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AfD in Hessen Sollte man die AfD einladen?

Veranstalter von Podiumsdiskussionen zur Landtagswahl in Hessen machen sich Gedanken, ob die AfD eingeladen wird. Die Rechtspopulisten finden es „unfair“ nicht auch immer auf dem Podium zu sitzen.

Von den Schülern zum Diskutieren eingeladen: AfD-Mann Erich Heidkamp. Foto: Christoph Boeckheler

Erich Heidkamp war am Dienstag eigentlich ganz froh. Denn er war eingeladen worden zur Podiumsdiskussion des Stadtschülerrats in Frankfurt zur Landtagswahl. Gemeinsam mit CDU, SPD, Grüne, Linke und FDP saß der AfD-Mann auf der Bühne im Haus der Jugend. Nicht selbstverständlich so eine Teilnahme an einer Diskussion für die AfD. „Wir finden ja nicht mal ein Lokal, in dem wir uns intern treffen können“, sagte Heidkamp. Weder im Lokal noch auf dem Podium sind sie gerngesehene Gäste. Einladungen zu Diskussionen bekommt die AfD entsprechend seltener als andere Parteien. „Das empfinde ich schon als unfair“, sagte Heidkamp.

Vor 300 Schülerinnen und Schülern sprach der 70-Jährige am Dienstag über Legalisierung von Cannabis, das dreigliedrige Schulsystem und warum Mathe in der Oberstufe besser weiterhin bis zum Abitur belegt werden sollte. Dass er nicht öfter seine Positionen darlegen kann, findet er „problematisch und nicht logisch“. Denn wenn die AfD so schlimm sei, wie sie dargestellt werde, „dann müsste man uns doch erst recht öffentlich auftreten lassen: Dann würden wir uns ja ständig blamieren“.

AfD auch bei HR-Debatten dabei

Die Entscheidung, die AfD zur Podiumsdiskussion einzuladen, hatte der Stadtschülerrat im Dezember 2017 bei einer Vollversammlung getroffen: Alle Parteien sollten kommen, die eine realistische Chance haben, in den Landtag einzuziehen. „Wir haben uns zur Parteineutralität verpflichtet“, sagte Stadtschülersprecher Kevin Saukel. Im vergangenen Jahr war die AfD zu einer ähnlichen Veranstaltung zur Bundestagswahl nicht eingeladen worden. Das hatte für Kritik in der Schülerschaft gesorgt. „Sie wollten sich damit auseinandersetzen“, sagte Saukel.

Auch bei den Debatten des Hessischen Rundfunks ist die AfD dabei. Zum „Ökumenischen Hearing zur Landtagswahl“ der evangelischen und katholischen Kirche am 25. September in Bad Soden ist die AfD ebenfalls eingeladen. Die Wirtschaftsjunioren der IHK haben sich für ihre „Wahlkampf-Arena“ am 25. September in Wiesbaden aber anders entschieden. Zumindest sitzt kein AfD-Vertreter auf dem Podium. Auch beim BUND Hessen am 26. September in Marburg diskutiert man lieber ohne einen AfD-Landtagskandidaten.

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) waren am Montag nur die derzeitigen Landtagsparteien CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP anwesend. Die AfD nicht. „Wir haben uns dagegen entschieden, weil die AfD arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindlich ist“, sagte Gewerkschaftssekretär Alexander Wagner. Vertreter der AfD hätten immer wieder die Gewerkschaften angegriffen und etwa behauptet, sie kümmerten sich nicht um die deutschen Arbeiter. „Aber wir vertreten alle Mitglieder, egal welcher Herkunft“, sagte Wagner. Da der DGB sich explizit gegen rassistische Ressentiments und extremistisches Denken ausspreche, sei die AfD nicht eingeladen worden. „Wir scheuen keine Auseinandersetzung“, sagte Wagner, „aber wir wollen der AfD auch kein Forum bieten.“

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