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Hessentag Abschied von Mister Hessentag

Pfarrer und Oberkirchenrat Wolfgang Weinrich geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Weinreich ist der Vater des lila Kirchenlogos

Hessentag in Rüsselsheim
Wirbt für „Gitarren statt Gewehre“: Pfarrer Wolfgang Weinrich. Foto: Michael Schick

Der Kirche Dein Gesicht geben!“ lautet das evangelische Motto beim diesjährigen Hessentag in Rüsselsheim. Ein oder vielleicht sogar das prägende Gesicht der vergangenen Landesfeste auf protestantischer Seite ist Pfarrer Wolfgang Weinrich. 15-mal hat der Oberkirchenrat mit der wallenden weißgrauen Haarpracht die Auftritte der evangelischen Kirche auf dem Hessenfest verantwortet, so dass er schon als „Mister Hessentag der evangelischen Kirche“ gilt.

Doch zum Jahresende ist Schluss für Weinrich, der in der Kirchenverwaltung am Darmstädter Paulusplatz die Kommunikationsprojekte der hessen-nassauischen Kirche verantwortet. Der kreative Kirchenkommunikator geht in den Ruhestand. Seit dem Hessentag 1998 in Erbach hat der inzwischen 62-jährige Theologe die Kirchentagsauftritte der Protestanten geprägt. So wurde das Gotteshaus in Butzbach vor zehn Jahren zu einer „Rosenkirche“ umgestaltet. Ein Paar, dass sich dort das Jawort gab, feierte am vergangenen Wochenende in der „Zeitkirche“ in Rüsselsheim nun gemeinsam mit Weinrich bei einem Gottesdienst seine „Rosenhochzeit“. Auch für den Bensheimer „Sternendom“ und den „Purpurdom“ 2016 in Herborn war der Pfarrer verantwortlich, der auch mal rosafarbene Chucks oder – etwa beim Interview mit Ministerpräsident Volker Bouffier – ein knallrotes Sakko überstreift.

Für Weinrich war es immer wichtig, „mit modernen Ausdrucksformen Menschen im Leben zu begleiten und freundlich für die gute Botschaft Gottes zu werben“. So dröhnten etwa am vergangenen Wochenende Technobeats durch das zur „Zeitkirche“ umgestaltete evangelische Gotteshaus am Marktplatz. Dort ist während des Hessentags eine spektakuläre Videoinstallation zu sehen. Die Wand hinter dem Altar wirkt durch die Projektion von ineinander verlaufenden Bildern und Videosequenzen wie ein modernes Kirchenfenster. In der Kirche können Besucher eine Reise durch die Geschichte der Menschheit und zu sich selbst machen sowie zugleich wie in einem modernen Klub Ruhe und Entspannung finden, wenn nicht gerade der DJ am Pult steht.
In den vergangenen Jahren war Weinrich auch für die Auftritte der hessen-nassauischen Kirche auf den Rheinland-Pfalz-Tagen, den Landesgartenschauen oder wie jüngst bei der Weltausstellung der Reformation in Wittenberg zuständig. Dort wird auch die mehrfach mit Architekturpreisen ausgezeichnete „Lichtkirche“, ein mobiles Gebäude, das bei Dunkelheit in bunten Farben leuchten kann, gezeigt.

Der kreative Oberkirchenrat gilt laut Kirchensprecher Volker Rahn auch als Vater des lila „Facettenkreuzes“, das heute das Logo der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist. Gegen viele Widerstände habe Weinrich noch vor mehr als zwei Jahrzehnten als regionaler Öffentlichkeitsbeauftragter dafür gekämpft, ein einheitliches kirchliches Signet zu schaffen.
Inzwischen ist Weinrich auch Botschafter für die evangelische Hilfsorganisation „Brot für die Welt“. Dabei unterstützt er ehemalige Kindersoldaten in Afrika mit der Aktion „Gitarren statt Gewehre“, bei der die Kinder eine neue Perspektive etwa als Instrumentenbauer erhalten. Dazu entwickelte er eine provozierende Plakataktion, die deutsche Kinder mit Maschinengewehren in einer idyllischen Umgebung zeigt. Zudem reiste Weinrich Stars wie Herbert Grönemeyer, Wolfgang Niedecken oder Peter Maffay hinterher und ließ die Musiker eine in Afrika gebaute Elektrogitarre signieren, die am Samstag auf dem Hessentag in Rüsselsheim verlost wird.

Und Weinrich steht auch selbst auf der Bühne: Zusammen mit Gästen gestaltet er zum Abschluss der Hessentage jeweils ab 22.45 Uhr auf der Bühne vor dem Rathaus die „Nachtgedanken“. Und am Samstag wird er ab 16 Uhr mit seiner Band und der österreichischen Opernsängerin Eva Lind in der „Zeitkirche“ auftreten. Das Motto der musikalischen Lesung: „Der liebe Gott bleibt inkonsequent“.

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