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Hanau Vielbestauntes altes Eisen

Die Museumseisenbahn Hanau feiert Lokschuppenfest: Zu Bestaunen gibt es eine Vielzahl von alten Loks und Waggons.

Lokschuppenfest
Alte Liebe darf nicht rosten: Betrieb, Unterhalt, Wartung und Instandsetzung der alten Stahlrösser verschlingen viel Zeit und Geld. Foto: Rolf Oeser

Auf den kurzen schrillen Pfiff der altroten Diesellok haben die Besucher - nicht wenige davon mit einer Kamera im Anschlag - gewartet. Seit Minuten brummt der 650-PS-Motor. Der Mann im Steuerstand lehnt sich geduldig aus dem Fenster, bis die Schienen der Drehscheibe mit seinem Gleis eine Linie bilden. Im Schleichtempo rollt die rund 60 Jahre alte Rangierlok auf die Drehscheibe. Eltern nehmen ihre Kleinkinder zurück, einige der Fotografen suchen hingegen die Nähe. Verschlüsse klicken. So nahe kann man den historischen Bahnfahrzeugen nur beim Lokschuppenfest kommen, das die Museumseisenbahn Hanau am Wochenende steigen ließ. Auf dem ehemaligen Betriebswerksgelände der Bahn im Heideäcker fand sich an beiden Tagen viel Publikum ein, um im Ringlokschuppen und auf dem Außengelände eine Vielzahl von Loks und Waggons zu betrachten sowie in Betrieb zu erleben.

„Die Technik ist faszinierend. Man sieht, wie die Kraft übertragen wird“, sagt Besucher Herbert Klos. Der Bruchköbeler ist mit der Kamera auf Motivsuche und nutzt seit drei Jahren das Fest als Gelegenheit hierzu. Wenn die Museumseisenbahner ihr Gelände dem Publikum öffnen, dann kommen bei Weitem nicht allein Technikfreunde, die vielleicht sogar die Dampflok im Bahnbetrieb aus ihren Kindertagen kennen; auch viele junge Familien lockt das Fest zu einem Ausflug in die Eisenbahnvergangenheit.

„Wir werden die Gebäude weiter sanieren und das Gelände ausbauen“, sagt Rainer Balzer, Vereinsmitglied und Geschäftsführer der Stiftung Deutsche Eisenbahn, die die Museumseisenbahn in Hanau maßgeblich unterstützt. „Das Dach des großen Ringlokschuppens wurde gedeckt, die Gleise und der Boden im kleinen Lokschuppen wurden erneuert.“ Das Werkstattgebäude mit Drehbänken aller Art und anderen Maschinen, um Ersatzteile nachzubauen, ist mittlerweile ebenfalls intakt.

Für ein neues Dach fehlt das Geld

Lediglich das Gebäude nebenan hat den Zustand einer Ruine. Als die Bahn vor knapp 20 Jahren das Betriebswerk aufgab, wurde das marode Dach belassen. Es stürzte ein. Nun stehen nur noch die dicken Außenmauern. In einer Diplomarbeit sei die Statik berechnet worden. „Wir könnten sofort loslegen mit dem neuen Dach“, sagt Balzer. Es fehlen aber die 500 000 Euro.

So bleibt es vorerst dabei, die Mauerkronen wetterfest zu machen. Der Schuppen soll aber baldmöglichst instandgesetzt werden, um dort Loks zu warten. Denn im Boden befindet sich für den Radaustausch eine wichtige Einrichtung, mit der ein Teil der Schienen weggeklappt werden kann. Zwei große Dampfloks, acht Personenwaggons und einige Kleinlokomotiven zählen zum Vereinsbestand. Neuanschaffungen wie eine mächtige Diesellok aus den 1940er Jahren mit mannshohem Schiffsmotor im Blechleib sind dagegen oft Sanierungsfälle.

Rund ein Drittel der 130 Mitglieder helfen etwa als Schaffner bei Sonderfahrten, als Lokführer oder Mechaniker. Ohne Ehrenamtliche sei das nicht zu stemmen, sagt Balzer. „Der Verein kann Leute mit allen Fähigkeiten gebrauchen, angefangen bei Gärtnern und solchen, die etwas können, was man sonst nicht mehr lernen kann.“ Auch Spender sind immer willkommen, nicht nur um Gelände und Gebäude in Schuss zu halten, bemerkt Balzer. Stiftungsgelder und Einnahmen aus Sonderfahrten reichen nicht. Ende des Jahres läuft der TÜV einer großen Dampflok ab. Die Instandsetzung in einem Fachbetrieb und die Abnahme schlagen mit 180 000 Euro zu Buche, die der zweiten Drehscheibe mit 100 000 Euro, heißt es.

www.museumseisenbahn-hanau.de

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