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Hessen Neues Schuljahr startet mit vielen Baustellen

Nächste Woche beginnt die Schule - doch viele Probleme an hessischen Schulen sind nach wie vor ungelöst.

Schule
Das Schuljahr startet - und an hessischen Schulen sind zahlreiche Probleme noch ungelöst. Foto: dpa

Mit Beginn des neuen Schuljahres gibt es eine ganze Reihe von Baustellen, die dringend behoben werden müssten  - so sehen es jedenfalls Lehrer, Eltern und Schüler. Viele Eltern finden besipielsweise keinen geeigneten Betreuungsplatz für ihre Kinder nach der Schule, andere klagen über Unterrichtsausfall und überlastete Lehrer. Wir stellen Ihnen die fünf größten Baustellen der Schulpolitik in Hessen aus Sicht von Lehrern, Eltern und Schülern vor. 

Lehrermangel

Lehrer, Eltern und Schüler befürchten, dass im neuen Schuljahr nicht alle Lehrerstellen besetzt werden können. Besonders groß ist die Sorge mit Blick auf die Grund- und Förderschulen, aber auch auf manche Fächer am Gymnasium. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres hätten mehrere Grundschullehrer gefehlt und der Minister habe deshalb einen Drei-Punkte-Plan erarbeitet, sagt der Vorsitzende des Landeselternbeirats Pilz. Nun werde sich zeigen, ob dieser gegriffen habe.

„Den Mangel an Lehrkräften kann man nur beheben, wenn man die pädagogische Arbeit aufwertet“, sagt Wiedwald von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die mangelnde Wertschätzung des Lehrerberufs ist auch nach Einschätzung des VBE ein Grund für den Mangel. Grundschullehrer hätten zudem derzeit die höchste Unterrichtsverpflichtung bei gleichzeitig niedrigster Besoldung.

Ganztagsschulen

Dabei schneidet Hessen mehreren Studien zufolge bundesweit nicht besonders gut ab. Im neuen Schuljahr wird es dem Kultusministerium zufolge lediglich an 584 von insgesamt 653 weiterführenden Schulen ein Ganztagsangebot geben. Dies entspreche zwar einer Quote von mehr als 89 Prozent. Darunter seien aber kaum echte (gebundene) Ganztagsschulen mit einem verbindlichen täglichen Nachmittagsprogramm, kritisiert die GEW. Auch bieten manche Schulen nur an drei Tagen in der Woche eine Betreuung am Nachmittag an.

An Grundschulen ist die Lage noch erschreckender: Nur an rund 168 der 1100 Grundschulen wird es den sogenannten „Pakt am Nachmittag“ geben. Die Gewerkschaft verlangt vor allem für Grundschulen deutlich mehr Geld und Personal, damit diese rhythmisierten Ganztagsunterricht (also vor- und nachmittags) anbieten können. Der von der Landesregierung voran getriebene „Grundschulpakt am Nachmittag“ sei eine Mogelpackung, weil dies lediglich ein Angebot zur Betreuung sei. „Mit Ganztagsschulen hat das nichts zu tun.“

Inklusion

Beim gemeinsamen Lernen von Behinderten und Nicht-Behinderten schneidet das Land in Studien schlecht ab. Das Gelingen von Inklusion lasse sich aber nicht in Rankings messen, sondern hänge vom Elternwunsch und dem Bedarf ab, heißt es im Kultusministerium. Allerdings halten sowohl der Landeselternbeirat, als auch Lehrerverbände und Schüler das Thema für eine der größten Baustellen der Schulpolitik. „Da fehlt uns die Verve“, stellt der Landeselternbeiratsvorsitzende Reiner Pilz fest. „Eltern und Lehrer sind zunehmend frustriert.“

Die Inklusion könne nur mit kleinen Klassen und Doppelbesetzung - also einem Lehrer aus der Förderschule und einem Pädagogen aus der allgemein bildende Schule - funktionieren, sagt die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald. „Da müssen auf jeden Fall mehr Lehrkräfte hinein.“ Der Mangel an Personal und Räumen sei das Hauptproblem, stellt der Landesvorsitzende des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Wesselmann, fest.

Inklusive Schulbündnisse

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) will solche Kooperationen zwischen allgemein bildenden Schulen, Förderschulen und Förderzentren innerhalb der nächsten zwei Jahre in ganz Hessen einrichten. Ziel ist es, sonderpädagogische Lehrerstellen an allgemein bildenden Schulen und Förderschulen flexibler zu verteilen und dem Elternwillen entgegen zu kommen. Die im vergangenen Schuljahr begonnenen Bündnisse überzeugen die Lehrerverbände aber nicht. „Wir wissen noch nicht, was sich das Land genau darunter vorstellt“, sagt Wiedwald von der GEW. Auch der VBE-Landeschef Wesselmann sagt, es sei völlig unklar, wie diese Bündnisse vor Ort aussehen sollen.

Belastung der Lehrer  

Das Schulgesetz und seine zahlreichen Verordnungen muten den Lehrern nach Ansicht der Schülervertretung zu viel Zusätzliches zu, ohne sie dafür zu qualifizieren. Der VBE fordert, die Lehrerausbildung „endlich den Realitäten anzupassen“. Themen wie der Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten, Unterricht an der Ganztagsschule, Elternarbeit, Deutsch als Zweitsprache, Gewaltprävention und die Intervention bei Konflikten seien für den Berufsalltag elementar, spielten aber im Studium keine große Rolle. „Wir können nicht weiter machen wie seit hundert Jahren“, sagt VBE-Landeschef Wesselmann.  

Neue Schulleiter

Immerhin: Es gibt auch Erfreuliches. So können sich 32 Lehrer, die Schulleiter werden wollen, in einem Pilotprojekt bei einer mehrtägigen Fortbildung auf den Job vorbereiten. Damit soll das Besetzungsverfahren schneller und effektiver werden. Jedes Jahr müssen rund 150 Schulleiter-Posten neu besetzt werden.  

Islamischer Religionsunterricht

Ebenfalls neu: Erstmals wird islamischer Religionsunterricht nun auch an weiterführenden Schulen - in der fünften Klasse - angeboten. Die Zusammenarbeit mit dem türkischen Moscheeverband Ditib und der Religionsgemeinschaft Ahmadiyyah wird dabei fortgesetzt. Mit dem Ergebnis eines wissenschaftlichen Gutachtens über Ditib wird im ersten Halbjahr gerechnet.

Vorbereitung auf Arbeitswelt

Jugendliche ohne Lehrstelle sollen bei einem Schulversuch in maximal zwei Jahren auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. Die „Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung“ („BÜA“) richtet sich an junge Leute mit und ohne Hauptschulabschluss sowie mit einem mittleren Abschluss, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. 26 Schulen machen mit.  

Grundwortschatz

An rund 50 der 1100 Grundschulen üben Kinder im neuen Schuljahr die Rechtschreibung versuchsweise mit einem einheitlichen Grundwortschatz. Dieser umfasst laut Kultusministerium etwa 850 Wörter.

Quoppen

Rund 90 Schulen nutzen die Lernverlaufsdiagnostik „quop“, bei der am Computer Fortschritte der Schüler im Lesen und in Mathematik erfasst werden. So soll die individuelle Förderung vor allem von Grundschülern besser gelingen. (mit Material der dpa)

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