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Hessen Gelenkter Hass aus dem Netz

Die Adresse des bedrohten Fuldaer Antirassisten Andreas Goerke kursiert in rechten Foren.

Andreas Goerke
Der Fuldaer Antirassist Andreas Goerke zeigt einen Drohbrief, den er erhalten hat. (Archivbild Foto: Jörn Perske (dpa)

Im Fall des mutmaßlich von Rechtsextremisten bedrohten Fuldaer Antirassismus-Aktivisten Andreas Goerke könnte es eine neue Spur zu den Urhebern geben. Der FR liegen Informationen vor, wonach in einem Internetforum bereits im März 2016 Listen mit Privat- und Geschäftsadressen von linken Politikern und Antirassismus-Aktivisten angelegt wurden. In dem Forum, das den Titel „Kommunisten/Antifabashing“ trägt, wurde dazu aufgerufen, auf den Namen der Aufgelisteten massenhaft Bücher, Infomaterial und Kataloge zu bestellen. Goerkes Wohnadresse findet sich gleich an zweiter Stelle.

Andreas Goerke und seine Familie sehen sich nach eigener Darstellung seit Anfang Februar zunehmend heftigeren anonymen Angriffen und Bedrohungen ausgesetzt, die vermutlich mit Goerkes Tätigkeit als Sprecher des antirassistischen Bündnisses „Fulda stellt sich quer“ in Zusammenhang stehen. So hatte ein anonymer Anrufer sich bei der Polizei als Goerke ausgegeben und behauptet, dieser habe seine Frau umgebracht. Höhepunkt war eine schriftliche Morddrohung gegen den 17-jährigen Sohn der Familie. Goerke hatte die Vorgänge vor rund zwei Wochen öffentlich gemacht.

Zu den im Vergleich dazu eher kleineren Belästigungen gehörte für die Familie Goerke auch, dass Unbekannte auf ihren Namen massenhaft Prospekte, Kataloge und Infomaterial von rechtsextremen Parteien bestellt hatten – genau wie in dem Forum seinerzeit angekündigt. In der Liste war Goerkes Adresse allerdings falsch geschrieben. Im Straßennamen fehlte ein Buchstabe. Denselben Fehler machte der bislang nicht ermittelte Verfasser zweier Drohbriefe, die die Familien erreichten – darunter auch die Morddrohung gegen Goerkes Sohn.

Listen mit mehr als 60 Namen

Neben Goerke finden sich auf den Listen, die vor mehr als einem Jahr, auf der Plattform „Krautchan“ veröffentlicht wurden, mehr als 60 Namen aus dem gesamten Bundesgebiet, die von den Verfassern der linken Szene zugeordnet werden. Die FR konnte nach dem Hinweis eines der Betroffenen eine archivierte Version des damaligen Diskussionsverlaufs einsehen.

Zu den Aufgelisteten zählt auch der Journalist Timo Schadt, gegen den die Polizei im Zusammenhang mit den Drohungen gegen Goerke ermittelt. Schadt und Goerke hatten zunächst bei „Fulda stellt sich quer“ zusammengearbeitet, sich dann aber überworfen. Die Ermittlungsbehörden scheinen davon auszugehen, dass Schadt hinter dem Anruf steckt, in dem der Mord an Goerkes Frau geschildert wurde.

Schadt hatte im Gespräch mit der FR erklärt, zum Tatzeitpunkt nachweislich in einem Restaurant in Bad Hersfeld gewesen zu sein. Auch er selbst hatte Anfang letzter Woche einen Brief mit beleidigendem und rechtsextremen Inhalt erhalten.

Ob die Ermittlungsbehörden den neuen Erkenntnissen bereits nachgehen, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage der FR bei der Fuldaer Staatsanwaltschaft blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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