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Hessen Kein Religionsunterricht für Muslime

Die Einführung des Fachs wird es so bald nicht geben in Hessen. Die FDP besteht als Vorbedingung auf der „Gleichberechtigung der Frau“ bei Muslimen. Die Alternative könnte Islamkunde sein.

Für muslimische Kinder könnte vom Schuljahr 2013/14 an Islamkunde angeboten werden. Foto: Sascha Rheker

Islamischen Religionsunterricht an Hessens Schulen wird es in den nächsten Jahren kaum geben. Zu hoch scheinen die Hürden, die bis zu einer möglichen flächendeckenden Einführung überwunden werden müssen. Statt dessen könnte muslimischen Kindern und Jugendlichen vom Schuljahr 2013/14 an Islamkunde als Unterrichtsfach angeboten werden. Dies wurde bei einer Pressekonferenz der hessischen FDP am Dienstag in Wiesbaden deutlich.

„Unser Ziel ist es, eine Gleichberechtigung der Religionen zu schaffen“, sagte Integrationsminister und FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn. „Dazu gehört es, dass Muslime in einer staatlichen Schule bekenntnisorientierten Unterricht besuchen können.“ Der FDP-Integrationspolitiker Dieter Kellermann geht davon aus, dass knapp 50 000 Schüler und Schülerinnen einen solchen Unterricht besuchen würden. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, da die Religionszugehörigkeit bei Schülern nicht erfasst wird.

Um dem Gebot der Trennung von Staat und Religion gerecht zu werden, müsste eine Religionsgemeinschaft Träger des Unterrichts sein und Inhalte mitbestimmen. Nach Darstellung Hahns und Kellermanns erfüllen die muslimischen Verbände dafür bislang aber nicht die Anforderungen. Sie bezögen sich auf die „Islam-Charta“, die vom Zentralrat der Muslime verfasst worden war. Vor allem an drei Punkten müsse – so Hahn – „glaubhaft nachgearbeitet“ werden: Die Verbände müssten die volle Gleichberechtigung der Frau, den Pluralismus einer demokratischen Gesellschaft und die Religionsfreiheit Andersdenkender anerkennen.

Hans-Christian Mick, integrationspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, erhofft sich vom Islamunterricht einen Schub für Integration. „Wer über die eigene Religion Bescheid weiß, ist toleranter gegenüber anderen und eher bereit zum interreligiösen Dialog“, sagte er. „Es geht auch darum“, so die Schulpolitikerin Marcella Giovanna Matthes, „Kritikfähigkeit zu stärken“. Islamunterricht müsse grundsätzlich für alle offen sein, auch für interessierte Christen.

Ethik-Stunden als Vorbild

Zugeständnisse ist die FDP bereit zu machen in der Frage, welchen formalen Status eine Religionsgemeinschaft habe. Diese müsse nicht zwingend eine öffentlich-rechtliche Körperschaft sein. Bislang gibt es allerdings auch keine Ausbildung für künftige Islamlehrer in Hessen. Vorgespräche darüber würden mit den Hochschulen in Marburg und Frankfurt geführt, sagte Hahn. Bis fertig ausgebildete Lehrer verfügbar seien, werden also Jahre vergehen.

Spätestens zum Schuljahr 2013/14 werde es in Hessen ein Angebot für muslimische Schüler geben, versicherte Hahn. Starten könnte dann eine Islamkunde, die der Staat nach dem Vorbild des Ethikunterrichts selbst anbieten könne. Dafür wäre keine Religionsgemeinschaft als Träger nötig.

Der konfessionelle Unterricht evangelischer und katholischer Christen sowie der jüdische Religionsunterricht wären davon nicht berührt. Hahn lehnte es auf Nachfrage ab, einen Ethikunterricht für alle anstelle des konfessionellen Unterrichts zu setzen. Dies sei zwar organisatorisch „wesentlich einfacher“, würde aber ein Stück Pluralität abschaffen und jene Religionsgemeinschaften bestrafen, die bereits ein verfassungskonformes Angebot machten.

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