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Hessen Hilfe für Ex-Odenwaldschüler

Hessen unterstützt die Opfer sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule. Für sie hat die schwarz-grüne Landesregierung finanzielle Hilfen beschlossen.

Odenwaldschule
An der Odenwaldschule in Heppenheim wurden mindestens 132 Schüler Opfer von Übergriffen durch Lehrer (Archivbild). Foto: imago

Das Land Hessen unterstützt Opfer sexuellen Missbrauchs an der mittlerweile geschlossenen Odenwaldschule. Das hat die schwarz-grüne Koalition beschlossen.

Sie gab dafür eine „haushaltsrechtliche Ermächtigung“, die nicht auf eine bestimmte Summe begrenzt ist. Damit soll es der Stiftung „Brücken bauen“ ermöglicht werden, Opfern weiterhin zu helfen.

An der Internatsschule im Heppenheimer Stadtteil Ober-Hambach waren Schülerinnen und Schüler von einer Täterbande um den früheren Schulleiter Gerold Becker sexuell missbraucht worden. Eine Untersuchung kam zu dem Schluss, dass zwischen 1965 und 1998 mindestens 132 Schüler Opfer von Übergriffen durch Lehrer geworden seien. Opfervertreter gehen sogar von etwa 500 Betroffenen aus.

Im Jahr 2011 wurde die Stiftung „Brücken bauen“ errichtet, um Opfer zu unterstützen. Sie konnte allerdings nach Angaben ihres Treuhänders Ulrich Kühnhold seit der Insolvenz der Odenwaldschule im Jahr 2015 kaum noch finanzielle Zusagen geben. Dies soll nun besser werden, wenn das Land eintritt.

„Seit der Insolvenz der Odenwaldschule kann die Stiftung nicht mehr mit Zuwendungen der Schulträger rechnen und ist ausschließlich auf Spenden angewiesen“, stellen CDU und Grüne fest. Größere private Spenden seien „nicht zu erwarten“. Man wolle „Brücken bauen“ ermöglichen, „die zugesagten Zahlungen an die Opfer leisten zu können“. Dafür sei die haushaltsrechtliche Ermächtigung für das Kultusministerium erforderlich.

Nach Angaben von Kühnhold melden sich immer noch weitere Opfer der sexualisierten Gewalt an der Odenwaldschule. Kühnhold äußerte im Gespräch mit der FR am Dienstag den Eindruck, darunter seien Personen, denen besonders schweres Leid zugefügt wurde und die jahrelang nicht mehr damit hätten konfrontiert werden wollen.

Als Stifter für „Brücken bauen“ waren der Trägerverein der Schule sowie der Altschülerverein in Erscheinung getreten. Bis zum Juni 2016 wurden nach Darstellung der Stiftung 536 000 Euro gezahlt, „in Übernahme von Therapiekosten und in Anerkennung erlittenen Leids durch sexualisierte Gewalt“. Damit konnte nach Angaben von Stiftungs-Treuhänder Ulrich Kühnhold etwa 45 Opfern direkt geholfen werden.

Manche Opfer wollten von der Stiftung kein Geld annehmen, da sie jede Mitsprache von Verantwortlichen der Schule ablehnten. Sie konnten teilweise Hilfeleistungen des Opfervereins „Glasbrechen“ annehmen. An „Glasbrechen“ floss nach Angaben seines ehemaligen Sprechers Adrian Koerfer ein Teil der Stiftungssumme von rund 70.000 Euro. Weitere gut 70.000 Euro seien von „Glasbrechen“ selbst aufgebracht worden, sagte Koerfer der FR. Damit wurden insgesamt bisher mehr als 600.000 Euro für Opfer bereitgestellt.

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