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Landtagswahl in Hessen Auf der Suche nach einer neuen Koalition

SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel will nach der Landtagswahl Volker Bouffier (CDU) als Ministerpräsident in Hessen ablösen. Für Schwarz-Grün reicht es wohl nicht mehr. Die FR lädt vor der Wahl zum Stadtgespräch.

Landtagswahl in Hessen
Ministerpräsident Volker Bouffier (r.) und Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel. Foto: Arne Dedert (dpa)

An jeder Straßenecke steht Volker Bouffier und ruft vom Plakat, dass es Hessen gut gehe. So viele Arbeitsplätze, so wenig Straftaten, so viele Lehrer wie nie. Nach 19 Jahren Regierungszeit schaut die CDU zurück. Ob das reicht, um auch in Zukunft an der Macht zu bleiben?

Bouffiers Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel ist unermüdlich unterwegs, schaut bei Menschen herein, die um ihre Wohnung fürchten, oder schippert mit Genossen auf dem Rhein, um für eine andere Verkehrspolitik zu werben. Bouffier dagegen taucht mehr auf den Plakaten auf als in der Wirklichkeit. 

Der Frankfurter Rundschau gibt er kein Interview zur Landtagswahl. Dem Hessischen Rundfunk hat er die Teilnahme zum „Blind Date“ abgesagt, einem Treffen mit Menschen, die nicht gut auf die jeweiligen Politiker zu sprechen sind. Schäfer-Gümbel hat sich natürlich gestellt. 

Er kämpft. Er hofft. Schäfer-Gümbel will die SPD nach fast zwei Jahrzehnten in der Opposition in die Regierung zurückführen. Am liebsten als Ministerpräsident. Die Umfragen sehen die CDU zwar weit vor der SPD. Aber rechnerisch könnte nach der jüngsten Umfrage auch eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken gehen. Auch ein Ampelbündnis von SPD, Grünen und FDP liegt derzeit nur wenig von einer Mehrheit entfernt.

Die hessische CDU entzieht sich im Wahlkampf der Konfrontation. Auf den Foren unterschiedlicher Organisationen fehlt sie. Auf dem Podium der Antidiskriminierungsstellen waren SPD, Grüne, Linke und FDP vertreten; die CDU hatte kurzfristig abgesagt. Das gleiche Bild beim Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung, als es um Verkehrspolitik ging. Oder beim Jägerverein Oberhessen in Grünberg, bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, beim VdK in Petersberg. Oft wird ohne die CDU diskutiert. 

Beim FR-Stadtgespräch am nächsten Dienstag im Haus Gallus ist die CDU allerdings prominent vertreten mit Landtagsfraktionschef Michael Boddenberg. Er stellt sich der Diskussion mit Günter Rudolph (SPD), Tarek Al-Wazir (Grüne), Janine Wissler (Linke) und René Rock (FDP).

Während die CSU in Bayern ganz groß auf die Glocke haut, hat sich die Unionsschwester CDU in Hessen auf die gegenteilige Strategie verlegt: unscheinbar bleiben, nur keine Aufregung, nur kein Streit. Volker Bouffier gibt den Anti-Söder. 

Doch auch für den 66-Jährigen wird sich nach der Wahl einiges ändern. Er wird sich neue Koalitionspartner suchen müssen. Seine Koalition der einstigen Erzfeinde CDU und Grüne hat sich zwar in fünf Jahren überraschend gut zusammengefunden und ist laut Umfragen sogar die beliebteste Farbkombination. Doch eine erneute Mehrheit für Schwarz-Grün ist nicht in Sicht, wegen der Schwäche der Union. Sie liegt in den hessischen Umfragen jetzt unter 30 Prozent. 

Womöglich wird das Duell zwischen den beiden Gießenern Bouffier und Schäfer-Gümbel von einem lachenden Dritten entschieden: Tarek Al-Wazir. Der grüne Verkehrsminister aus Offenbach ist in allen Befragungen der beliebteste Politiker Hessens, und seine Partei könnte möglicherweise entscheiden, wer Ministerpräsident wird. Wollen die Grünen lieber mit Bouffiers CDU weiterregieren und die FDP als Dritten mit an Bord nehmen? Oder würden sie eher etwas Neues probieren und die programmatische Nähe zur SPD in gesellschafts-, sozial- und schulpolitischen Punkten aufgreifen?

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