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Grüne Fünf Direktmandate auf einen Streich

Die Grünen trumpfen in den hessischen Großstädten auf. Priska Hinz bringt Tarek Al-Wazir als Ministerpräsidenten ins Gespräch.

Nach der Landtagswahl in Hessen
Tarek Al-Wazir vorn? Die großen Wahlplakate - hier in Frankfurt - haben ausgedient. Foto: Arne Dedert (dpa)

Große Koalition – heißt das für Hessen nicht seit Sonntag Schwarz-Grün? Angela Dorn lacht. Der Wahlkampfslogan „Tarek statt Groko“ habe eindeutig auf ein schwarz-rotes Bündnis abgezielt, auf Zustände wie in Berlin. „Wir sind das Gegenbild. Wir gehen die Themen an und suchen Lösungen.“ 

Die Botschaft scheint beim Wähler angekommen, die Rechnung aufgegangen zu sein. Um 1.40 Uhr stand fest, was sich die Grünen noch vor kurzem nicht hatten träumen lassen: Mit 19,8 Prozent der Stimmen liegen sie gleichauf mit der SPD. 570 260 Wähler haben ihre Landesstimme an die Grünen gegeben. Die Sozialdemokraten bekamen 94 weniger. Damit ist die einstige Ökopartei auf Platz 2 vorgerückt.

Angela Dorn und Kai Klose sind die Chefs der Partei, die als Siegerin des Wahlabends gilt. Am Montagmorgen stehen sie gut gelaunt vor der Landespressekonferenz, um ihren Lieblingssatz zu formulieren: „So grün war Hessen noch nie.“ Aber auch, dass man nun „große Verantwortung“ trage. Dass die nächsten Wochen anstrengend würden, denn jetzt gelte es, Sondierungsgespräche zu führen. Ergebnisoffen. „Gute Kompromisse“ gelte es zu finden, sagt Klose. Mit wem, sei sekundär. 

Mit einer klaren Haltung für Antipopulismus sowie eine offene und vielfältige Gesellschaft sei es dem Juniorpartner der CDU gelungen, aus der Wahl gestärkt hervorzugehen. Mit 29 Mandaten rechnet die Fraktion. Im Moment sind es 13. Kein Problem, sagt Dorn. „Wir haben die Liste bis Platz 30 einzeln gewählt.“ Über Ambitionen auf weitere Ministerposten will sie am Montag nicht reden. Für Personaldebatten seien die Grünen nicht zu haben - das unterscheide sie von anderen Parteien. „Für uns zählen die Inhalte“, stellt sie einmal mehr klar. 

Für Hessens Grüne ist nicht nur das Wahlergebnis historisch. Erstmals haben sie Direktmandate geholt, und zwar gleich fünf auf einen Streich, alle in Großstädten. In Frankfurt Marcus Bocklet und Miriam Dahlke, in Darmstadt Hildegard Förster-Heldmann, in Kassel Vanessa Gronemann. Schon am Wahlabend zeichnete sich ab, dass in Offenbach eine kleine Sensation zu erwarten ist. Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir luchste es CDU-Sozialminister Stefan Grüttner ab. Der steht nun ohne politischen Posten da, genauso wie seine Parteifreundin, Justizministerin Eva Kühne-Hörmann aus Kassel. 

Al-Wazir ist der Shootingstar der hessischen Grünen. Vor diesem Hintergrund sagt Spitzenkandidatin Priska Hinz am Montag in Berlin, dass er im Fall einer Ampel-Koalition mit SPD und FDP Anwärter für das Amt des Ministerpräsidenten sei. Es sei zwar richtig, dass Frauen bei den Listenaufstellungen der Grünen immer die Nummer eins stellten. „Trotzdem kann man nicht die Augen davor verschließen, dass von den Grünen in Hessen Tarek Al-Wazir der beliebteste Politiker ist“, sagte Hinz laut dpa. Daher sollte man „auch als Frau und Spitzenkandidatin“ die Realität anerkennen. Sie sei mit sich in dieser Hinsicht „völlig im Reinen“ und unterstütze ihn gern. 

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