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Haus Ysenburg in Büdingen Streit um Urkunden

Geschichtsvereine wollen die Archive des Hauses Ysenburg in Büdingen einsehen und den Zugang gerichtlich erzwingen.

16.07.2017 12:32
Adel in Deutschland
Das Haus Ysenburg in Büdingen. Foto: Imago

Die Vereinigung für Heimatforschung in Vogelsberg, Wetterau und Main-Kinzig (VfH) will sich nunmehr per Gerichtsbeschluss öffentlichen Zugang zu den Rentkammerarchiven verschaffen. In den zum Haus Ysenburg in Büdingen gehörenden Archiven sollen Dokumente und Urkunden in unbekannter Zahl liegen, die laut VfH für die Geschichtsschreibung von 60 Orten von großem Wert seien. Die Ysenburger verweigern den Heimatforschen den Einblick mit dem Hinweis, es handele sich um private Akten.

„Die Archive beinhalten keineswegs nur Privatanlegenheiten der Familie von Ysenburg, sondern sehr viele Staatspapiere“ sagt Christian Vogel der FR auf Anfrage. Vogel ist Historiker und Vorsitzender des VfH. Mittlerweile dauere der Streit um die Archive mehr als fünf Jahre und die Unterstützung der regierenden Fraktionen im Hessischen Landtag sei bislang ausgeblieben, so Vogel. In der jüngsten Sitzung des VfH, eine Dachorganisation, der 54 Geschichtsvereine angehören, sei nun beschlossen worden, juristisch vorzugehen. „Es besteht leider nicht die Möglichkeit einer Verbandsklage. Daher werden voraussichtlich drei Privatpersonen aus der Vereinigung eine Klage einreichen“, sagt Vogel. Das Verwaltungsgericht soll in der Sache urteilen.
Die Querelen um die Archive haben laut Vogel ihren Ursprung in den 1920er Jahren.

Gesamtarchiv und Rentkammerarchive gehörten zum Ysenburger Fideikommiss. Dieses Sondererbrecht des Adels wurde jedoch nach 1918 abgeschafft. Dabei sei in einer Vereinbarung zwischen dem Volksstaat Hessen und Preußen bestimmt worden, dass sämtliche Ysenburger Archive auf Stiftungen zu übertragen seien. Bei den Rentkammerarchiven sei dies nicht erfolgt, so der 77-Jährige, der Autor vieler Werke zur Regionalgeschichte ist.

Bei der endgültigen Auflösung des Fideikommiss’ im Jahr 1931 seien die Archive, die nach der Teilung des Hauses Ysenburg in die Linie Büdingen, Meerholz und Wächtersbach angelegt worden seien, entgegen der Vereinbarung zu Privateigentum gemacht worden. Lediglich das Gesamtarchiv vor der Aufspaltung, also von 947 bis kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, ist in eine Stiftung überführt worden, heißt es.

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hält diesen Vorgang auch heute noch für richtig, wie eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten für den Wetteraukreis, Lisa Gnadl (SPD), im Mai 2015 hervorbrachte. Darin heißt es unter anderem: „Die Familienarchive als Teile der Rentkammerarchive waren nie Gegenstand in den Fideikommissen.“

„Es war eine von mehreren Anfragen in der Sache und dennoch bewegt sich nichts seitdem“, sagt Gnadl der Frankfurter Rundschau. Aktueller Stand sei, dass sich die anderen Fraktionen im Landtag für das Thema überhaupt nicht interessierten.

Lediglich die FDP-Fraktion habe sich einmal vor Ort in Büdingen informiert. „Die CDU behandele die Ysenburger, als sei es ein Fürstenhaus, das noch einen gewissen Stellenwert besitzt“, sagt die Politikerin. Auf politischer Ebene scheint das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Gnadl schließt dennoch nicht aus, eine weitere Kleine Anfrage an das Ministerium zu stellen.

In der gegenwärtigen Situation haben Geschichtskundler Einblicksrecht lediglich in Unterlagen aus dem frühen Mittelalter bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg im Gesamtarchiv. „Die zumeist staatlichen Unterlagen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts in den drei Rentkammerarchiven sind unzugänglich. Dort lagern 150 Jahre Regionalgeschichte“, sagt Christian Vogel.

Und die Dokumente liegen dort vermutlich nicht gut. Die Schriftstücke werden im ehemaligen Brauhaus und Bandhaus aus dem 16. Jahrhundert verwahrt. Niemand könne mit Sicherheit sagen, in welchem Zustand sich die Unterlagen befinden und ob sie vor dem Zerfall geschützt werden, sagt Vogel. Viele Urkunden müssen vermutlich restauriert werden, um sie für die nächsten Generationen zu erhalten. „Aber das weiß man alles nicht. Es hat ja kaum ein Mensch in die Rentkammerarchive sehen können“, so Christian Vogel.

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