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Gauland in Frankfurt Ein Platz für Hass

Die Demonstration gegen den Auftritt von Alexander Gauland in Frankfurt verläuft weitgehend friedlich, aber hochemotional.

Anti-Gauland-Demo
Samstagnachmittag am Buchrainplatz: Die AfD hat noch gar nicht angefangen, aber die Demonstranten sind schon da. Foto: Rolf Oeser

Ganz Frankfurt hasst die AfD. Ganz Frankfurt? Hat nicht ein kleiner, unbeugsamer Stadtteil im Süden der Problempartei am Samstagabend in aller Freundschaft Asyl gewährt?

Hat er nicht. Etwa 500 Demonstranten, einige aus Oberrad, andere von auswärts, bereiten allen, die heute gekommen sind, um dem Hauptredner Alexander Gauland zu lauschen, einen heißen Empfang. Pfeifen trillern, Hunderte brüllen „Nazis raus!“ oder „Haut ab!“, sobald es einem AfD-Freund gelungen ist, irgendwie hinter die Polizeiabsperrung zu gelangen und den Saalbau zu betreten. Das politische Klima hat hier und heute die Bürger streng geteilt. Draußen Gutbürger, drinnen Wutbürger. Draußen sind mehr.

„Grüne Soße statt braune Soße“, fordert ein offenbar einheimischer Demonstrant. Auch andere haben sich etwas einfallen lassen. „Ich möchte die AfD nicht im Landtag sehen, weil …“ hatten die Organisatoren Plakate vorbereitet und dahinter Raum für eigene Gedanken gelassen. „… weil sie mehr nervt als die Check24-Familie“, hat ein Demonstrant den Satz vollendet. Auch die Spaßpartei „Die Partei“ treibt hier und heute ihre Späße. „Hetz’ nicht so! Du bist hier nicht in Sachsen“, ist auf ihren Plakaten zu lesen. Unser Hessen – zum Hetzen viel zu schön!

Es ist größtenteils ein friedlicher und bunter Protest. Etliche Demonstranten haben ihre Kinder mitgebracht. Viele tragen Fahnen, Kappen oder T-Shirts mit dem Aufdruck etablierter Organisationen wie GEW, Die Linke oder Naturfreunde Offenbach. Aber auch Randgruppen sind willkommen: Eine Frau schwenkt eine blutrote SPD-Fahne, ohne sich ein höhnisches Wort anhören zu müssen.

Nur der Schwarze Block macht traditionsgemäß Terz. Zweimal kommt es zu leichten Scharmützeln mit der zahlreich angereisten Polizei. Vier Demonstranten werden vorübergehend festgenommen, weil sie versuchen, über die Absperrung zu hüpfen. „Hass, Hass, Hass wie noch nie“ singt der Block und „Wo, wo, wo wart ihr in Chemnitz?“, aber da bleibt die Polizei die Antwort schuldig. Ein Vater, der sein kleines Kind auf dem Arm trägt, erklärt ein paar Jungs vom Block, dass er nicht nur Nazis hasst: „Ihr blöden Arschlöcher! Das war bis eben eine Super-Demo!“ Da bleibt wiederum der Block die Antwort schuldig.

Etwas weiter hinten am Buchrainplatz geht es friedlicher zu. Zwei Demonstrantinnen finden Zeit und Muße, sich zu unterhalten. „Warst du auch bei ,Sei kein Horst!‘?“, fragt die eine. Nein, antwortet die andere, sie habe sich an diesem Tag nicht wohlgefühlt, ihr habe da noch die letzte Demo gegen rechts in den Knochen gesteckt. Ja, es seien harte Zeiten, sagt ihr Gegenüber und nickt verständnisvoll, „da muss man auch mal eine Pause machen“.

Für die Gäste der AfD – es sind mit etwas mehr als 100 weit weniger als befürchtet – wird der Besuch zum Spießrutenlauf. Manche scheinen das zu bedauern, andere zu genießen. Gegen 20 Uhr schwankt ein Besucher, offenbar trunken vor Patriotismus oder auch etwas ganz anderem, aus dem Saalbau, um sich in der Kneipe nebenan, die sich gnädigerweise auch noch hinter der Polizeiabsperrung befindet, aufzupegeln. „Scheiß-Nazi“ und „Ganz Frankfurt hasst die AfD“ hallt es ihm aus einem Meer von ausgestreckten Mittelfingern entgegen; der taumelnde Patriot aber dreht sich dem Feind entgegen und reckt dann, so gut er das noch hinkriegt, den rechten Arm in die Höhe – und wedelt ein klein wenig mit der Hand.

Die Wirkung, die er erzielt, ist die erhoffte. „Jetzt macht das Schwein auch noch den Hitler-Gruß!“, brüllt ein Mann, „Verpiss dich, du Opfer!“ brüllt ein anderer – aber der mutmaßliche AfD-Sympathisant scheint sich in der ungewohnten Opferrolle ganz wohlzufühlen. Ein leerer Plastikbecher fliegt ihm entgegen, aber er mäandert dann doch lieber in die Kneipe, um sich dort ein volles Glas zu holen.

Zu diesem Zeitpunkt haben sich die meisten der Demonstranten bereits vom Platz gemacht – vielleicht auch wegen des langsam, aber sicher stärker werdenden Regens. Gemeinsam mit rund 100 anderen steht ein Demonstrant auf dem Buchrainplatz; er trägt ein selbstgemachtes Pappschild, dessen Schrift allmählich verwischt, aber immer noch zu lesen ist. „Kein Platz für Hass“, ist darauf zu lesen. Vielleicht hat er sich verlaufen.

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