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Hattersheim Sarotti-Mohr kommt ins Museum

Seit Jahren wird am Konzept gefeilt. Jetzt kann der Geschichtsverein endlich eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte im alten Werkstattgebäude einrichten.

Ulrike Milas-Quirin und Hans Franssen mit Ausstellungsgegenständen für das künftige Stadtmuseum. Foto: Michael Schick

Von den Schokoladenpackungen ist der kleine Mann mit dem dunklen Gesicht und dem bunten Turban längst verschwunden. Ein weißer Magier ist seit 2004 das Markenzeichen von Sarotti. Nur noch auf der Nostalgieedition prangt der Sarotti-Mohr. In Hattersheim, wo bis Ende der 1990er Jahre Sarotti-Schokolade hergestellt wurde, ist der Mohr als süßes Markenzeichen indes unvergessen. Demnächst wird ihm und der Schokoladenherstellung in der Mainstadt eine eigene Abteilung im neuen Stadtmuseum gewidmet.

Untergebracht wird das Museum im alten Werkstattgebäude von Sarotti, mitten im Neubaugebiet, das in den letzten Jahren auf dem früheren Werksareal am Hessendamm entstanden ist. Spanische Investoren haben den denkmalgeschützten Industriebau aus den 1920er Jahren sowie eine angrenzende Freifläche im Februar gekauft. Für rund zwei Millionen Euro soll das Gebäude hergerichtet und mit einem Glasanbau versehen werden; der Bauantrag dafür ist schon gestellt. Im Westflügel ist ein Restaurant mit Café geplant. Knapp 600 Quadratmeter im östlichen Teil kann die Stadt für die nächsten 30 Jahre kostenlos nutzen, ein Recht, dass sie an den Hattersheimer Geschichtsverein weitergegeben hat, der damit endlich sein lange geplantes Museumsprojekt verwirklichen kann.

Drei Turmuhren, ein Landauer

„Seit wir 2000 aus dem Nassauer Hof ausziehen mussten, sind wir heimatlos“, erzählt der frühere Hattersheimer Bürgermeister und Vereinsvorsitzende Hans Franssen. Intensive Bemühungen, eine Bleibe zu finden, waren über Jahre hinweg erfolglos. Der Hauptgrund: Hattersheim ist seit Jahren knapp bei Kasse und zwischenzeitlich sogar Schutzschirmkommune. Ein neues Museum war da schlichtweg nicht drin. Selbst als der frühere Eigentümer des Gebäudes, die Firma Nestlé, anbot, die Räume auf eigene Kosten herzurichten, kam der Deal nicht zustande. Erst seitdem klar ist, dass künftig keinerlei Kosten auf die Kommune zukommen werden, konnte der Vertrag mit dem Geschichtsverein abgeschlossen werden.

Hans Franssen und die stellvertretende Vereinsvorsitzende Ulrike Milas-Quirin sind überglücklich. Dies umso mehr, als der Geschichtsverein schon seit Jahren über eine zweckgebundene Schenkung für das Museum verfügt und ein Großsponsor mehr als 100 000 Euro als Anschubfinanzierung und zur Deckung laufender Kosten in den nächsten zehn Jahren zur Verfügung stellt. Zusammen mit bereits beantragtem Fördergeld vom Land Hessen will der 100 Mitglieder zählende Geschichtsverein das Projekt nun stemmen.

Über das ganze Stadtgebiet seien die in Jahrzehnten gesammelten Exponate verstreut, berichtet Franssen. Vieles lagere in einer alten Feldscheune. Fibeln, Armreife und Werkzeuge aus der Keltenzeit, die bei mehreren Grabungskampagnen aus dem Hattersheimer Boden geholt wurden, bewahre das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden auf.

In der Remise im Nassauer Hof steht ein komplett renovierter Landauer aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Verein besitzt außerdem drei alte Turmuhren, die handwerklich geschickte Mitglieder wieder zum Laufen gebracht haben, außerdem die alte Zugmaschine aus der Okrifteler Papierfabrik Phrix, mit der einst Holz transportiert wurde, und zahlreiche Relikte aus der Sarotti-Schokoladenfabrik: Mohren-Figuren in allen Größen, eine große Draschiertrommel, Schalttafeln, die den Ablauf der Produktion zeigen, Werbeschilder, alte Ausgaben der Werkszeitung und einen Bauchladen, mit dem früher im Kino vor Filmbeginn die Schokolade verkauft wurde.

Weil die Sarotti-Fabrik ein wichtiges Kapitel in der Hattersheimer Stadtgeschichte ist, sollen der Sarotti-Mohr und andere Exponate künftig im Museum dauerhaft gezeigt werden. Franssen und Kunsthistorikerin Milas-Quirin könnten sich auch vorstellen, dass Kinder bald im Stadtmuseum lernen, wie man Schokolade herstellt und das in Workshops selbst ausprobieren dürfen.

Am Detailkonzept für die drei Ausstellungsabteilungen – Stadtgeschichte, Archäologe und Industriegeschichte – wird noch gefeilt. Demnächst soll es fertig sein. Wenn dann die Landeszuschüsse bewilligt werden und das Werkstattgebäude rechtzeitig fertig wird, könnten die Museumsbesucher schon 2018 die ersten Exponate bestaunen.

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