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Gesundheit Lotsen für medizinische Notfälle

Die medizinische Notfallversorgung ist in der Krise. Experten diskutieren Lösungen für die vollen Notfallambulanzen.

Arzt
Ein Arzt behandelt einen Patienten (Symbolfoto). Foto: Werner Krueper (epd)

Es könnte so einfach sein. Für medizinische Probleme gibt es eine einzige Telefonnummer, unter der dem Bürger geholfen wird. In Deutschland gibt es zwei Telefonnummern. Die 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärzte und die 112 für die Leitzentrale der Feuerwehr, bei der der Rettungswagen angesiedelt ist. Was für ein Kuddelmuddel.

Eine zentrale Telefonnummer wie in den Niederlanden? Dagegen spricht sich keiner der Teilnehmer der Diskussionsrunde der Gesundheitswirtschaft Rhein-Main am Montagabend in Frankfurt aus. Doch wenn es ans Eingemachte geht, will jeder seine Pfründe sichern: der Vorstandvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frank Dastych. Der Sprecher der Geschäftsführung der Main-Taunus-Kliniken, Tobias Kaltenbach. Und auch Ralf Ackermann, Präsident des Landesfeuerwehrverbands.

Die medizinische Notfallversorgung ist in der Krise. Immer mehr Patienten suchen nicht beim Hausarzt oder dessen Vertreter im Ärztlichen Bereitschaftsdienst Hilfe, sondern marschieren schnurstracks in die Ambulanzen der Krankenhäuser. Nicht wenige kommen mit Bagatellerkrankungen und gefährden damit jene Patienten, die wegen eines lebensgefährlichen Problems da sind.

Gesundheitsexperte Thomas Krafft von der Universität Maastrich hat zu dem Thema eine drastische Karikatur mitgebracht: Ein Mann mit Sonnenbrand steht vor der Ambulanz in der Schlange, während der Bürger hinter ihm stirbt. „Man muss Strukturen schaffen, die den Patienten lotsen“, fordert der Wissenschaftler. In den Niederlanden gebe es dazu Callcenter, in denen gut geschultes medizinisches Fachpersonal anhand einer Checkliste feststellt, wo dem Bürger am besten geholfen werden kann. Otto Normalverbraucher sei damit überfordert, selbst entscheiden zu müssen, ob der Ärztliche Bereitschaftsdienst die richtige Adresse ist, der Rettungsdienst oder die Krankenhaus-Ambulanz.

Landesregierung arbeitet an Arbeitshilfe

Jochen Metzner vom hessischen Sozialministerium kündigt an, dass die Landesregierung an einer solchen Arbeitshilfe derzeit arbeite. Auch bekomme mit dem neuen Berufsfeld des Leitstellendisponenten die medizinische Kompetenz ein stärkeres Gewicht. Das Land werde die Leitzentralen in den Landkreisen darüber informieren, dass sie nicht automatisch den Patienten ins Krankenhäuser fahren müssen, sondern die Hausarztpraxis als Alternative infrage kommt.

Außerdem kündigt Referatsleiter Metzner für nächstes Jahr einen Modellversuch in einer „Pilotregion“ an. Dort soll auch der „Telenotarzt“ getestet werden, das heißt die Diagnose via Internet.

Für einen Modellversuch plädiert auch Barmer-Landesgeschäftsführer Nobert Sudhoff. Eine Idee, die Ackermann schon hatte: „Das wurde mir damals aber abgelehnt,“ sagt er. Zuvor müsse der Rettungsdienst von der Feuerwehr und den Katstrophenschützern getrennt werden, stellt Dastych zur Bedingung.

„Wir brauchen eine Stelle, die ausschließlich für medizinische Notfälle zuständig ist. Ein einziges Pilotprojekt langt nicht“, meint Krankenhausgeschäftsführer Kaltenbach: „Wir brauchen viele Modellregionen und können keine fünf Jahre warten.“

Strukturen lassen sich möglicherweise ändern. Doch es gibt es ein weiteres Problem: der selbstbewusste Bürger. Der entscheidet sich im Zweifelfall für die „höchste Sicherheit“, sagt Kaltenbach. Und die gewähre nun mal das Krankenhaus.

Auch Feuerwehrchef Ackermann deutet an, dass so mancher Anrufer genau wisse, was er der Leitzentrale zu sagen hat, damit diese den Rettungswagen auch wirklich zu ihm nach Hause schickt. Hier laufe etwas massiv schief, meint Dastych und verweist auf die rechtlichen Grundlagen: „Es geht nicht, dass er Patient das System steuert.“

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