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Landtagswahl in Hessen Grünen-Chef Robert Habeck im Nordend mit Beifall empfangen

52 Tage vor der Landtagswahl in Hessen reißt der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck auf seiner Wahlkampftour in Frankfurt sein Publikum mit sich.

Robert Habeck
Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck wird in Frankfurt mit viel Beifall empfangen und ruft dazu auf, sich einzumischen, auf Demonstrationen zu gehen. Gerade nach den jüngsten Ereignissen von Chemnitz. Foto: Michael Schick

Bei den Grünen herrscht Aufbruchstimmung. In Windeseile hat sich über die sozialen Medien verbreitet, dass Robert Habeck kommt, der Bundesvorsitzende. Und im Rotlint-Café drängen sich die Leute, als gäbe es morgen keinen Latte Macchiato mehr. Noch 52 Tage bis zur Landtagswahl, und Marcus Bocklet, der Landtagsabgeordnete, will endlich seinen Wahlkreis direkt erobern.

Der sonnengebräunte Habeck ist mittlerweile ein Star der Grünen, die sich an der Schwelle zur Volkspartei wähnen. „Es hat sich was geändert bei uns – wir beschäftigen uns nicht mehr mit uns selbst!“, ruft er gutgelaunt ins Rund. Um dann doch übergangslos ernst zu werden. Die Tische vor ihm sind dicht besetzt, Altvordere wie Daniel Cohn-Bendit und Jörg Harraschain, der frühere Ortsvorsteher im Nordend, geben sich die Ehre. Und Habeck, der ein Publikum mitreißen kann, geißelt die „Entpolitisierung“ im Land. Gegen diesen fatalen Trend brauche es „eine grundsätzlich neue, radikale Politik“.

Habeck ruft dazu auf, sich einzumischen, „auf Demonstrationen zu gehen“. Großer Beifall.

Natürlich spielen die Geschehnisse in Chemnitz eine Rolle. Vielleicht zum ersten Mal seit den ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 sei in Chemnitz jetzt „das Gewaltmonopol des Staates aufgegeben“ worden. „Fast eine Pogromstimmung“ habe dort geherrscht, urteilt der Grüne.

Landtagswahl: Robert Habeck spricht über Chemnitz

Auf der Suche nach den Wurzeln kommt Habeck auch auf den Verkauf von öffentlichen Wohnungen in der Vergangenheit. „Das war ein Fehler.“ Heute brauche es unbedingt einen starken öffentlichen Wohnungsbau. Und natürlich spielt im Rotlint-Café auch dieser Sommer eine Rolle, der einfach nicht weichen möchte und Frankfurt noch immer Temperaturen um 28 Grad Celsius beschert. 

Gerade ist draußen ein solider Platzregen niedergegangen. Drinnen spricht Habeck von „60 Tagen ohne Regen“ in der jüngeren Vergangenheit – und beklagt, dass die ökologische Frage dennoch in der öffentlichen Debatte nicht die entscheidende Rolle gespielt habe.

Daniel Cohn Bendit wäre in Frankreich fast Minister geworden

Der Grünen-Chef schließt mit dem Appell an die Basis, sich „nicht Bange machen“ zu lassen durch Ereignisse wie in Chemnitz. 40 Jahre grüner Politik hätten im Land schon einen Unterschied zu früher gemacht. Und da geht sein Blick zum Politik-Veteranen Daniel Cohn-Bendit. Der erholt sich in Frankfurt gerade von dem Stress, in Frankreich fast neuer Umweltminister geworden zu sein im Kabinett von Präsident Macron. Am Ende hatte der 73-jährige doch abgesagt, auch mit Blick auf sein Alter.

In Chemnitz, urteilt Cohn-Bendit in der Diskussion, sei es nicht nur um die soziale Frage gegangen. „Es hat sich dort gezeigt, dass die Leute die Vielfalt nicht aushalten.“ Diesem Problem sei nicht nur mit dem Ankurbeln des Wohnungsbaus zu begegnen.

Marcus Bocklet spricht von dem „unglaublich guten Bundestrend“, der auch den Frankfurter Grünen Rückenwind gebe. Und der wiederum verdanke sich dem „ausgesprochen guten Job“, den Habeck und seine Co-Vorsitzende Annalena Baerbock auf Bundesebene erledigten.

So ruhen die Grünen derzeit ganz in sich.

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