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Handwerk „Rate meinen Kindern, eine Ausbildung zu machen“

Malermeister Jochen Honikel über den beständigen Wert handwerklicher Fähigkeiten und den ständigen Wandel der Berufe.

Zahntechnikerin Sophia Lewald zeigt das Modell eines Ober- und Unterkiefers, wie es aus dem 3-D-Drucker kommt. Foto: Rolf Oeser

Wie verändert das das Handwerk selbst?
Mein Ururgroßvater hat sehr viele Hochzeitstruhen bemalt. Deshalb war er Imker. Er brauchte das Wachs, um seine Lacke herzustellen. Wir bemalen keine Truhen mehr, sondern stehen auf Hebebühnen und spritzen Fassaden. So hat sich der Beruf des Malers gewandelt. Aber wir sind immer noch Maler, auch wenn wir inzwischen sehr viele andere Arbeiten miterledigen. So wird auch die Digitalisierung unsere Tätigkeiten verändern, aber wir werden Maler bleiben. 

Was heißt das für die Mitarbeiter? Wird es künftig im Handwerk noch einfache Tätigkeiten geben oder brauchen Sie bald nur noch Menschen, die hochentwickelte Maschinen bedienen können?
Ich weiß nicht, wo die Reise hingeht. Werden wir uns immer mehr spezialisieren und technisieren? Oder müssen wir viel mehr zu Generalisten werden, die dem Kunden alles rund um seine Wünsche zum Badumbau bieten können? Was muss ein Auszubildender lernen, damit er darauf vorbereitet ist? Darüber müssen wir reden. Stattdessen wird darüber gestritten, ob der Trockenbauer nun zum Bauhauptgewerbe gehört oder zum Baunebengewerbe. Statt uns in Kleinkriege zu verstricken, müssen wir zusammenrücken und uns fragen, wie wir das Handwerk insgesamt voranbringen. 

Wie kann das geschehen?
Wir brauchen eine wissenschaftlich fundierte Folgenabschätzung der Digitalisierung. Der Metzger, der heute seinen Laden umbaut, verschuldet sich für 20 Jahre. Der muss doch wissen, welche Technik er einbauen soll. Wir haben vor zehn Jahren in Häusern bis in den letzten Winkel Glasfaserkabel für Internet verlegt. Jetzt gibt es WLAN und die Investition ist verbrannt. 

Würden Sie Ihren Kindern raten, ein Handwerk zu erlernen?
Ich werde ihnen raten, eine Ausbildung im Handwerk zu machen. 

Warum?
Ich halte das für eine ganz wichtige Kompetenz für die Zukunft. Was man im Handwerk lernt, ist die Basis für spätere Tätigkeiten. Darauf kann man aufbauen. Bei unserem Neujahrsempfang werde ich das Beispiel aus dem Film Mission: Impossible vorstellen. Da geht ein hochtechnisiertes Team mit tollen Maschinen und ganz komplexen Daten um. Aber die klettern Fassaden hoch, löten, schweißen, die haben alle handwerkliche Fähigkeiten. Ohne das würde Tom Cruise niemals durch die Belüftungskanäle klettern können, um die Welt zu retten.

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