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Gesundheit Heftige Grippewelle zieht durch Hessen

Die Zahl der gemeldeten Grippefälle steigt sprunghaft an. Die Erkrankung ist nicht zu unterschätzen: Bundesweit starben bereits 102 Menschen.

Grippe
Wen die Grippe erwischt, dessen geringstes Problem ist eine Schnupfennase. Foto: dpa

Sebastian muss seine Geburtstagsfeier verschieben. Drei Freunde liegen mit hohem Fieber im Bett, jetzt hat es den Achtjährigen wohl selbst erwischt. Auch in anderen Familien ist die Influenza unterwegs: 146 nachgewiesene Grippefälle gab es in der vergangenen Woche in Frankfurt. „Das ist ein Rekord“, sagt Udo Götsch vom Gesundheitsamt. Unter Umständen wird der in dieser Woche gerissen – 129 weitere Meldungen lagen bis Donnerstag vor.

Und es ist nur die Spitze des Eisbergs, denn nur ausgewählte Arztpraxen lassen verdächtige Patienten auf das Virus labortechnisch untersuchen. Die Ergebnisse landen beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. „Wir haben in Hessen wie bundesweit einen steilen Anstieg von der vierten auf die fünfte Kalenderwoche“, bestätigt Sprecherin Susanne Glasmacher. Mehr als 550 Fälle seien es in der fünften Woche des Jahres gewesen, 650 in der vergangenen. Die Daten der laufenden Woche liegen dem RKI noch nicht vor, tendenziell gehe die Kurve nicht mehr ganz so steil nach oben. „Der Anstieg verlangsamt sich.“ Ob der Zenit überstiegen ist, lasse sich aber noch nicht sagen. „Wir sind mittendrin und müssen abwarten bis nächste Woche.“ So schlimm wie 2017 grassiere die Influenza nicht. Die meisten Todesfälle in den vergangenen Jahren gab es mit geschätzten 21 300 in der Grippesaison 2014/15.

In der aktuellen verloren bundesweit 102 Menschen nachweislich ihr Leben durch die Grippe. Auch hier ist die Dunkelziffer hoch – nicht jeder Verstorbene wird labortechnisch untersucht. Und oft ist Lungenentzündung die Todesursache. Das gilt speziell für die über 60-Jährigen, die   83 Prozent der Sterbefälle ausmachen, wie Glasmacher sagt. Kinder seien „recht selten“ Opfer. Für sie und jüngere Erwachsene stelle eher das seltenere Schweinegrippevirus eine Gefahr dar, das erstmals 2009 ausbrach und noch immer unterwegs ist.

Gute Nachrichten hat die RKI-Sprecherin zum Thema Impfstoff: „40 Prozent der Geimpften sind geschützt. Das ist nicht so schlecht.“ Das gelte nicht nur für jene Personen, die sich den Viererimpfstoff hätten spritzen lassen. „Auch der Dreier schützt in gewissem Maß.“ Grundsätzlich gelte, dass ein Mensch besser mit jenen Viren zurechtkomme, mit denen sein Immunsystem bereits zuvor Erfahrung gesammelt habe.

Doch auch, wer schon einmal Grippe hatte, ist nicht gegen eine erneute gefeit. Das Virus ändert sich jährlich. Deshalb wird jedes Jahr eine neue Impfung empfohlen. Darüber hinaus sollte man sich mit den bekannten Hygieneregeln schützen, sagt Udo Götsch von Frankfurter Gesundheitsamt: Hände waschen, sich von niesenden und hustenden Personen fernhalten. Und: „häufig lüften“.

Für Sebastian kommen diese Tipps zu spät. Er wird wohl erst im März seinen Geburtstag feiern können. Denn eine Woche dauert die Grippe mindestens, möglicherweise auch zwei.

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