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Hessen Wichtige Medikamente nicht lieferbar

Bestimmte Medikamente werden in Hessen knapp. Kliniken bekommen derzeit ein viel genutztes Antibiotikum nicht. Lieferengpässe gefährden seit Jahren die Krankenversorgung.

Weil eine Produktstätte in China explodiert ist, können Krankenhäuser Risikopatienten bis auf weiteres nicht mit Piperazillin/Tazobactam behandeln (Symbolfoto). Foto: dpa

Eines der zentralen Antibiotika für die Therapie schwerer und schwerster Infektionen ist derzeit nicht erhältlich: Weil eine Produktstätte in China explodiert ist, können Krankenhäuser Risikopatienten bis auf weiteres nicht mit Piperazillin/Tazobactam behandeln. Nun besteht die Gefahr, dass Kliniken auf Antibiotika ausweichen, die die gefürchteten Resistenzen fördern. Die Zahl der mitunter tödlichen multiresistenten Keime würde als Folge weiter steigen. Um dies zu verhindern, haben Experten des Netzwerks gegen Multiresistente Erreger (MRE) Rhein-Main eine Alternativtherapie entwickelt. Geleitet hat die Arbeitsgruppe der Chefarzt für Anästhesiologie an der Frankfurter BG-Unfallklinik, Rolf Teßmann.

Lieferengpässe gefährden seit Jahren die Krankenversorgung. Betroffen waren in der Vergangenheit meist Medikamente, die in der ambulanten Versorgung zum Einsatz kommen. Auch derzeit gebe es in diesem Bereich wieder Knappheit, sagt die Sprecherin des Landesapothekerverbands, Katja Förster, der Frankfurter Rundschau. Das Parkinson-Mittel Levodopa sei im Moment nicht zu haben und auch nicht Metronidazol, das vor Operationen vorbeugend gegen Bakterien und Pilze eingesetzt wird.

Die Fälle häufen sich. Deshalb forderte die Landesärztekammer jüngst eine Strategie: Der Arzneimittelmarkt sei global ausgerichtet, monopolisiert, wegen des hohen Preisdrucks würden die Produktionen ins Ausland verlagert. Kommt es bei der Herstellung zu einer Panne, seien manchmal monatelang Impfstoffe oder Medikamente zur Krebsbehandlung nicht zu haben, kritisierte Ärztekammerpräsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. „Für die betroffenen Patienten ist das schlichtweg eine Katastrophe.“ Zudem gerate die Strategie gegen die multiresistenten Erreger in Gefahr.

So wie jetzt. Die explodierte Fabrik in China ist eine von weltweit zweien, die Piperazillin/Tazobactam produzieren, sagt die Sprecherin des Apothekerverbands. Behandelt werden damit bakterielle Infektionen – etwa der Lunge, der Nieren und Blase, der Bauchhöhle, der Haut oder des Bluts. Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren bekommen es auch bei Infektionen der Bauchhöhle, etwa einer Entzündung des Blinddarms, des Bauchfells oder der Gallenblase.

Es handelt sich somit um Krankheiten, die relativ häufig vorkommen. Wann die Antibiotika-Kombination wieder zu Verfügung steht, ist offen. Die zuständigen Behörden der Länder haben im Bedarfsfall ein befristetes Abweichen von den Vorgaben des Arzneimittelgesetzes gestattet, „um erforderlichenfalls auch eine Behandlung mit Arzneimitteln zu ermöglichen, die im Geltungsbereich des AMG nicht zugelassen sind“.

Das MRE-Netzwerk Rhein-Main empfiehlt, nicht sofort die Keule herauszuholen und auf sehr stark resistenzfördernde Breitbandantibiotika umzusteigen. „Um weitere Resistenzen möglichst zu vermeiden, haben wir zunächst auf Penicilline fokussierte Alternativen zusammengestellt“, berichtet Teßmann. Mit einer guten mikrobiologischen Diagnostik könnten die Kliniken die jeweilige hauseigene Resistenzsituation erforschen und eine „maßgeschneiderte“ sogenannte „kalkulierte Therapie“ einleiten.

Wie die Vorsitzende des MRE-Netzwerks Rhein-Main, Ursel Heudorf, klarstellt, habe das letzte Wort selbstverständlich der behandelnde Arzt. Mit ihren Empfehlungen habe die Arbeitsgruppe jedoch eine willkommene rasche und unbürokratische Hilfestellung geliefert.

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