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Hanau Buchhandlungen wollen mit Service punkten

Die Woche der inhabergeführten Buchhandlungen beginnt – auch „Bücher bei Dausien“ nimmt daran teil.

Buchhandlung
In Bücher hineinschauen und sich festlesen, das geht nur in Buchhandlungen wie hier bei Dausien. Foto: Michael Schick

Das Biedermeier-Sofa soll zum Anlesen verführen und die dicht mit Büchern bestückten Regale auf drei Etagen zum Stöbern – und letztlich auch zum Kaufen. Auf der Treppe zur Galerie wird der Kunde von repräsentativ drapierten Werken über Hanau und die Region begleitet.

Ein bisschen scheint die Zeit bei „Bücher bei Dausien“ stehen geblieben zu sein. Aber dieser Eindruck ist lediglich ein optischer und zudem auch durchweg positiv zu verstehen. Mit Kundennähe, Buchverkauf mit Leidenschaft und verschiedenen Aktionen versucht sich das Traditionsgeschäft gegen den Onlinehandel und Ketten zu behaupten.

Erstmals nimmt das 1949 von Margret und Werner Dausien gegründete Geschäft, das seit 1991 von Joachim Weihl geführt wird, nun auch an der „Woche der unabhängigen Buchhandlungen“ teil.

„Anlass war für uns, hervorzuheben, dass wir eine inhabergeführte Buchhandlung sind, und auch, mehr nach außen zu dringen“, sagt Doris Hartmann, Buchhändlerin und bei Dausien zuständig für Veranstaltungen. Mit dem Stadtumbau und dem neuen Einkaufszentrum hätten sich die Achsen der Laufkundschaft verschoben, sagt sie. Lokaler Buchhandel bedeutet für Hartmann: „Wir wollen den Leuten zeigen, dass es der Mühe wert ist, persönlich im Laden aufzutauchen.“

Die Branche der unabhängigen Buchgeschäfte habe immerhin mehr zu bieten als die Versandhändler. „Der Kunde kann uns ansprechen, sich beraten lassen, wir bieten individuelle Kundenverteiler für Neuerscheinungen oder stellen Geschenkkisten zusammen“, zählt Hartmann auf. In den vergangenen 25 Jahren seien für die inhabergeführten Buchhandlungen viele zusätzliche Aufgaben hinzugekommen, um zu überleben. Dazu gehöre nicht zuletzt der Betrieb einer aufwendigen Internetpräsenz und die kostenfreie Buchlieferung über Nacht zum Kunden.

Hartmann sieht überdies Autorenlesungen als ein Alleinstellungsmerkmal. Um Autoren betteln, das muss Dausien nicht. „Die Verlage können die Buchhandlungen sehr gut einschätzen.“ Mit rund 300 Quadratmetern Verkaufsfläche gehöre Dausien in die Kategorie der größeren Läden. Dennoch sei es schwieriger geworden, Autor aus den Charts einzuladen. „Daniel Kehlmann würden wir heute nicht mehr so schnell für eine Lesung bekommen wie zu Beginn seiner Karriere“, sagt sie. Hanau müsse zudem auf der Route einer Lesereise liegen. Bei Schriftstellern mit Bezug zur Stadt, wie dem in Köln lebenden Peter Henning etwa, sei dies einfacher.

Zwischen 20 und 60 Besucher werden bei den zehn Veranstaltungen im Jahr gezählt. Ein Publikumsmagnet sei der Koch und Gewürzexperte Ingo Holland, so Hartmann. Bei Dausien verkaufen sie seine Bücher und im Souterrain seine Gewürze.

Auch Verleger schätzten die inhabergeführten Buchläden, sagt Joachim Schulmerich, früherer Besitzer des Cocon-Verlags. „Der lokale Buchhandel hat mir als Branchenfremdem im Jahr 1989 den Einstieg ermöglicht“, sagt er. Über die persönlichen Kontakte habe er über die Jahre Anregungen und Kritik erhalten und direkt erfahren, welche Themen gewünscht sind.

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