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Hessentag in Korbach Streit um Bundeswehr auf Hessentag

Der Hessentag in Korbach beginnt heute. Wie bei jedem Hessentag gibt es erneut Streit um die Präsentation der Bundeswehr auf dem Landesfest. In diesem Jahr wird er jedoch mit besonders harten Bandagen ausgetragen.

Hessentag 2017 in Rüsselsheim
Schon beim Hessentag in Rüsselsheim gab es im vergangenen Jahr Protest gegen die Bundeswehrausstellung. (Archivbild) Foto: Michael Schick

Auf die Bundeswehr kann man sich verlassen. Auch wenn es jahrzehntelang spöttisch hieß, im Verteidigungsfall sollten die deutschen Soldaten warten, bis richtiges Militär zu Hilfe komme – auf dem Hessentag gehören die bundesrepublikanischen Streitkräfte zum festen Inventar.

Genauso verlassen kann man sich darauf, dass es Streit um die Teilnahme der Bundeswehr am Landesfest gibt. Und der wird in diesem Jahr mit besonders harten Bandagen ausgetragen. 

Stimmung macht vor allem die Lehrergewerkschaft GEW. Die hat die hessischen Schulen angeschrieben und aufgefordert, auf Klassenfahrten zur Bundeswehrausstellung zu verzichten. „Die Ausbildung zum Soldaten oder zur Soldatin bedeutet, das Töten zu lernen“, heißt es dort. Und sie könnten selbst traumatisiert, im Dienst verletzt und sogar getötet werden. Die zumeist minderjährigen Schülerinnen und Schüler könnten die Konsequenzen, die eine Ausbildung bei der Bundeswehr habe, gar nicht überblicken. Vor allem in Zeiten, in denen Auslandseinsätze längst zum Standard gehörten – und Spott über eine „Möchte-Gern-Armee“ unangebracht erscheint.

„Mit ihrer Werbung verstößt die Bundeswehr gegen die UN-Kinderrechtskonvention, die eine Rekrutierung von Minderjährigen verbietet“, sagt Tony Schwarz, stellvertretender GEW-Vorsitzender. Und sie verstoße mit ihrer Show voller Waffen, Fahrzeuge und Uniformen gegen das im  Beutelsbacher Konsens festgehaltene Gebot, wonach Schüler und Schülerinnen nicht „überwältigt“ werden dürften. Genau aber das passiere beim Hessentag.

Kostenlose Busfahrt

In der Tat ist die Bundeswehrausstellung beeindruckend. Auf mehr als 10 000 Quadratmetern präsentieren sich dort Marine, Luftwaffe und Heer mit „ausgewähltem Großgerät“ wie dem Kampfjet Tornado oder dem Kampfhubschrauber Tiger – Anfassen und Einsteigen ausdrücklich erwünscht, wie es in der Pressemitteilung heißt. Geboten werde zudem ein „Ausstellungs- und Informationsprogramm der Extraklasse“ auf der Aktionsbühne – mit Rock- und Pop-Bands sowie dem Heeresmusikkorps. 

Schulklassen macht die Bundeswehr dabei ein besonderes Angebot. Sie werden auf Kosten des Militärs mit Reisebussen abgeholt und wieder nach Hause gefahren – am Wunschtag sowie zur gewünschten Uhrzeit. Ein kostenloser Mittagstisch aus der Feldküche – wenn gewollt auch vegetarisch – ist dabei ebenso inklusive wie ein rund eineinhalbstündiger Rundgang mit Jugendoffizieren über die Ausstellung. Wer dann an mehr interessiert ist, kann sich an das Nachwuchsgewinnungsteam wenden, das die zehn Festtage lang auf dem Platz zugegen ist.

Die scharfen Anwürfe der GEW will Wolf-Teja von Rabenau nicht auf sich sitzen lassen. „Werbung ist für uns auf dem Hessentag nur ein Nebeneffekt“, erklärt der Bundeswehrsprecher auf Anfrage. Vor allem gehe es darum, die Bedeutung der Streitkräfte in Hessen darzustellen. Der Hessentag sei eine der wenigen Möglichkeiten, der Öffentlichkeit zu zeigen, wofür das Steuergeld ausgegeben werde.

„Leuten nichts vormachen“

Dass Jugendliche von der Ausstellung „überwältigt“ sein könnten, weist von Rabenau zurück. Zielgruppe seien Schulklassen ab Jahrgangsstufe 10. Die Schüler und Schülerinnen seien alt genug, selbst zu entscheiden, was sie von der Bundeswehr hielten. „Wir machen den Leuten hier nichts vor“, sagt von Rabenau. So könnten die Besucher auch mit Soldaten und Soldatinnen sprechen, die selbst schon Erfahrungen mit Auslandseinsätzen hätten. Zudem sei die Armee mit mehr als 50 Ausbildungsberufen und rund 20 000 Nachwuchskräften jährlich gerade in Nordhessen ein wichtiger Arbeitgeber. 

Am Donnerstag, dem Tag vor der Eröffnung, hat der Streit den hessischen Landtag erreicht. Da half es nichts, dass Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der Rolle des Landesvaters zur Gemeinsamkeit mahnte: „Lasst uns doch fröhlich sein beim Fest aller Hessen.“ In einer teils hitzigen Debatte mahnte CDU-Generalsekretär Manfred Pentz: „Unsere Soldaten verteidigen den Frieden bei uns in Deutschland und im Ausland.“ Dafür gebühre ihnen Respekt, Wertschätzung und Anerkennung. Der GEW warf er die Diffamierung von Soldaten und Soldatinnen vor. Linken-Politiker Hermann Schaus fragte dagegen rhetorisch: „Warum lassen wir Kinder auf Panzerhaubitzen spielen und in Kampfjets steigen?“ Und verwies auf die Hessische Verfassung, die Krieg ächte. 

Da wirkt es fast trotzig, dass Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in einer Pressemitteilung für Dienstag nächster Woche seinen Besuch der Bundeswehrausstellung angekündigt hat. Die Chance, dass er dort auf Schülerinnen und Schüler auf Klassenfahrt trifft, ist hoch. Laut Bundeswehrsprecher von Rabenau haben fast 50 Schulen die Einladung der Bundeswehr angenommen. 

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