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Geschichte des Flughafenausbaus Aktivisten erschießen Polizisten

Der gewaltsame Widerstand gegen den Frankfurter Flughafenausbau hat eine lange Geschichte. Und sie ist blutig. Von Jürgen Schultheis

11.03.2009 17:03
JÜRGEN SCHULTHEIS
Die vor dem Altar aufgebahrten Särge von Thorsten Schwalm und Klaus Eichhöfer im Frankfurter Dom. Mehrere tausend Menschen gedachten am 10. November 1987 während einer Trauerfeier der beiden Polizisten, die am 2. November während einer Demonstration an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens erschossen wurden. Foto: dpa

Am Abend vorher war Klaus Eichhöfer zuhause angerufen worden. Der unbekannte Anrufer, ein radikaler Gegner des Flughafenausbaus, hatte den damals 44-jährigen Hauptkommissar vor dem Einsatz an der Startbahn 18 West gewarnt.

Eichhöfer war damals Hundertschaftsführer, vertraut mit den Einsätzen an der Startbahn und mit den sogenannten Sonntagsspaziergängen, an denen im Schnitt 50 bis 200 Startbahngegner teilnahmen.

Tags drauf, am Abend des 2. Novembers 1987, fielen an der Startbahn West insgesamt 14 Schüsse, die ihn und seinen 23 Jahre alten Kollegen Torsten Schwalm das Leben kosteten und weitere Polizisten zum Teil schwer verletzten.

Bald darauf verhaftete die Polizei zwei Verdächtige, Andreas Eichler und Frank Hoffmann, die in einem mehr als zweijährigen Verfahren im sogenannten Frankfurter Startbahnprozess verurteilt wurden.

Eichler wurde wegen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt, Hoffmann zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen seiner Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.

Für den Vorsitzenden Richter Erich Schieferstein war damals nachgewiesen, dass Eichler die 14 Schüsse abgegeben hatte. Hoffmann, ein Anti-Atomkraftbewegter, musste sich verantworten, weil er im Rhein-Main-Gebiet mehrere Strommasten umgesägt hatte.

Die Phase des scharfen und später gewalttätigen Protestes gegen die Startbahn West hatte im Sommer 1980 begonnen. Die Gegner bezweifelten aus ökologischen und ökonomischen Gründen die Notwendigkeit der Startbahn, die im April 1984 im Betrieb gegangen ist.

Die Räumung des Hüttendorfes im Wald, wo heute die Startbahn verläuft, hatte die Lage eskalieren lassen. Kurz darauf versammelten sich mehr als 150.000 Menschen in Wiesbaden, um der Landesregierung mehr als 220.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gegen die Flughafenerweiterung zu übergeben.

Zu gewalttätigen Zusammenstößen war es erneut kurz nach dem Start des ersten Flugzeuges über die 18 West im April 1984 gekommen. In einem Fall musste sogar der Flugbetrieb kurzzeitig unterbrochen werden, weil Gegner eine Wiese in unmittelbarer Nähe der Startbahn in Brand gesteckt hatten.

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