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Gude Gude statt Prost

Achim Karn und Marco Döll wollen die hessische Begrüßungsformel "Gude" in die Welt tragen. Mit eigenem Bier, Apfelwein und Textilien soll das gelingen - eine große Fangemeinde haben sie bereits geschaffen.

26.01.2016 15:50
Timur Tinç
Die Unternehmer Marco Döll (l.) und Achim Karn. Foto: Alex Kraus

Sie tauchen verbreitet in der Frankfurter Innenstadt auf. Basecaps, Strickmützen, Sweater und Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Gude“. Achim Karn und Marco Döll tragen sie täglich, in allen unterschiedlichen Variationen. Natürlich, schließlich haben die beiden Männer aus Groß-Zimmern den hessischen Style kreiert. Gude ist für Karn und Döll nicht nur eine Begrüßungsformel und das Wörtchen, das sie beim Zuprosten benutzen, sondern ein Lebensgefühl, das sie mit einer, mit ihrer Marke verbreiten wollen. „Gude ist gude Laune“, sagt Döll.

Der „Gude-Zwirn“, wie die Unternehmer ihre Streatwear-Mode nennen, ist aber nur ein Teil der Marke. Dazu gehören noch ihre Apfelweinsorten, der Gude-Stoff und das Gude-Bier, mit dem alles begonnen hat. An einem schönen Sommerabend vor vier Jahren saßen Karn und Döll mit Freunden zusammen, tranken den Gerstensaft und prosteten sich ein „Gude“ zu. „Wir haben uns überlegt, wie geil wäre es denn, wenn wir eine eigene Biermarke hätten?“, erzählt Döll, der Soziologe und unter dem Künstlernamen Mädness als Rapper bekannt ist.

Der 35-Jährige und der drei Jahre jüngere Karn, den er schon aus Jugendzeiten kennt, steckten die Köpfe zusammen, entwickelten ein Konzept und gingen damit zu der Brauerei Schmucker aus dem Odenwald. „Die Brauerei hat ein hervorragendes Wasser“, begründet Karn die Auswahl der Brauerei. Sie hätte sich offen für ihr Projekt gezeigt und auch für die Geschmacksrichtung, die ihnen vorgeschwebt habe. „Wir haben ein Pils mit einem Exportanteil produzieren lassen“, sagt Döll. „Unsere eigene Gude-Rezeptur.“ Nach vielem Probieren und Experimentieren mit dem Braumeister wurden im März 2012 die Flaschen abgefüllt, im April gingen sie in den Verkauf.

Dank des Händlernetzes der Brauerei Schmucker hat sich das Gude-Bier nach und nach in Kneipen, bei Getränkehändlern und auch in einigen Rewe-Märkten etabliert. „Die Leute springen auf die Qualität des Bieres und die Marke an“, sagt Karn. „Sie ist ein Sympathieträger.“ Deshalb waren Karn und Döll überzeugt, dass auch eine eigene Modemarke funktionieren werde. Zusammen mit einem Grafiker wurden die Layouts erstellt, die in einer hessischen Druckerei auf die Klamotten gedruckt werden. Besonders gut laufen alle Produkte mit dem Aufdruck „Straight Outta Hessen“, in Anlehnung an den Gangsta-Rapper-Film „Straight Outta Compton“. Verkauft wird die Kleidung in erster Linie im Internet oder in ausgewählten Geschäften in Hessen. Aber auch in Berlin, Dortmund und Stuttgart gibt es Läden, die Gude-Zwirn im Regal haben. „Wir haben auch viele Bestellungen aus den USA von Leuten, die Gude mit Nachnamen heißen“, berichtet Döll schmunzelnd.

Verbreitung war eher Zufall

Den beiden war das aber nicht genug, sie wollten unbedingt noch das hessische Nationalgetränk in ihr Portfolio aufnehmen. Vier Apfelweinprodukte in Kooperation mit der Kelterei Heil sind letztlich dabei herausgekommen. „Der pure ist der stärkste in Hessen“, sagt Döll. Seit wenigen Wochen gibt es auch einen Kräuterlikör mit Honig mit dem Namen „Gude-Nacht“. Ganz wichtig ist den Jungunternehmern „gesund zu wachsen“, so Karn. Sie sind nicht fremdfinanziert, wollen eine anständige Marke produzieren und ihre Produkte „nicht verramschen“. Die wachsende Verbreitung, die ihre Marke derzeit erfährt, sei eher Zufall gewesen, so Karn, der seit dem Abitur Inhaber mehrerer Firmen ist. Zumal sie ihre Produkte nur über Mund-zu-Mund-Propaganda und die sozialen Netzwerken beworben haben. Auch die Finanzierung haben sie selbst gestemmt. Mittlerweile trägt sich die Firma ganz gut, trotzdem gehen die beiden aber auch noch regulären Jobs nach.

„Gude“ hat auf Facebook mittlerweile über 21 000 Gefällt-mir-Klicks. „Die Produkte befruchten sich gegenseitig“, glaubt Döll. Immer weitere Geschäfte, Kneipen und Händler kommen auf die Unternehmer zu, um die Produkte zu vertreiben. „Wir wollen Hessen erschließen. Und wenn wir fest im Sattel sitzen, wollen wir unsere Produkte auch national verbreiten“, beschreibt Karn die Ziele. Große, aber durchaus realistische Ziele.

Vielleicht wird dank Achim Karn und Marco Döll in nicht allzu ferner Zeit auch außerhalb der hessischen Landesgrenzen statt Servus und Prost einfach nur noch Gude gesagt.

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