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Geschenk fürs Städel Das Millionen-Euro-Bild

Die Mäzenatin Dagmar Westberg hat dem Städel ein Altarbild aus dem 16. Jahrhundert geschenkt. Es ist eins der bedeutendsten niederländischen Werke seiner Zeit. Von Claudia Michels

Frankfurter Mäzenatin stiftet bedeutendes Altarbild
Dagmar Westberg, langjährige Förderin des Städel Museums und Gründerin der Dagmar-Westberg-Stiftung, steht zusammen mit Max Hollein, Direktor des Städel Museums, vor dem Triptychon des "Meisters der von der Grooteschen Anbetung". Foto: dpa

Sie sieht so klein und zart aus, die Dame mit dem Hütchen. Aber für das Städel-Museum ist die kleine Dame eine große Nummer.

Zu ihrem 94. Geburtstag am heutigen 8. Dezember hat die Frankfurterin Dagmar Westberg dem Haus "den bedeutendsten Neuzugang seit 1917" mitgebracht, wie die Museumsleute bei der Vorstellung schwärmten.

Es handelt sich um ein Altarbild aus dem frühen 16. Jahrhundert, das Triptychon einer biblischen Szenerie. Die Gemälde des "Meisters der von Grooteschen Anbetung" hat sie für "mehere Millionen", wie Direktor Max Hollein sagte, aus Privatbesitz für das Museum erworben. Dieses Kunstwerk hatte bei den Nachfahren der Freiherrn von Groote "in einer Wasserburg am Niederrhein überm Sofa" gehangen, hatte der zuständige Kurator Jochen Sander per Zufall erfahren. Und das seit über 100 Jahren.

Nicht zuletzt wegen dieses Hintergrunds wirkte der Zugang jetzt auf Sander "hochgradig aufregend". Besonders der "extreme Reichtum" der Darstellung mache es "zu einem Schlüsselwerk". Die Anbetung der Heiligen Drei Könige sieht man in der Mitte, alttestamentarische Szenen auf den beiden Flügeln. Ein von ganz Nah bis in weite Ferne, von den Schuhspitzen der Damen bis zu den Troddeln der Baldachine, aufs Feinste ausgemaltes Gesellschafts-Panaroma. Der anonym gebliebene Maler der damaligen Antwerpener Schule hat "jeden Quadratzentimeter mit außerordentlicher Eleganz ausgefüllt", deutete Jochen Sander aus.

Das Altarbild wird im Holbein-Saal bis morgen, 9. Dezember, in die Nachbarschaft der Werke von Albrecht Dürer und Matthias Grünewald eingepasst. Der Holbein-Saal wird dann Dagmar Westberg-Saal heißen, denn "durch eine finanzielle Spende", veröffentlicht das Museum, hat die Stifterin für den Raum bis zum Jahr 2024 die Patenschaft übernommen. Bis ins Jahr ihres 110. Geburtstags also."Kunst steckt in mir drin", meinte die Dame mit dem Hütchen, das mit einem rostroten Band und einer grünen Schleife verziert war. Sie liebt das Leben einfach farbig - während im Städel alle sie umschwärmten, wollte sie von den aufgeregten Zeitungs-Fotografen zwischendurch vor allem eines wissen: "Kommt das Bild in Bunt?"

Den Kunstverstand hat Dagmar Westberg von ihrem kinderlosen Großonkel Oscar Troplowitz; der Pharmakologe hatte 1890 in Hamburg die Fabrik von Paul Carl Beiersdorf gekauft und von Leukoplast über Labello bis Niveacreme und Tesafilm erfunden, was der Deutsche bis heute so braucht. Auch was das Stiften angeht, zeichnete dieser Unternehmer, dem die Hamburger Kunsthalle 26 Gemälde verdankt, ihren Lebensweg vor.

Allerdings führte Dagmar Westberg, die die Erbschaft des Onkels antrat, der Weg nach Frankfurt. Hier hat sie seit 1945 gearbeitet, hier fühle sie sich "so verwachsen". Dass man ihr im Städel Tee der Sorte "English Breakfast" kochte, hatte also einen besonderen Grund: Die Mäzenin ist als Übersetzerin der englischen Sprache 20 Jahre lang im hiesigen US-Amerikanischen Generalkonsulat tätig gewesen.

Natürlich war die Frage zu klären, warum sie schenkt, wenn sie Geburtstag hat, wo man sich doch eigentlich beschenken lässt. Viele Worte macht die Dame mit dem Hütchen aber nicht, sie meinte nur: "Ich wollte noch zu Lebzeiten so etwas tun." Denn "das gibt mir Kraft, noch einige Zeit auf der Welt zu sein". Auf die Art wird ihr Geschenk ans Städel doch noch zum Geschenk für sie selbst.

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