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Hessen GEW lehnt Unterricht des türkischen Generalkonsulats ab

Scharfe Kritik am Türkisch-Unterricht: Dort werden „Traditionen, Normen und Werte“ nach dem Wunsch Erdogans vermittelt - politischer Indoktrination sei „Tür und Tor“ geöffnet.

Mäppchen mit der Aufschrift „Türkiye“
Im Türkisch-Unterricht geht es auch um die Vermittlung von türkischen Traditionen , Normen und Werten. Foto: imago

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert das Land dazu auf, mit eigenen Lehrern türkischsprachigen Unterricht zu erteilen, der heute von Kräften des Konsulats geleistet wird. „Wir sind der Auffassung, dass der herkunftssprachliche Unterricht von Lehrkräften des Landes Hessen gehalten werden sollte, die der Kontrolle des Kultusministeriums unterstehen“, sagte GEW-Landesgeschäftsführer Ulrich Märtin der Frankfurter Rundschau am Dienstag.

Mit dem Rückzug des Landes von dieser Aufgabe vor rund 18 Jahren sei auch der Einfluss des Staates geschwunden, klagte Gewerkschafter Märtin. Die GEW will diese Forderung mit einem Beschluss bei ihrer Landesdelegiertenversammlung Anfang November in Bad Soden unterstreichen.

Hessen leistet den Unterricht etwa zur Hälfte mit eigenen Lehrern. Den anderen Teil übernimmt das Generalkonsulat mit etwa 45 Lehrkräften. Es geht dabei nicht um klassischen Sprachunterricht. Ziel ist neben der Verbesserung der Türkisch-Kenntnisse laut Ministerium, dass „die Traditionen, Normen und Werte der eigenen kulturellen Gruppe zum Thema des Unterrichts“ gemacht werden. Solchen Unterricht gibt es für rund ein Dutzend Länder.

Angesichts der Entwicklungen in der Türkei besitze die Forderung nach Beendigung der Zusammenarbeit mit den türkischen Konsulaten „besondere Dringlichkeit“, sagt die GEW-Vorsitzende Birgit Koch. Der politischen Beeinflussung seien „Tür und Tor geöffnet“, weil die Lehrkräfte jederzeit von Ankara ausgetauscht werden könnten.

Ähnlich beurteilt die FDP diese Frage. „Angesichts der sich immer weiter verschärfenden politischen Verhältnisse in der Türkei sehen wir es als notwendig an, den von der Türkei organisierten Türkischunterricht in Hessen zu beenden“, sagte der FDP-Schulpolitiker Wolfgang Greilich. „Der muttersprachliche Unterricht muss in der Verantwortung des Landes liegen.“ Die Kultusministerkonferenz hatte in der vorigen Woche vereinbart, dass die Länder das Thema „weiterhin sehr kritisch begleiten“ wollen. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) strebt derzeit keine Neuregelung an. „Wir schauen uns das genau an“, versichert sein Sprecher Philipp Bender. Es sei aber keine Situation gegeben, in der man „akut eingreifen“ müsse. Derzeit berate das Ministerium mit dem Konsulat darüber, wie dessen neuer Lehrplan aussehen soll.

In anderen Bundesländern hatten die Alarmglocken geläutet, als Einzelheiten des neuen Lehrplans bekannt geworden waren. Die Berliner Bildungsverwaltung berichtete von „deutlich religiösen und nationalistischen Inhalten“. Solche problematischen Passagen seien in Hessen nicht bekannt, sagte Sprecher Bender in Wiesbaden. Es gebe eine gute Zusammenarbeit mit den Fachkollegen des Generalkonsulats.

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