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Geschichte eines Erfolgs Wie die TG Bornheim überlebte

Zu Beginn der 80er Jahre schrumpften bei dem Sportverein Mitgliederzahl und Einnahmen gleichermaßen. Da musste sich der Vereinsvorstand etwas überlegen. Heute meldet er hohe Mitgliederzahlen.

21.01.2010 00:01
Matthias Arning
Und hoch das Bein...Allabendlich in der TG Bornheim. Seit 150 Jahren macht Frankfurt hier Sport, Breitensport aller Art - von Turnen bis Klettern Foto: FR/Kumpfmueller

Da musste was passieren. Konnte doch so nicht weitergehen. Der Verein, sagt Peter Völker, "war tot". Mit den Beiträgen der zu Beginn der 80er Jahre schrumpfenden Mitgliederschar der Turngemeinschaft Bornheim ließen sich nicht einmal die Unkosten begleichen. Gut, man hatte die Turnhalle abseits der Berger Straße, Damit sollte sich bestimmt etwas anfangen lassen. Aber der Verein brauchte frischen Wind. Und weil etwas passieren sollte, habe ihn Vater Steul angesprochen, ob er, der junge Manager von der Volksbankfiliale in Bornheim, die Sache nicht angehen könnte. Steul ist der Vater von Franz Steul. Und Franz Steul steht seit Anfang der 80er Jahre an der Seite Völkers - im Vorstand des Vereins und in der Turnhalle. Gemeinsam spielen die beiden Herren erfolgreich Prellball.

In den vergangenen knapp drei Jahrzehnten ist eine Menge passiert. Heute ist die einst unter akutem Mitgliederschwund leidende Turngemeinde Hessens größter Verein und feiert in diesem Jahr das Jubiläum der Gründung am 4. Juni 1860. Zum Neujahrsempfang am kommenden Samstag hat sich Ministerpräsident Roland Koch angekündigt. Um die Geschichte eines großen Erfolgs zu würdigen.

Völkers Erfolg. Das nimmt der Mann, der heute zum Vorstand der Frankfurter Volksbank gehört, schon für sich in Anspruch nach drei Jahrzehnten ehrenamtlichen Engagements. Aber Völker vergisst nie, seine Mitstreiter zu erwähnen. Franz Steul gehört dazu. Und Petra Römer auch, die Anfang der 80er als Trainerin mit etwas für die Turngemeinde Neuem ankam: Jazztanz. Seitdem hat der Verein sein Kerngeschäft auf nunmehr 184 sportliche Angebote erweitert, die sich an Familien, gestandene Freizeitsportler und Senioren richten. Darin, glaubt Peter Völker, liegt ein Stück der Geschichte des Erfolgs.

Die ganze Geschichte kann man wohl nur erzählen, wenn man "ein Panorama des Wertewandels" in dieser Stadtgesellschaft entwirft. Zu "den größten Herausforderungen" der meist fast liebevoll nur "TG" genannten Turngemeinde gehörte "der Individualismus", meint der Vorsitzende. Das allerdings sei nun mitnichten etwas Spezifisches für die Turngemeinde. Alle Vereine hätten damit zu kämpfen. Die Parteien im Übrigen auch. Deswegen fragen Vereine schon gelegentlich an, wie die Turngemeinde denn die Trendwende geschafft habe: Nach nicht einmal mehr 500 Mitgliedern Anfang der 80er Jahre zählte der Verein 7839 Mitstreiter im Jahr 2000 und nach dem ersten Wochen des Jahres 2010 so gar 18202. Damit gerate die 20000-Marke in Sicht, freut sich der Vorsitzende.

Nach dem Lob für seine Ehrenamtlichen nennt Völker die Qualität der Übungsleiter und die professionelle Betreuung der Mitglieder als Gründe für die erstaunliche Entwicklung der Turngemeinde. Dann sagt Völker auch schon mal: "Kunden." Wie man diese anspricht und warum man ständig neue Angebote haben müsse, das wisse man im Vorstand des Vereins nur zu gut.

Deswegen gibt es mit Boris Zielinski auch seit gut zehn Jahren bereits einen sportlichen Leiter. Hinter dem Titel steckt so etwas wie ein Trend-Scout, der unterwegs ist, um neue Entwicklungen bei den Sportarten nicht zu verpassen. Und deswegen setzt der Verein auch auf stetige Expansion: In den nächsten Tagen wolle er einen Bauantrag an die Stadt richten, um angrenzend an den Standort Inheidener Straße weitere 2400 Quadratmeter Sportflächen zu schaffen. Drei Millionen rechnet der Verein für dieses Projekt, über dessen Bezuschussung man gegenwärtig im Gespräch mit der Stadtregierung sei, berichtet Völker.

Um den Verein für die nächsten 90 Jahre des 21. Jahrhunderts "fit zu machen", denken Völker und Steul darüber nach, wie es in der Führungsetage mit der TG denn weitergehen soll, wenn die beiden Herren irgendwann ausscheiden. Dann müsse es eine Geschäftsführung und einen Aufsichtsrat geben, verrät der Vorstandschef. Bis dahin allerdings bleibe das Führungstandem verbunden. Inhaltlich, sportlich und familiär. Vor zwei Jahrzehnten heiratete Völker Steuls Schwester.

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