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„Goldener Windbeutel“ an Alete Zu viel Zucker im Baby-Keks

Foodwatch verleiht seinen Schmähpreis „Goldener Windbeutel“ an Alete. Das Unternehmen sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Foodwatch überreicht Goldenen Windbeutel
Aktivisten von Foodwatch mit dem „Goldenen Windbeutel“ vor dem Firmensitz von Alete in Bad Homburg. Foto: Monika Müller

Es gibt Preise, die keiner haben will. Zum Beispiel den „Goldenen Windbeutel“ von Foodwatch. Zum siebten Mal hat die Verbraucherorganisation nun ein Unternehmen mit ihrem Schmähpreis für die „Werbelüge des Jahres“ bedacht. Bislang habe ihn aber noch keine der Firmen entgegengenommen, sagt Foodwatch-Pressesprecher Andreas Winkler.

Auch der Kindernahrungshersteller Alete macht da keine Ausnahme. Als einige Aktivisten der Nichtregierungsorganisation am Dienstagvormittag mit mehreren Kamerateams im Schlepptau am Verwaltungssitz in Bad Homburg anrücken, kommen sie gerade mal bis zum Empfang. Ein Mitarbeiter bedeutet ihnen freundlich, aber bestimmt, dass sie das Gebäude wieder verlassen sollen und kein Verantwortlicher von Alete mit ihnen sprechen werde. Auch gegenüber der Presse gibt Geschäftsführer Peter Hüttmann lediglich eine schriftliche Stellungnahme ab. Darin weist er die Vorwürfe von Foodwatch als „unsachgemäß und unberechtigt“ zurück.

Konkret geht es um den Alete-Babykeks. Der enthalte 25 Prozent Zucker und sei damit keineswegs „babygerecht“, wie eine Aufschrift auf der Verpackung suggeriere, kritisiert Sophia Unger, die bei Foodwatch für die Wahl des „Goldenen Windbeutels“ zuständig war.

Die Organisation fordert Alete deshalb auf, den Babykeks komplett vom Markt zu nehmen und auch sein übriges Sortiment zu überarbeiten. Denn der Keks sei nur die „Spitze des Eisbergs“, erklärt Unger. Das Unternehmen mische 30 Prozent seiner Babyprodukte Zucker bei.

Man halte alle gesetzlichen Vorgaben ein, kontert Alete-Geschäftsführer Hüttmann. Zudem sei der Zuckergehalt auf der Verpackung „deutlich gekennzeichnet“, und es gebe Hinweise zum richtigen Gebrauch des Produkts, „wie zum Beispiel zur Portionsgröße und zur Bedeutung einer gründlichen Zahnpflege“.

Alete werde aber auch handeln, sagt Hüttmann zu. So soll die Angabe „babygerecht“ künftig nicht mehr auf dem Etikett zu lesen sein. Außerdem arbeite das Unternehmen bereits an einer verbesserten Rezeptur des Kinderkekses. Genauere Angaben könne er dazu noch nicht machen.

Foodwatch werde nicht locker lassen, kündigte derweil Kampagnenleiter Oliver Huizinga an. Mit einem Online-Aufruf (www.alete-aktion.foodwatch.de) will die Organisation den Druck auf Alete aufrechterhalten. Aber auch die Politik sei gefragt, betonte er. Denn laut der entsprechenden EU-Verordnung wären sogar Kekse mit einem Zuckergehalt von 34 Prozent erlaubt. „Hier muss der Gesetzgeber handeln.“

Außer dem Alete-Keks hatte Foodwatch vier weitere Produkte für den „Goldenen Windbeutel“ nominiert. Bei einem Online-Voting entfiel fast jede zweite auf den Keks. Insgesamt beteiligten sich an der Abstimmung 73 000 User.

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