfurts. Doch der knackige Slogan ist irreführend, denn er suggeriert, dass man in Offenbach immer noch vergleichsweise einfach eine Bleibe finden könne. Doch das wird immer schwieriger – die Stadt ist in den letzten fünf Jahren um 11.500 Einwohner gewachsen und die Mieten steigen stärker an als in den Jahren zuvor. Kein Wunder also, dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Stadt für viele zum Wahlkampfthema geworden ist: Nur wenige, die man auf die Landtagswahl im Oktober anspricht, lassen das Thema gänzlich unkommentiert.

In Offenbach stehen im Oktober zwei hessenweit bekannte Personen zur Wahl: Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) kandidieren dort für das Direktmandat. Ein bekannter Name steht nicht mehr auf dem Wahlzettel für die Erststimme: Heike Habermann, die zwanzig Jahre für die SPD Landespolitik machte, stellt sich nicht mehr zur Wahl, auf sie folgt Nadine Gersberg. Für die Linke kandidiert Sven Malsy, für die FDP Oliver Stirböck und für die AfD Christin Thüne – alle drei sitzen derzeit im Offenbacher Stadtparlament.

Ein Wunsch, den mit Blick auf das Thema Wohnen in der Offenbacher Kommunalpolitik viele haben, ist die Einführung einer großzügigen direkten Unterstützung vom Land für den Bau geförderter Wohnungen. „Die Landesregierung muss weiteren Schwund an Sozialwohnungen stoppen und deren Anzahl erhöhen“, fordert etwa die Direktorin der Offenbacher Caritas, Christiane Leonhardt-Içten. Denn die Anzahl der öffentlich geförderten Wohnungen in Offenbach sinkt: Im Jahr 2017 ging der Bestand nach Angaben der Stadt von 3926 auf 3599 zurück – ein Rückgang um 8,3 Prozent in nur einem Jahr.

Gleichzeitig entstehen in der boomenden Stadt immer noch – auch große – Wohnungsbauten ohne eine einzige geförderte Wohnung. Ein Projekt, wo geförderter Wohnraum entsteht, ist das Goethequartier im Nordend nahe des Kaiserlei. Auf dem ehemaligen Gelände einer Maschinenfabrik wächst dort unter Regie der zum Land gehörigen Nassauischen Heimstätte (NH) ein Komplex mit 327 Wohnungen empor, wovon 83 gefördert werden. „Darauf sind wir besonders stolz“, verkündete NH-Geschäftsführer Constantin Westphal bei der Grundsteinlegung im August. Das Projekt kostet 130 Millionen Euro, das Land steuert 8,6 Millionen an Darlehensmitteln und Finanzierungszuschüssen bei.

Doch ein solches Projekt ist in Offenbach immer noch die Ausnahme und selbst der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBO gelingt es wegen fehlender Zuschüsse kaum, geförderte Wohnungen zu errichten. Stattdessen erhöht die Gesellschaft bei sanierten Gebäuden sogar ordentlich die Mieten – in einem Wohnblock in der Birkenlohrstraße sollen sie von 6,30 Euro auf dann 8,50 Euro pro Quadratmeter steigen – eine Mieterhöhung von fast 35 Prozent. Die Bewohner nehmen es hin – zu viel Angst haben sie, bei einem Auszug keine vergleichbare Wohnung mehr zu finden: Denn auf den Wartelisten der GBO stehen aktuell rund 3000 Menschen.

Die Entwicklung trifft viele Offenbacher besonders hart, da die Menschen dort in der Regel deutlich weniger Geld zur Verfügung haben als der Durchschnittshesse. So lebt in Offenbach jedes dritte Kind unter 15 Jahren in einer Familie, die mit Hartz IV auskommen muss. Laut einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie muss fast die Hälfte der Offenbacher Mieter über 30 Prozent des Einkommens für die Kaltmiete aufwenden. Besonders deutlich sprechen das Thema im Wahlkampf bislang die Kandidaten von SPD und Linke an: „Hier muss ganz schnell etwas passieren, Offenbach braucht Hilfe vom Land“, sagt Gersberg.

Niemand, der in Offenbach politisch aktiv ist, kommt auch um das Thema Fluglärm herum, das große Teile der Stadt belastet. Vor allem nicht Tarek Al-Wazir. Als grüner Verkehrsminister in einer Koalition mit der CDU muss er den Spagat leisten, sowohl die Interessen der Wirtschaft als auch der grünen Basis zu vertreten. Und in seiner Heimatstadt Offenbach setzen sich zwar viele gegen Fluglärm ein – viele Offenbacher arbeiten aber auch am Flughafen.

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