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Hessen-Wahl Grüne im Siegestaumel

Die Grünen haben ihr Ergebnis bei der Landtagswahl fast verdoppelt und wollen weiter regieren - offen ist, mit wem.

Landtagswahl Hessen
Pure Freude: Angela Dorn (r.) und Bundesparteivorsitzende Annalena Baerbock. Foto: Michael Schick

So sehen Sieger aus: Angela Dorn strahlt von einem Ohr zum anderen. Die Grünen-Parteivorsitzende sitzt im Raucherzelt der Bar „No. One“ und nippt an ihrem Weißwein. Sie raucht zwar nicht, doch hier ist wenigstens Platz. Kurze Pause, bevor sie sich wieder ins Partygewühl stürzt. „Eine wahnsinnig tolle Bestätigung“ seien die knapp 20 Prozent, mit denen die Grünen bei den Hochrechnungen in dem Moment gehandelt werden. Mit ihren Themen Klimaschutz, Agrarwende, offene Gesellschaft,Vernunft habe sie dem Populismus Paroli geboten. 

Dorn schaut kurz auf ihr Smartphone. Im Moment sieht es sogar so aus, dass die Grünen in ihrer Heimatstadt Marburg die meisten Stimmen bekommen könnten. Doch bei all der Euphorie weiß Dorn auch, dass mit dem Wahlkampf die Hauptarbeit nicht erledigt ist. „Wir müssen die Herausforderungen annehmen“, sagt sie. „Das ist ein Riesenvertrauensvorschuss.“ Jetzt gehe es darum, Gespräche zu führen mit dem Ziel, die erfolgreiche Politik fortzusetzen. Ob das mit der CDU allein möglich ist, steht erst lange nach Mitternacht fest. Die Hochrechnungen sind zu dieser Zeit noch unentschieden. 

Am liebsten, scheint es, würden die Grünen weiter mit der Union regieren. Doch sie halten sich auch am Wahlabend noch jegliche Optionen offen. „Wir reden mit allen demokratischen Parteien.“ Klar ist jedenfalls, dass die Partei ihr gutes Ergebnis von 2013 nahezu verdoppeln konnte. 11,1 Prozent waren es damals. Jetzt knapp 20 Prozent. Unfassbar“ sei dieses Ergebnis, sagt Priska Hinz, aktuell Ministerin für Umwelt und Landwirtschaft. „Hessen ist ab jetzt richtig grün.“ Ein Satz, der zum geflügelten Wort des Abends wird. Co-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir sagt ihn auch, spricht von einem „tollen Tag“ und lobt seine Mitstreiter. Mit „guter Sacharbeit“ habe man Neuwähler hinzugewonnen. Nun gelte es, abzuwarten, wie das Endergebnis ausfällt.

In Hessen habe das ja Tradition. Bei der vergangenen Wahl war es auch so knapp. Ein Krimi. 

Mit Konfettikanonen haben die Parteifreunde Hinz und Al-Wazir begrüßt, als die beiden das proppevolle Lokal in der Wiesbadener Altstadt um 21 Uhr betraten. Vor ihnen lagen ungezählte Fernsehinterviews, weitere werden folgen. Die beiden sind bei den Medien stark gefragt. Denn die Grünen sind die Sieger des Abends. 

„Das beste Ergebnis, das wir je hatten.“ Jürgen Frömmrich, parlamentarischer Geschäftsführer, hält noch die Stellung in den Fraktionsräumen. Das Buffet ist schon reichlich abgeräumt, es gibt noch Biowein. Jetzt, sagt Frömmrich, gelte es,eine stabile Mehrheit zu schmieden. Als „erschreckend“ empfindet er das Ergebnis der AfD: „Das ist ein Auftrag an alle demokratischen Parteien.“ Im Wahlkampf, sagt Frömmrich schließlich, hätten die Grünen mit Vernunft statt Populismus punkten können. Außerdem werde sich nun zeigen: „Bei den wichtigen Themen haben die keine Lösung.“ 

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