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Hanau Von starken Pflastern bis zur Knie-OP

Bei der Gesundheitsmesse sind rund Hundert Aussteller mit von der Partie. Deutlich wird dabei ein breites Spektrum von Anbietern zu Heilung und Vorbeugen.

Gesundheitsmesse
Saubere Energie in blauen Flaschen, am Stand von Aquion gab es Geräte, um Leitungswasser zu reinigen und mit Ionen zu laden. Foto: Renate Hoyer

Pflaster können stark machen. Die Frau vom Stand „Treffpunkt Gesundheit“ legt einem auf jeder Fußspitze ein „Biophotonenpflaster“ und schon kann sie den Probant, den sie zuvor überraschend leicht aus seinem Stand kippelt konnte, kaum bewegen, als lasten auf seinen Füßen Bleiplatten. Man ahnt nun, welche Wirkung diese runden Pads erst entfalten etwa bei Burnout, wenn sie erst auf der Haut kleben. Diese Pflaster sollen akupunkturähnlich wirken, nur von Licht getrieben. Natürlich funktionieren sie auch im Dunkeln. „Der Körper produziert selbst Licht und Wärme“, sagt die Frau, auf deren Namensschild der Zusatz „Ärztin“ prangt. Olympiaathleten und der Arzt des FC Bayern München sollen es anwenden. „Messepreis: 75 Euro für 30 Patches.“

Das bei manchen Leiden, bei allem Glauben an die Alternativmedizin, diese nicht weiter hilft, sondern nur noch der handwerkliche Einsatz von Medizinern, zeigt die Kliniken an ihren Ständen, etwa die orthopädische Abteilung des Hanauer St. Vinzenzkrankenhauses. Auf einem Tisch ist - vermutlich als Zeichen der ärztlichen Transparenz - der gesamte Werkzeugkasten eines Operateurs für den Einbau einer Knieprothese und anderen Arbeiten dem Großgelenk ausgebreitet, dazu an Kunstbeinen die Einsätze aus Kunststoff und chromblitzenden Metall. Das Fachpersonal versteht es, bei so viel eschauriger Tischdekoration den Eingriff dennoch sachlich zu erläutern. Und wie gut es einem danach und nach den Dauerschmerzen im Knie davor wieder gehen kann, zeigen allein schon die Bilder der Broschüren.

Rund einhundert Aussteller aus Schulmedizin bis Esotherik bot am Wochenende die eintrittfreie Hanauer Gesundheitsmesse, die augenscheinlich auf gut besucht worden ist, zumeist von Menschen mit ordentlich Lebensjahren auf dem Buckel. Die Messen im Congress Park brachte alle Akteure zusammen, auch solche, die sich mit dem Leben im Alter beschäftigen.

Themen Heilung und Vorbeugung

Das Thema Gesundheit ließ sich grob in zwei Gebiete spalten: Heilung und Vorbeugung. Einige Anbieter versprachen mit ihren Produkten auch beides, etwa mit Wasser, das gegen Asthma oder Bluthochdruck helfen soll. Mal gefüllt in kobaltblauen, dickbauchigen Glasflaschen, mal mit dem Versprechen versehen, „E-Smog freies Wasser“ oder „100ml Wasserstoff Wasser“.

In mineralhaltigem Wasser Baden, besitzt hingegen nachweislich Wirkung beispielsweise im Sibyllenbad im Oberpflälzer Wald. Es liegt ungefähr auf Höhe von Bayreuth nur dicht an der tschechischen Grenze und darum werden am Stand frisch Böhmische Liwanzen gebraten. Der fettige Mehl-Hefe-Pfannkuchen ist alles andere als ein Gesundheitsprodukt, von den Besuchern wird er dennoch nicht verschmäht. „Wir kommen bereits seit sechs Jahren, sagt Sibyllenbad-Marktingfrau Barbara Bannert zufrieden. „Gäste aus Hanau und Umgebung besuchen das Bad gern.“ Meist sind die Leute für mehrere Tage dort. Rund 400 Kilometer Einfachstrecke sein eben nichts für eine Tagestour, sagt sie.

Beim Messerundgang wird deutlich, wie schwierig es gelegentlich ist, die vielen Angebote entsprechend den persönlichen Bedürfnissen einzuschätzen - vom Erkrankten bis zum Hypochonder.

Als zusätzliche Informationsplattform standen beiden Tagen Fachvorträge auf dem Programm, 80 insgesamt. Die Bandbreite war wie die der Aussteller groß, von deren Vertretern auch die Vorträge gehalten wurden. So informierte etwa die Deutsche Parkinsongesellschaft über atypische Formen dieser tödlich verlaufenden Krankheit, das St. Vinzenz-Krankenhaus über Altertraumatologie (Verletzungen im Alter) oder das Hanauer Klinikum über die Schilddrüse. Patientenverfügung lautete das Vortragsthema einer Anwaltskanzlei, eine Chirurgin sprach über den „unglücklichen Darm“, der Alarm schlägt. Man konnte sich aber auch anhören, wie kleine Pyramiden gegen E-Smog und pro Zellschutz wirken oder wie „Aktiv Wasser“ wirkt.

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