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Hessen Demo-Ordner von der NPD

Wie angekündigt laufen auch Neonazis bei der „Demo für alle“ in Wiesbaden mit. Die meisten von ihnen halten sich auffällig zurück, eigene Parolen sind nicht zu hören.

Eine Gruppe um den hessischen NPD-Kader Stefan Jagsch. Foto: dpa

Die „Demo für alle“ in Wiesbaden am Sonntag war auch für die extreme Rechte ein Anziehungspunkt: Im Vorfeld hatten verschiedene Gruppen dazu aufgerufen, und rund zwei Dutzend Neonazis sind schließlich gekommen. Der Wetzlarer NPD-Stadtverordnete Thassilo Hantusch fungiert sogar als Ordner.

Antifeministische und homophobe Positionen, das „traditionelle Familienbild“ einen das Lager der extremen Rechten spektrenübergreifend. Sie versuchen, mit diesen Themen auch jenseits des eigenen Milieus zu punkten.

Es sind verschiedene Gruppen, die am Luisenplatz zwischen den „besorgten Eltern“ stehen: Ein junger Mann mit einem Pulli einer Nazi-Szenemarke, Aktivisten aus dem Umfeld sogenannter „Autonomer Nationalisten“, die ihr Logo auf die Demo-für-alle-Schilder geklebt haben. Die hessische NPD wird von ihrem Landesgeschäftsführer Daniel Lachmann und dem früheren Vorsitzenden Stefan Jagsch vertreten. Eine kleines Grüppchen trägt Kleidung mit dem Signet der radikalen Neonazi-Partei „Der dritte Weg“. Beobachter der Szene erkennen auch Aktivisten der „Identitären Bewegung“ unter den Demonstranten.

Die meisten von ihnen halten sich auffällig zurück, eigene Parolen sind nicht zu hören. Als die „Demo für alle“ sich in Bewegung setzt, reiht sich die Gruppe um die hessischen NPD-Kader in das vordere Drittel des Zuges ein. Sie haben eigens ein Transparent mitgebracht – allerdings ohne Parteilogo. Zuletzt war das Plakat gegen „die staatliche Sexualisierung der Kinder“ auf einer Neonazi-Demo in Wetzlar zu sehen. Die hatte der junge NPD-Aktivist Thassilo Hantusch angemeldet. Er ist dort Stadtverordneter für die Partei. Bei der „Demo für alle“ ist er mit einer Ordnerbinde am Arm unterwegs.

Aufforderung ohne Folgen

Demo-für-alle-Organisatorin Hedwig von Beverfoerde sagt der FR auf Anfrage, Hantusch müsse sich als Ordner unerkannt „eingeschlichen“ haben. Man habe sich von „Extremisten“ distanziert – „klipp und klar“. Auch auf der Bühne sagt sie am Sonntag nochmals, rassistisches Gedankengut habe auf der Demo keinen Platz. Sie fordere „Extremisten, rechts wie links“, dazu auf, zu gehen. Eine Aufforderung, die folgenlos bleibt. Hantusch kann seine Ordnerbinde bis zum Schluss behalten. Neonazis laufen später vor einer Gruppe, die Kirchenlieder mit Gitarrenbegleitung singt, auf den Luisenplatz.

Berührungsängste hat offenbar nicht jeder: Ein älterer Herr, der es mit der Ablehnung von Lehrplänen ernst meint und Werbung für eine „freie christliche Heimschule“ macht, sagt, es sei ihm egal, dass auch Neonazis da sind. Das sieht eine Frau anders. Sie sei vom Katholizismus zum Islam übergetreten, berichtet sie und ärgere sich über die rechten Kader. Geblieben ist sie trotzdem bis zum Schluss.

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