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Landtagswahl in Hessen Als Wahlkämpfer von Tür zu Tür

Vor der Landtagswahl in Hessen gehen Abgeordnete auf Tour und suchen das Gespräch mit Bürgern bei Demos, Diskussionen und am Grill.

Landtagswahl in Hessen
Klassisches Give-away am Stand und an der Tür: der Partei-Kugelschreiber. Foto: Judith Kohl

Die Landtagsabgeordneten gehen vor der Landtagswahl am 28. Oktober auf Tour, um Wähler von sich zu überzeugen. Wir stellen sie hier im Einzelnen vor.

Manuela Strube (SPD, Wahlkreis Kassel-Land II)

Manuela Strube macht es Spaß, von Tür zu Tür zu ziehen. „Es heißt immer, dass Politiker nur zur Wahl präsent sind“, sagt die 38-Jährige, die vor einem Jahr als Nachrückerin in den Landtag einzog. Strube will auch unabhängig von Wahlen vor Ort sein. Jeden dritten Samstag trifft sie sich deshalb mit Bürgern in Baunatal zu Kaffee und Kuchen. Der Landkreis Kassel sei zwar eine SPD-Hochburg, zu den Veranstaltungen kämen aber auch viele Nicht-SPDler. Flyer, Kugelschreiber und einen konkreten Anlass braucht Strube dafür nicht. Die Kandidatin möchte Zuhören. Dabei versucht sie zum Beispiel über Unterrichtsausfälle, Sanierungen und Schulausstattung zu informieren. „Da wissen viele gar nicht, wer für was eigentlich zuständig ist. Etwa, ob der Schulträger überhaupt für die Schulsanierung aufkommen muss.“ In dieser Hinsicht leiste sie so etwas wie Aufklärungsarbeit. Am vergangenen Freitag trat der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland in Baunatal vor 45 Menschen auf – draußen hätten 1100 Menschen friedlich demonstriert, mitorganisiert von der SPD. Demnächst möchte auch die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch in Strubes Wahlkreis auftreten. „Dafür haben wir wieder eine Demonstration geplant. Mal sehen, wie es da läuft. Mir ist der friedliche Aspekt wichtig: ohne Äpfel- und Eierwerfen.“ 

Frank Steinraths (CDU, Wahlkreis Lahn-Dill II)

Die CDU-Direktkandidaten bauen stark auf den Haustürwahlkampf. Am heutigen Samstag probt Frank Steinraths mit seinem Team, wie man sich an der Tür richtig verhält. Dabei hilft ein Coach. Steinraths rät: „Man sollte nicht aggressiv, sondern immer freundlich sein. Es ist wichtig, nichts persönlich zu nehmen und die Gefühlslage des Gegenübers zu akzeptieren. Wenn der nicht mit mir reden will, muss ich halt weitergehen.“ Insgesamt seien die Leute entspannter geworden, sagt der 45-jährige Wetzlarer, der 2017 für Hans-Jürgen Irmer in den Landtag nachrückte. Früher hätten ihn die Leute auch mal angepöbelt oder ihm Tür vor der Nase zugeknallt. Auch das Lagerdenken zwischen SPD und CDU sei ausgeprägter gewesen. Steinraths selbst hat keine Hemmungen, er geht aktiv auf die Leute zu. Als Landespolitiker hört er sich die Nöte der Bürger an, kann aber nicht immer weiterhelfen. Auf kommunaler Ebene seien oft schnell unkomplizierte Lösungen möglich. Dann schreibt er schon mal dem zuständigen Dezernenten eine E-Mail. Wenn es aber um Rente oder Flüchtlinge geht, könne er das nur innerhalb der Partei nach oben weiterleiten. „Mit der Erststimme wähle ich Sie“, hört Steinraths oft in seinem Wahlkreis Lahn-Dill, aber die Zweitstimme wollen viele nicht der CDU geben. Das heißt: In seinem Wahlkreis kommt Steinraths gut an, die bundespolitischen CDU-Entscheidungen aber weniger. Bis Ende Oktober fährt er mit einem auffälligen Fiat 500 durch Nordhessen. Auf seinen Terminen singt er Volkslieder, grillt oder besucht Brauchtumsnachmittage. 

Ulrich Wilken (Die Linke, Wahlkreis Frankfurt V) 

Im Vergleich zum letzten Mal sei es dieses Jahr anstrengender, sagt Ulrich Wilken, denn die Vertreter der Linken würden häufiger eingeladen. „Weil mehr Vereine erkannt haben, dass die Linke ein stabiler Faktor in Hessen ist. Wir begrüßen das, aber wir haben nicht genug Personal.“ Bei den Veranstaltungen merke er, dass die gesamtgesellschaftliche Stimmung durchaus aufgeheizter sei als 2013. Mit AfD-Abgeordneten sitzt der 60-jährige Frankfurter gerne auf einem Podium: „Da sage ich, bitte mehr davon. Denn dann merkt wirklich jeder, wie blöde die sind. So kann ich sie wirklich befragen und Inhalte abklopfen.“ Haustürwahlkampf spielt für die Linke in diesem Jahr eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wirft Wilken in seinem Wahlkreis Flyer in die Briefkästen, auf denen er zu Veranstaltungen einlädt. Der Medienpädagoge und Vizepräsident des Landtags hat aus politischen Gründen keinen Facebook-Account. Damit ist er eine Ausnahme. Seine Partei will online möglichst viele Menschen erreichen. „Die Ausgaben für den digitalen Wahlkampf haben wir eher verfünffacht als verdoppelt seit dem letzten Mal“, sagt Wilken.

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