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Gesundheit in Hessen Dem Ultrafeinstaub auf der Spur

Das Land Hessen will Messgeräte anschaffen, um mehr über das Thema Feinstaub zu erfahren. Neue Erkenntnisse könnte zudem eine vom Bund geplante Studie liefern, für die sich Hessen mit Deutschlands größtem Airport beworben hat.

Neue Erkenntnisse könnte auch eine vom Bund geplante Studie liefern, für die sich Hessen mit Deutschlands größtem Airport beworben hat. Foto: dpa

Das Land will die Belastung der Bevölkerung mit Ultrafeinstäuben untersuchen. Damit erfüllt es eine langjährige Forderungen der Flughafenausbaugegner. Nicht gelöst ist damit das Problem der fehlenden Grenzwerte und damit der rechtlichen Anforderungen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sind die ultrafeinen Partikel zwar besonders gefährlich, weil sie über die Blutbahn in den Körper eindringen können. Doch bislang ist wenig bekannt über ihre Wirksamkeit oder darüber, was sie langfristig anrichten können, heißt es in einer Antwort des hessischen Umweltministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Angesichts der dünnen Datenlage vertrete selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO die Auffassung, dass ein Festlegen von Grenzwerten „derzeit nicht opportun ist“.

Ungeachtet dessen will sich das Land künftig mehr diesem unerforschten Umweltgift widmen, informiert Stefan Jacobi vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Derzeit würden Instrumente beschafft, um die in Kooperation mit dem Umweltbundesamt erfolgten Messungen in Raunheim fortzusetzen. Seit knapp einem Jahr wird an der dortigen Luftmessstation neben den Routinedaten auch die Gesamtzahl der Partikel in der Umgebung ermittelt. „Das ist ein Einstieg in die Thematik“, sagt Jacobi. Die Ergebnisse seien bezüglich eines Zusammenhangs mit den Überflügen jedoch nicht ohne Weiteres aussagekräftig. Er betont, dass auch künftig valide Ergebnisse nicht „von jetzt auf gleich“ zu erwarten sind. Das technische Aufrüsten erfordere umfangreiche Investitionen, es müsste dann auch erst Erfahrung mit den Gerätschaften gesammelt werden.

Neue Erkenntnisse könnte auch eine vom Bund geplante Studie liefern, für die sich Hessen mit Deutschlands größtem Airport beworben hat. Sie soll den Einfluss eines Großflughafens auf erhöhte Konzentrationen an Ultrafeinstaub und Ruß quantifizieren, hat eine Laufzeit von 27 Monaten. Die Ausschreibung laufe noch, heißt es aus dem Bundesumweltministerium. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Routinemäßig messen Umweltbehörden derzeit lediglich die großen Staubteilchen in der Luft. Das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) gegen den Flughafenausbau hatte sich deshalb ein eigenes mobiles Messgerät angeschafft. Nach einer Kontrolle im vergangenen Oktober in Raunheim kamen die Initiativen zu dem Ergebnis, die Bewohner der Stadt seien „in hohem Maß“ mit Ultrafeinstaub belastet. Die Partikelzahlen in den Gärten unter der Einflugschneise entsprächen denjenigen in hochbelasteten Innenstädten. Mit jedem Überflug erhöhe sich die Belastung am Boden. Die örtliche Bürgerinitiative warf dem Land Untätigkeit vor. Seit Jahren sei bekannt, dass Flugzeugturbinen besonders viel Ultrafeinstaub produzieren.

Selbst wenn in den kommenden Jahren valide Messergebnisse vorliegen, ist noch lange nicht bewiesen, wer Verursacher ist. Die Hauptquelle ist Ruß aus Verbrennungsprozessen. Das können Motoren von Autos, Schiffen oder Flugzeugen sein, ebenso Blockheizkraftwerke und Heizungen.

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