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Hessenpark Die Kirche ums Dorf tragen

Im Hessenpark können 30 Leser Sprichwörtern auf den Grund gehen. Von Olaf Velte

Kostumführung 2009 - vor der Post. Foto: Oeser/FR

Wer in den Hessenpark kommt, riskiert keinen Metzgergang. Bereichert um Wissen kehrt der Gast nach Hause zurück - besonders, wenn er an einer der Kostümführungen teilgenommen hat. Neu im Programm des Park-Theaters ist eine Reihe zu Sprichwörtern und Redewendungen. Unter dem Motto "Dem Volk auf´s Maul g´schaut" geht es am Montag, den 5. Juli, durch die Gassen, Wiesen und Hofreiten des Freilichtmuseums.

Da pfeifen die Spatzen etwas von den Dächern, dort geht ein Krug so lange zum Brunnen, bis er bricht. Was soll das bedeuten? Wo kommt das her? Henriette Fleck und Torsten Halsey, freie Mitarbeiter des Schauspielbereichs, haben recherchiert und alte Sprichwörter gesammelt. Erklärungen und jeweilige Herkunft werden gleich mitgeliefert. Vieles davon hat seinen Ursprung im ländlichen Raum und stammt aus dem 18. Jahrhundert. "Alles, was vermittelt wird, ist gut belegt und nachweisbar", sagt Hessenpark-Sprecherin Eva Bertrand-Rettig.

Wissenschaftlicher Ernst wird dennoch nicht herrschen, wenn die Gruppe anderthalb Stunden um die Häuser zieht. Spaß soll die Führung machen - und der berühmte Aha-Effekt stellt sich wie nebenbei ein. Dafür sorgen zwei versierte Darsteller: Iris von Stephanitz und Torsten Halsey verkörpern zwei Gestalten eines hessischen Dorfes und beschwören eine längst vergangene Zeit herauf. Während mit der gewitzten Bauersfrau nicht gut Kirschen essen ist, stapft der trottelige Dorfschullehrer von einem Fettnäpfchen ins nächste. Ein rechter Dabbes halt. Lästernd ziehen die beiden ihrer Wege - und die Zuhörer folgen gerne. Aus dem Zwiegespräch entwickeln sich Geschichten, in denen die Sprichwörter ihren Hintersinn offenbaren.

Auch wenn Hopfen und Malz vielerorts verloren sind - im Hessenpark geht man der Sprache auf den Grund und nimmt kurzerhand das nahe gelegene Hopfenfeld in Augenschein. Und stellt erstaunt fest, wie poetisch das mundartgefärbte Reden daherkommt. Darin gespiegelt finden sich elementare Zustände wie die Liebe, das Leben, die Arbeit.

Das Museumstheater schickt seit drei Jahren regelmäßig auch den Landbriefträger, den Nachtwächter und die Kräutermarie durchs Gelände. "Die Resonanz wird immer besser", sagt Bertrand-Rettig. Das Theater sei eine Belebung für das Museum. Inzwischen kann man auf fast 30 Darsteller zurückgreifen - was auch nötig ist, wenn man sich das stramme Jahresprogramm der Truppe anschaut. Jedenfalls genug Kräfte, um die Kirche ums Dorf herumzutragen.

Wer eine Kostümführung im Hessenpark besucht, nimmt also keinen Metzgergang auf sich. Da waren die Metzger einst schlechter dran: Oft mussten sie vergeblich über Land reisen, wenn sie das Schlachtvieh der Bauern aufkaufen wollten.

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