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Hessentag 2013 Vellmar spart sich den Hessentag

2008 bewarb sich Vellmar um die Ausrichtung des Hessentags und erhielt den Zuschlag für die 53. Auflage des Landesfestes im Jahr 2013. Doch nun macht die nordhessische Kleinstadt einen Rückzieher.

Die nordhessische Kleinstadt Vellmar will den Hessentag 2013 nicht mehr ausrichten. Foto: dpa

2008 bewarb sich Vellmar um die Ausrichtung des Hessentags und erhielt den Zuschlag für die 53. Auflage des Landesfestes im Jahr 2013. Doch nun macht die nordhessische Kleinstadt einen Rückzieher.

Oberursel sonnt sich noch im Erfolg – da will die übernächste Hessentagsstadt das Handtuch werfen: Vellmar wird das Landesfest 2013 aller Voraussicht nach nicht ausrichten. Einen entsprechenden Antrag brachte Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) ins Stadtparlament ein.

Die nordhessische Kommune könne sich angesichts der angespannten Kommunalfinanzen ein Defizit wie 2010 in Stadtallendorf nicht leisten, sagte Stochla. Dort hatte der 50. Hessentag mit 5,9 Millionen Euro Minus zu Buche geschlagen – allerdings nach den neuen kaufmännischen Regeln der Haushaltsführung, die auch Ausgaben etwa für Überstunden des Personals oder Dienstleistungen der Stadt berücksichtigen. Nach alter Rechnung lag der Verlust bei 3,9 Millionen Euro – und damit etwa in der Größenordnung der Vorjahre. Der jüngste Hessentag in Oberursel kostete die Stadt ersten Schätzungen zufolge 3,5 Millionen Euro. Angepeilt waren in der Planungsphase drei Millionen.

Nach Angaben des Vellmarer Bürgermeisters hat sich die Finanzlage der Stadt mit ihren rund 18200 Einwohnern seit der Bewerbung um das Fest 2008 deutlich verschlechtert. Auch stünden nicht mehr alle in der Stadt hinter der Ausrichtung. Im Dezember 2008 hatten alle Fraktionen außer den Grünen für den Hessentag gestimmt. Später wuchs die Sorge um die Kosten, die CDU forderte ein reduziertes Fest. Den von Stochla beantragten Rückzug muss die Stadtverordnetenversammlung noch beschließen.

Grüne fordern: seltener feiern

Im Land befeuert der geplante Rückzug die Diskussion darüber, ob der jährliche Hessentag die Kommunen nicht überfordere. „Wir brauchen dringend ein anderes Konzept“, sagt die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Erfurth. Zu den Defiziten der Gastgeberstädte kämen weitere Millionen. Ausweislich der Regierungsantwort auf eine Grünen-Anfrage addierten sich 2009 in Langenselbold zu 3,6 Millionen Miesen der Stadt etwa 3,3 Millionen Euro des Landes für die Durchführung, 5,7 Millionen Investitionszuschüsse aus Landesmitteln und 2,9 Millionen Investitionszuschüsse aus dem kommunalen Finanzausgleich.

„Der Hessentag, der zunehmend eine Massenveranstaltung mit entsprechendem Infrastrukturbedarf und Kosten geworden ist, muss sich neu erfinden“, finden die Grünen. Zum ersten Mal erfunden hatte ihn der damalige Ministerpräsident Georg August Zinn (SPD) 1961, um dem 1945 künstlich geschaffenen Bundesland ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben. Mit dem Brauchtumsfest von einst hat der Hessentag aber immer weniger zu tun. Auftritte international bekannter Bands sind in ein gigantisches Volksfest mit zuletzt 1,3 Millionen Besuchern eingebettet.

Sollte der Hessentag, wie die Grünen vorschlagen, nur noch alle zwei Jahre stattfinden? „Darüber kann man diskutieren“, sagt FDP-Faktionschef Florian Rentsch. Offenbar aber nicht mit dem Koalitionspartner: „Die CDU steht zum jährlichen Rhythmus“, sagt deren Fraktionschef Christean Wagner. Die SPD will übers Konzept reden, fordert mehr Geld für Kommunen, und die Linke schlägt den ganz großen Bogen: Vellmars Rückzieher sei eine „Bankrotterklärung für die Haushalts- und Finanzpolitik von Bund und Land“. Würden „Reiche und Konzerne“ ordentlich besteuert, könnten Städte wie Vellmar ruhig feiern.

Regierungssprecher Michael Bußer glaubt, mit einem anderen Rhythmus „ginge der Charakter des Hessentages ein wenig verloren“. Zwar müsse man jedes Konzept überprüfen, aber angesichts der Besucherzahlen könne man das Fest nicht umkrempeln, sagte Bußer der Frankfurter Rundschau: „Der Hessentag kommt bei den Menschen an.“ Wie geht es weiter, wenn Vellmar hinwirft? „Dann wird unter den Kommunen, die sich grundsätzlich beworben haben, Ersatz gesucht.“ Auf eine Region, eine Kommune will sich Bußer nicht festlegen.

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