Lade Inhalte...

Hanauer Sektenfall Aussteiger aus Hanauer Sekte sind froh über Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Tod eines Kindes gegen die Anführerin einer Hanauer Sekte. Ehemalige Mitglieder der Gruppe verfolgen die Ermittlungen sehr genau.

Symbolfoto Gericht
Der Fall wird vor Gericht verhandelt (Symbolfoto). Foto: imago

Die Frau hat vor langer Zeit ein neues Leben begonnen, macht einen glücklichen Eindruck. Aber wenn sie an ihre Zeit in der Hanauer Sekte zurückdenkt, wird sie für eine Weile ganz unruhig und sagt selbst, dass ihr auch nach all den Jahren ein eiskalter Schauer über den Rücken laufe. Auch sie habe der Anführerin ihre Träume erzählen müssen, sei so psychisch abhängig gemacht, ausgebeutet und schließlich erniedrigt worden. Schon vor ihrem Ausstieg sei ihr damit gedroht worden, sie würde schwer erkranken. Diese Angst habe sie am Anfang nicht abschütteln können.

Sie und weitere frühere Mitglieder verfolgen die Ermittlungen und die Anklage sehr genau und teilweise mit gemischten Gefühlen. Diejenigen, mit denen die FR gesprochen hat, sind froh, dass „endlich jemand hinsieht“ und Polizei und Staatsanwaltschaft sich für eine Aufklärung einsetzen.
Gleichzeitig fragen sie sich, welche Reaktionen die Mordanklage in der Gruppierung auslösen könnte. Viel Hoffnung, dass die Ermittlungen zumindest bei einigen der verbliebenen Mitglieder zu einem Umdenken führen könnten, haben sie allerdings nicht. Es handele sich eben um ein „geschlossenes System“.

Ein Teil der Aussteiger hat noch Eltern oder Geschwister in der Gruppe. Dazu gehört auch der Fotograf Sascha Erdmann, der im März 2015 auch mit seinem Namen in die Öffentlichkeit gegangen ist. Weil die Medienproduktionsfirma, die mit der Sekte in Verbindung steht, ihn auf Unterlassung verklagt hatte, stand er im Frühjahr dieses Jahres vor dem Landgericht Frankfurt.

Erdmann, der der FR und anderen Medien wie dem Hessischen Rundfunk Interviews gegeben hatte, sollte unter anderem nicht mehr äußern, dass Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Hanauer Unternehmens laufen und die Firma eine Sekte sei. Und dass die Geschäftsleitung Ausbeutung sowie Gehirnwäsche betrieben habe.

Vor Gericht sprachen deren Vertreter von einer „strategisch geplanten Story“ und Rufmordkampagne, mit der das Medienproduktionshaus zerstört werden solle.

Erdmann sagte, er könne und wolle sich nicht verbieten lassen, Missstände aufzudecken. Ende Mai wies das Landgericht Frankfurt die Klage in allen Punkten ab. Mittlerweile hat das Unternehmen Berufung eingelegt. Zur Begründung macht die zuständige Anwältin auf Anfrage keine Angaben.

Zur Mordanklage sagt Erdmann, es sehe so aus, als könnten die „jahrzehntelangen“ Praktiken der Führungspersonen in einem Fall doch noch Konsequenzen haben. Nach sehr langen Ermittlungen lägen nun offenbar wichtige Erkenntnisse vor. Er sei dankbar, dass die Behörden jetzt so intensiv ermittelt hätten, nachdem in früheren Jahren Hinweise und Signale kein Gehör fanden oder keine Folgen hatten.

Dass alles nicht im Sande verlaufen sei, bestärke ihn darin, den Entschluss gefasst zu haben, an die Öffentlichkeit zu gehen, so Erdmann.

Auch der Fotograf hat Zweifel an einem Sinneswandel von Anhängern. „Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass jemand umkehrt.“ Die Mitglieder seien gefangen im Weltbild der Gruppe. Die aktuelle Entwicklung würden sie sich womöglich damit erklären, dass die „dunkle Seite Gottes“ Zugriff auf Medien, Polizei und Justiz habe.

Einem möglichen weiteren Gerichtstermin wegen der Unterlassungsklage, dieses Mal vor dem Frankfurter Oberlandesgericht, sehe er gelassen entgegen, sagt Erdmann.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Hanauer Sektenfall

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum