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Kreiswahlausschuss in Frankfurt Der Vorsprung der Grünen zählt nicht viel

Im Kreiswahlausschuss der Stadt Frankfurt prüfen die Mitglieder auch einzelne Voten.

Kreiswahlausschuss
Der Kreiswahlausschuss klärt live, was bei der Landtagswahl 2018 in Frankfurt alles falsch lief. Foto: Peter Jülich

Im Kreiswahlausschuss der Stadt Frankfurt ist die Zeit stehengeblieben. Die früheren Volksparteien CDU und SPD sind dort noch mit je zwei Mitgliedern vertreten, die neue Volkspartei Grüne entsendet nur ihren Frankfurter Vorstandssprecher Bastian Bergerhoff. Fassungslos verfolgen die Politiker dreieinhalb Stunden lang das Panorama der chaotischen Wahlnacht vom 28. Oktober, das Hans-Joachim Grochocki, der Leiter des städtischen Wahlamtes, vor ihnen aufblättert. 

Nur zur Erinnerung: Die Grünen sind stolz darauf, dass sie in Hessen um insgesamt 94 Stimmen vor der SPD landeten – nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis. An diesem Morgen müssen sie erleben, dass so ein Vorsprung nicht viel zählt. Im Wahlkreis 35 (Hausen, Bockenheim, Heddernheim etc.) zum Beispiel wird das Ergebnis im Wahlbezirk 481/03 wie folgt korrigiert: CDU minus 71 Stimmen, Grüne minus 127, SPD plus 40. Im Wahlkreis 36 (Altstadt, Innenstadt etc) können sich die Grünen bald darauf über den Wahlbezirk 170/03 freuen: CDU plus 91, SPD plus 36, Grüne plus 82 Stimmen. 

Europawahl am 23. Mai

Ursula Busch, die SPD-Fraktionsvorsitzende im Römer, nennt solche nachträglichen Groß-Korrekturen „problematisch“ – und fragt im Ausschuss, was die Stadt tun wird, damit sich das nicht wiederholt. 

Da herrscht ziemliche Ratlosigkeit. Man könne versuchen, die Schulungen der Wahlhelfer zu verbessern, sagt Kreiswahlleiterin Regina Fehler zögerlich. Doch sie fügt gleich hinzu: „Aber das sind Ehrenamtliche und keine Profis.“ Einige hätten einfach das Zählsystem nicht verstanden. 

Hans-Joachim Grochocki kündigt mit Grimm in der Stimme Gespräche mit dem Hessischen Statistischen Landesamt über das Versagen des Landes-Computersystems „Wahlweb“ an: „Da sind wir dran!“ Auch andere Städte in Hessen hätten in der Wahlnacht ihre Probleme mit dieser wunderbaren Neuerung gehabt. „Wir müssen unbedingt eine Diskussion über die Technik führen.“ 

Bis zur nächsten Wahl bleibt tatsächlich noch ein wenig Zeit für technische Testläufe. Am 23. Mai 2019 sind die Frankfurter wie alle EU-Bürger zur Europawahl aufgerufen. 

Derweil ringt der Ausschuss um jede einzelne Stimme. Die Mitglieder nehmen verknitterte Stimmzettel unter die Lupe: Was könnte die Wählerin oder der Wähler mit diesen geheimnisvollen Markierungen gemeint haben? Manchmal lautet das Votum „gültig“, manchmal verschwindet die Stimme im Orkus der Geschichte. 

Die Hoffnung der zahlreich erschienenen Medienvertreter, sie erführen ein Endergebnis für die Landtagswahl in Frankfurt, wird enttäuscht. Vor der Sitzung des Landeswahlausschusses am 16. November in Wiesbaden dürfe man nichts verraten, sagt Grochocki. 

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