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Landtagswahl Hessen Faktencheck Was die Parteien für die Landwirtschaft tun wollen

Am Rande des Vogelsbergs schafft ein Demeter-Betrieb Arbeitsplätze und bietet Stadtkindern Anschauungsunterricht. Zur Landtagswahl in Hessen fragen wir die Parteien, was sie für ihn und andere Bauern tun wollen.

Biobauer
Das Grünfutter hat Biobauer Koch am Morgen vom Acker um die Ecke geholt. Doch es wächst nicht so gut wegen der Trockenheit. Foto: Monika Müller

Das ist die Entwicklung, die Koch meint. Menschen machen sich auf den Weg, um mit ihren eigenen Händen Lebensmittel zu produzieren. „Es ist keine Schande, die Hacke in die Hand zu nehmen.“ Das schaffe Arbeitsplätze – nicht die von Ministerin Hinz gepriesene Digitalisierung. Letztendlich garantiere sein Weg die Versorgung in Zeiten, in denen nicht alles so reibungslos funktioniert. „Die Kühe haben auch im Zweiten Weltkrieg Milch gegeben.“ Das heutige Turbovieh schwächele schon beim geringsten Stress. „Sicherheit wird durch Effizienz ersetzt.“ Die Gesellschaft mache sich abhängig von einer winzigen Gruppe, die wiederum abhängig von der Technik sei.

Selbstverständlich hat Koch einen Trecker und einen Melkstand für seine 40 Kühe. Die drei Hühner und der Hahn sind Hobby. So wie die zwei Ziegen, die freilaufenden Gänse. Auch er muss Geld verdienen mit seinen 70 Stück Vieh und seinen 115 Hektar Land, auf denen zur Hälfte Grünfutter für die Tiere wächst. Auf dem Rest baut er Getreide und Sonderkulturen an. Weizen, Roggen. Dinkel für den Ökobäcker war lange das Hauptgeschäft. Daneben experimentiert Koch mit anderen Pflanzen: Koriander und Fenchel als Gewürze, Lupinen als Zusatz fürs Brot, Spitzwegerich als Saatgut. Eine Herausforderung, auch um die Routine aufzubrechen. Die Bienen sind wild auf die gelben Fenchelblüten. Ein Imker aus Rosbach hat seine Stöcke am Feld aufgestellt.

Die Kinder haben ihre Betten bezogen und dürfen jetzt raus in den Stall. Der Nachwuchs soll wissen, woher das Essen auf seinem Teller kommt. „Da kann Schule noch viel mehr machen“, sinniert Ulrike Fleischer. Auch das ein Wunsch an die Landespolitik. Und dass der boomende Wohnungsbau nicht die Landwirte überrollt. In den Gärten hinter der Hofreite soll ein Neubaugebiet entstehen. „Auf bestem Boden.“ Um die Anwohner nicht zu stören, müsste der Bullenstall geschlossen, die Getreidetrocknung verlegt werden. Das Paar sorgt sich um seine Existenz. Wegen des Lärmschutzes wurde gefragt, wann der Traktor ein- und ausfährt. „Die Arbeit wird gemacht, wenn man Zeit hat“, sagt Fleischer. Es gebe nun mal kein Schaffen nach Stechuhr in der Landwirtschaft. „Das hier ist ein lebendiger Organismus.“

Gästehaus-Biobauernhof Nidda-Wallernhausen, Telefon 06043 / 8728, www.kinderhotel-im-alten-hof.de

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