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Handel mit Firmendaten IHK verkauft Unternehmensadressen

Wiederholt erhielt ein Frankfurter Unternehmer unerwünschte Post von einem Händler - obwohl er diesem nie eigene Daten gegeben hatte. Kein Einzelfall. Von Axel Wölk

15.10.2008 00:10
AXEL WÖLK
Jubiläumsplakate der IHK in der Wandelhalle der Börse in Frankfurt. Foto: FR/Müller

Erst hat sich Gerhard Masurczak gewundert, jetzt ist er richtig sauer. Wiederholt erhielt der Frankfurter Unternehmer unerwünschte Post von einem Händler - obwohl er diesem nie eigene Daten gegeben hatte.

Durch Zufall erfuhr Masurczak schließlich, dass die Industrie- und Handelskammer (IHK) dahinter steckt: Die Kammer hat Daten seiner Firma - Anschrift, Telefonnummer, Zahl der Beschäftigten - verkauft. Käufer war ein anderer Frankfurter Unternehmer, der die Adresse zur Kundenakquise nutzen wollte.

"Das ist schon ein starkes Stück", schimpft Masurczak. Seit knapp 20 Jahren ist der Parkettleger Mitglied bei der IHK in Frankfurt. Er zahle regelmäßig seine Pflichtbeiträge, sagt der Mittelständler. Und er erwartete, dass mit den Daten seines kleinen Betriebs sorgsam umgegangen wird. Auf seinen Widerspruch hin strich ihn die IHK immerhin durch Sperrvermerk aus ihrer Datenbank. Verärgert ist er trotzdem.

Ärger bei Mitgliedern

Jetzt fragt sich der Parkettleger, an wie viele und welche Unternehmen die IHK seine Betriebsdaten, darunter vielleicht sogar sensible Informationen wie Umsatz, weitergegeben hat. Das aber lasse sich nicht mehr überprüfen.

Die Kammern verkaufen in der Tat Daten ihrer Mitglieder. Die IHK Frankfurt verweist aber darauf, dass die Mitglieder durch Widerspruch eine Weitergabe verhindern können. Bei Kammerbeitritt weise ein Formular ausdrücklich auf diese Form des Datenschutzes hin.

Wer nachträglich keine Weitergabe wünsche, könne sich einfach bei der Kammer melden. Ein Telefonanruf oder ein formloses Schreiben reiche für den Widerspruch völlig aus, teilt die Kammer auf Anfrage mit.

Das tröstet Masurczak nicht. Als er vor 20 Jahren Mitglied bei der IHK wurde, habe er von dem Geschäft mit Daten nichts gewusst. Die Rechtslage indes steht eindeutig auf Seiten der IHK Frankfurt und den neun anderen hessischen Kammern. Sie geben Daten von Mitgliedern an Dritte heraus, wenn das der Förderung von Geschäftsabschlüssen dient.

"Eine Weitergabe der Grunddaten wie Anschrift oder Unternehmensname ist trotz Widerruf rechtlich möglich. Diese Grunddaten sind ohnehin öffentlich verfügbar, etwa über den Gewerbeeintrag", sagt Reinhard Fröhlich, Sprecher der IHK Frankfurt.

Für Gerhard Masurczak ist das ein Schlag ins Gesicht. Sein Widerspruch ist somit nutzlos, zumindest was seine Grunddaten anbelangt. Sind Unternehmensdaten stark personalisiert, wie etwa bei Einzelfirmen, haben die Kammern jedoch Ermessensspielraum. Viele Kammern - darunter etwa die Frankfurter und die Darmstädter - entscheiden dann im Sinne der Mitglieder und sperren auch die Grunddaten.

Für die Weitergabe der Daten berechnen die Kammern Gebühren. Sie verstehen die Weitergabe als Service, den sie kostendeckend anböten. Der Grundbetrag variiert zwischen zehn Euro (IHK Wiesbaden) und 20 Euro (IHK Limburg und Friedberg). Der Preis pro Anschrift kostet bei den meisten Kammern im Schnitt etwa zehn Cent.

Die Kammer in Limburg gab im vergangenen Jahr 248 Daten-Auskünfte, bei der IHK Wiesbaden wurden 60 Anfragen beantwortet, rund 400 mal bestellten Interessenten in der Frankfurter IHK Adressen.

Das erregt bei Gerhard Masurczak Argwohn: "Die Kammern verdienen noch an meinen Daten; das ist kommerziell." Rund 249.000 Euro nahm die IHK Frankfurt durch den Verkauf von Anschriftenverzeichnissen im vergangenen Jahr ein; das sind 0,7 Prozent der Betriebserträge.

Datenschützer halten die gängige Praxis für unbedenklich. "Keiner ist anonym im Wirtschaftsleben unterwegs", sagt Wilhelm Rydzy vom hessischen Datenschutz. Die Kammern stünden auf sicherem rechtlichen Boden.

Nach seiner Meinung ist der entsprechende Paragraf im IHK-Gesetz nicht verfassungswidrig. Rein rechtlich ist Gerhard Masurczak damit bei seinen Grunddaten auf die Gunst seiner Industrie- und Handelskammer angewiesen.

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