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Hanau Geplante Klinik-Fusion ist geplatzt

Die Kommunalen Kliniken Hanau sowie Aschaffenburg-Alzenau bleiben nun doch eigenständig.

Hanau Krankenhaus
Notaufnahme in Hanau (Archiv). Foto: Renate Hoyer

Der geplante Schritt sollte helfen, die Kliniken Hanau sowie Aschaffenburg-Alzenau langfristig in kommunaler Hand zu halten. Die Fusion sollte die Häuser stabiler machen, Qualität und Patientenzahlen erhöhen. Seit 2012 wurde aufwendig geplant, auch in einer eigens dafür gegründeten medizinischen Kooperationsgesellschaft Mainkliniken GmbH.

Jetzt ist klar: Der Zusammenschluss ist vom Tisch. Die Beteiligten seien übereingekommen, „die gesellschaftsrechtliche Kooperation zum heutigen Zeitpunkt zurückzustellen“, teilt die Stadt mit. Entschieden haben das die Oberbürgermeister Claus Kaminsky (Hanau, SPD) und Klaus Herzog (Aschaffenburg, SPD), Landrat Ulrich Reuter (Kreis Aschaffenburg, CSU) sowie die Geschäftsführer Volkmar Bölke (Hanau) und Katrin Reiser (Aschaffenburg). Eine losere Kooperation, etwa bei der Fortbildung, solle es weiterhin geben. Die Beschluss sei „von beiden Seiten so angestrebt“.

Für das Scheitern der Fusion geben die Verantwortlichen drei Hauptgründe an: Am Anfang habe das Ziel, das medizinische Leistungsangebot in der Region zu erweitern, im Vordergrund gestanden. In der Zwischenzeit hätten beide Häuser ihre Patientenzahlen jedoch auch ohne Fusion deutlich gesteigert: das Klinikum Hanau seit 2012 um 16 Prozent, Aschaffenburg-Alzenau um zehn Prozent.

Noch höhere Fallzahlen würden demnach zu Problemen führen, sowohl bei den Kapazitäten als auch bei der Finanzierung. Im Laufe der Planung für die Fusion hätten sich die Bedingungen verschärft. Als Ursache nennt die Führung der Kliniken das seit 2016 geltende Krankenhausstrukturgesetz. Kliniken müssten deswegen mit erheblichen Abschlägen rechnen, wenn sie ihre Leistungen ausbauen. Auch durch den seit 2017 geltenden „Fixkostendegressionsabschlag“ wird ein Zuwachs nicht mehr vollständig von den Kassen übernommen, sondern kann Abschläge bis zu 50 Prozent zur Folge haben. Die Krankenkassen begrüßen solche Abschläge, laut AOK sollen sie einen „Anreiz setzen, dass in den Krankenhäusern keine unbegründete Ausweitung der Leistungsmenge erfolgt.“

Fusion ohne gewünschte Synergien

Darüber hinaus hätten sich die Kliniken in Hessen und Bayern wirtschaftlich unterschiedlich entwickelt: Während Hanau in 2016 einen Überschuss von 260 000 Euro erzielte, hat Aschaffenburg-Alzenau dem Vernehmen nach einen Millionenverlust gemacht. Bereits 2015 stand dort ein Defizit von 3,8 Millionen Euro zu Buche. Allerdings haben die Bayern durch den damals vollzogenen Zusammenschluss der Krankenhäuser in Aschaffenburg und Alzenau außerordentlich hohe Investitionen zu stemmen, etwa in die gemeinsame IT. Landrat Reuter ist zuversichtlich, dass sich die umgesetzte Fusion bald positiv auswirkt. Die Hanauer haben da offenbar größere Zweifel.

Das Fazit der Verantwortlichen: Eine Fusion würde nicht zu den gewünschten Synergien führen. Um langfristig zu sparen, hätte man die Häuser vorher „erheblich restrukturieren“ müssen – was mit enormen Kosten verbunden gewesen wäre. Die Beraterkosten, die Hanau bei dem gescheiterten Projekt entstanden sind, beziffert die Stadt auf 200 000 Euro.

Eine spätere Fusion schließen Hanau und Aschaffenburg-Alzenau nicht aus, doch sie scheint unwahrscheinlich. Für Hanau ist es nicht der erste gescheiterte Zusammenschluss: Eine Fusion mit dem katholischen Hanauer St. Vinzenz-Krankenhaus platzte vor etwa zehn Jahren, weil der zuständige Dezernent nicht beachtete, dass die Abtreibungen im Klinikum ein Ausschlusskriterium für das St. Vinzenz waren.

Nun will sich das Klinikum Hanau alleine stabilisieren: „Nach dem ersten Quartal sind wir vorsichtig optimistisch, dass wir auch dieses Jahr wieder eine ,schwarze Null‘ erreichen werden“, sagt Sprecher Joachim Haas-Feldmann. Bereits in 2016 ging die Kurve nach oben. Die Fallzahlen auf Station stiegen gegenüber 2015 um vier Prozent auf 35 400, die Zahl der ambulanten Patienten um 2000 auf 62 000. Gleichzeitig wurde das Personal aber nur leicht aufgestockt: Im patientennahen Bereich (Ärzte, Pfleger) wurden etwa zwölf neue Vollzeitstellen geschaffen, im „tertiären“ Bereich (Verwaltung, Reinigung) etwa vier Stellen gestrichen. Kritik daran weist das Klinikum zurück. Die personelle Ausstattung sei gut, und man könne „nur das ausgeben, was die Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen hergeben“. Gespräche mit anderen möglichen Fusionspartnern würden nicht geführt. Das Klinikum bleibe „selbstverständlich“ in den Händen der Stadt.

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