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Landtagswahl in Hessen Kopf-an-Kopf-Rennen in Hessen

Wenn die Umfragen zur Landtagswahl in Hessen stimmen, ist eine Regierung unter der Führung des Grünen Tarek Al-Wazir nicht ausgeschlossen

Landtagswahl Hessen
Stimmzettel liegen auf einem Tisch. Foto: Arne Dedert (dpa)

Es ist zehn Jahre her, dass der Grüne Tarek Al-Wazir erstmals als möglicher hessischer Ministerpräsident gehandelt wurde. Im Jahr 2008 war es der Frankfurter Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit, der Al-Wazir zum wahren Herausforderer des damaligen CDU-Regierungschefs Roland Koch erklärte.

Inzwischen heißt der Ministerpräsident Volker Bouffier, die CDU regiert mit den Grünen zusammen – und der damalige Grünen-Traum vom eigenen Regierungschef scheint nicht mehr unrealistisch. Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen sieht erstmals eine Umfrage die Grünen vor der SPD.

In der Befragung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, stehen die Grünen bei 22 Prozent, während die SPD nur noch auf 20 Prozent kommt. Die CDU läge mit 26 Prozent weiter vorne, verzeichnete aber in den vergangenen Jahrzehnten noch nie einen so schlechten Wert.

Der heutige Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister Al-Wazir könnte nach dieser Umfrage rechnerisch eine Koalition mit SPD und FDP oder mit SPD und Linken bilden. Freie Demokraten und Linke kommen in der Umfrage jeweils auf acht, die AfD auf zwölf Prozent.

Al-Wazir kommentierte die Umfrage am Donnerstag betont zurückhaltend. „Gemach, gemach“, sagte er der FR am Rande einer Diskussionsveranstaltung an der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich. „Wir haben jetzt eine Umfrage. Das kann nächste Woche schon wieder anders sein.“ Viele Menschen entschieden sich ohnehin erst in den letzten Tagen vor einer Wahl. Die Ko-Spitzenkandidatin der Grünen, Umweltministerin Priska Hinz, sagte in Wiesbaden, man kämpfe für das Ergebnis, damit niemand an den Grünen vorbeikomme.

Die FDP kündigte zwar an, wieder mitregieren zu wollen. Ein grün-rot-gelbes Bündnis schloss sie aber weitestgehend aus. „Tarek Al-Wazir als Ministerpräsident ist für die FDP nur sehr schwer vorstellbar“, sagte Spitzenkandidat René Rock. Das sei nichts, was die Freien Demokraten anstrebten.

Wenige Stunde später wurde eine weitere Umfrage veröffentlicht, der Hessentrend von Infratest dimap für die ARD. Darin liegt die SPD mit 21 Prozent vor den Grünen mit 20 Prozent der Stimmen. CDU (26), AfD (12) und Linke (8) schneiden bei dieser Erhebung genau so ab wie bei der Forschungsgruppe Wahlen. Die FDP kommt mit neun Prozent auf einen Punkt mehr. CDU-Spitzenkandidat Bouffier kommentierte: „Im Augenblick überlagert die Bundespolitik die politische Diskussion.“

Der 47-jährige Offenbacher Al-Wazir ist laut allen Umfragen der beliebteste Politiker Hessens. Bei der Forschungsgruppe Wahlen erhielt er auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf den Wert 1,7. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erhielt 1,2, der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel 0,8. Auffällig sei, wie positiv Al-Wazir bei CDU-Anhängern bewertet werde, die ihm eine 2,2 gaben, meldeten die Demoskopen.

Infratest dimap kam auf die gleiche Reihenfolge. 51 Prozent der Befragten waren mit Al-Wazir zufrieden, 49 Prozent mit Bouffier und 35 Prozent mit Schäfer-Gümbel. Erstmals waren die Hessinnen und Hessen auch mit der Regierungsarbeit der Grünen zufriedener als mit jener der CDU. Die Grünen erreichten 55 Prozent, die CDU 42 Prozent.

Die Forschungsgruppe Wahlen hatte 1035 Wahlberechtigte in Hessen telefonisch befragt. Bei Infratest dimap waren es 1002 Wahlbürger. Es waren die ersten Umfragen nach der Bayern-Wahl am vorigen Sonntag. Die Zahlen waren allerdings vor der Fernsehdebatte zwischen Bouffier und Schäfer-Gümbel am Mittwoch erhoben worden.

Schäfer-Gümbel nannte die Umfragen einen „klaren Hinweis, dass Bayern ordentlich für Irritation gesorgt hat“. In Bayern war die SPD auf weniger als zehn Prozent der Stimmen gekommen. Die Grünen hatten ihren Wert auf 17,5 Prozent verdoppelt und waren zweitstärkste Kraft in Bayern geworden.

Die jüngsten Umfragen waren noch nicht die letzten. Das ZDF kündigte eine weitere Umfrage für nächsten Donnerstag an, vier Tage vor der Wahl.

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