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Grüne Energie AKW Biblis soll erst einmal versiegelt werden

Der Energiekonzern RWE erwägt, das AKW Biblis vorerst zu versiegeln. Der endgültige Rückbau soll dann nach Jahrzehnten beginnen. In der Zeit können bis zu 1000 Stellen wegfallen.

22.11.2011 11:38
Stephen Wolf
Der Energiekonzern RWE erwägt, das AKW Biblis vorerst zu versiegeln. Der endgültige Rückbau soll dann nach Jahrzehnten beginnen. Foto: dapd

Der Energiekonzern RWE erwägt, das stillgelegte Atomkraftwerk Biblis in Südhessen für mehrere Jahrzehnte zu versiegeln und erst danach mit dem eigentlichen Rückbau anzufangen. Vorstandsmitglied Gerd Jäger sagte am Montagabend vor Journalisten, der Energiekonzern wolle innerhalb der kommenden Monate entscheiden, in welcher Form der Rückbau des Atomkraftwerks in Biblis vonstattengeht. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“, sagte das für die Unternehmenssparte RWE Power zuständige Vorstandsmitglied anlässlich der 64. Kraftwerksgespräche am Standort Biblis.

Zur Diskussion standen mehrere Konzepte

In der Diskussion seien mehrere Konzepte, darunter auch die Möglichkeit eines schnellstmöglichen Rückbaus innerhalb der kommenden Jahre. Zur Debatte steht demnach aber auch ein sogenannter Sicherer Einschluss, bei dem ein Teil der radioaktiven Elemente im Kraftwerk versiegelt und erst zu einem späteren Zeitpunkt zurückgebaut wird. Für welchen Weg sich der Konzern entscheide, hänge letztlich von den Lagerungskapazitäten für die radioaktiven Stoffe ab, außerdem von der Frage, ob ein funktionstüchtiges Endlager bereitstehe, sagte Jäger.

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Das Zwischenlager in Biblis sei zwar zur Aufnahme alter Brennstäbe in Castor-Behältern geeignet, nicht aber für die bei einem Rückbau anfallende Menge radioaktiven Mülls. Dafür käme etwa der ehemalige Bergwerkschacht Konrad in Niedersachsen in Frage, der aber bislang gar nicht für eine solche Lagerung freigegeben sei.
Die Reaktorblöcke A und B in Biblis gehören zu den deutschen Atomkraftwerken, die nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima aus Sicherheitsgründen vom Netz gingen. Die Bundesnetzagentur gab am 31. August bekannt, dass das Kraftwerk nicht mehr angefahren werden und auch nicht als „Kaltreserve“ zur Verfügung stehen soll.

Noch keine Entscheidung über Klage gegen Ausstiegsgesetz

Der Leiter des Kraftwerks, Hartmut Lauer, sagte, die genannten Optionen zur Stilllegung hätten beide Vorzüge. Bei einem direkten Rückbau nach Erteilung der Stilllegungsgenehmigung, könne man auf Mitarbeiter zurückgreifen, die zurzeit im Kraftwerk arbeiteten und eine dementsprechende Erfahrung hätten. Der Vorteil eines Sicheren Einschlusses besteht aus Sicht des Konzerns auch darin, dass finanzielle Mittel zunächst in andere Bereiche investiert werden könnten, bevor Geld in den Rückbau fließe. Dies müsse nun allerdings geprüft werden.


„Wir stehen vor enormen Herausforderungen für die Belegschaft und den Standort“, sagte Lauer und fügte hinzu: „Alle Optionen werden sorgfältig geprüft und abgewogen.“ Indes sei auch klar, dass man sich von Mitarbeitern trennen müsse. So habe man schon Verträge mit Partnerfirmen gekündigt. Das habe zur Folge, dass noch in diesem Jahr 250 der insgesamt 300 Mitarbeiter von Partnerfirmen ihre Beschäftigung in dem AKW verlören. Daneben arbeiten noch etwa 700 RWE-Beschäftigte am Standort, für die man sozialverträgliche Lösungen anstrebe, so Lauer. Indes sollten Lehrlinge noch bis mindestens 2013 ausgebildet werden.

Eine Klage gegen das Atomausstiegs-Gesetz wird erwägt

RWE hat nach Angaben von Vorstandsmitglied Jäger noch nicht über eine Klage gegen das Atomausstiegs-Gesetz entschieden. „Wir prüfen das zurzeit sehr intensiv“, sagte er. Zwar akzeptiere man die Entscheidung des Gesetzgebers, allerdings hindere das den Konzern nicht daran, rechtlich gegen den Verlust von Vermögenswerten vorzugehen. Schließlich habe der Konzern hohe Investitionssummen aufgebracht, um beispielsweise Biblis den Sicherheitsstandards anzupassen. Eine Entscheidung werde in den kommenden Wochen gefällt.

SPD und Grüne fordern Abriss

SPD und Grüne fordern hieraufhin einen schnellen Abriss des abgeschalteten Atomkraftwerks Biblis. „Die SPD tritt für den schnellstmöglichen Rückbau der beiden Atomkraftwerksblöcke in Biblis ein“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Schmitt einer Mitteilung nach am Dienstag in Wiesbaden. Die Variante einer Versiegelung des Kraftwerks mit späterem Abriss sei nicht akzeptabel, da dann bis zur endgültigen Beseitigung bis zu 50 Jahre vergingen.
„Ein zügiger Rückbau sichert Arbeitsplätze und schafft zudem die Möglichkeit, auf Arbeitskräfte zurückgreifen zu können, die die Anlage gut kennen“, erklärte Schmitt. Deren Erfahrung mache die Abbruchsarbeiten sicherer.(dpa, dapd)

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